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Test
24.08.2005 12:00 Uhr

Killer 7

Kranker Gewalttrip oder faszinierendes Kunstwerk? So oder so, Killer 7 muss man einfach gespielt haben.

Hersteller:
Termin: Spieler:
Testurteil:
86
 
Steuerung
89
Grafik
82
Sound
87
Multiplayer
-
24.08.2005 12:00 Uhr - Der GameCube hat bei einigen Leuten nach wie vor den Ruf einer Kinderkonsole. Besonders Capcom hat in letzter Zeit versucht, diesem Image entgegenzuwirken. Resident Evil 4 ist ein ziemlich blutiger Titel, der wirklich nicht in Kinderhände gehört. Killer 7 folgt diesem Beispiel, übertrifft das Gewaltmaß des Horror-Adventures aber um Längen.

Für das, was hier geboten wird, muss man einen starken Magen haben. Immerhin schlüpft man in die Rolle von sieben brutalen Killern, die alle eines gemeinsam haben. Ihr Herz schlägt in der Brust eines schizophrenen Mannes: Harman Smith. Dieser mysteriöse Kerl ist zufälligerweise befreundet mit Kun Lan, einem finsteren Typen, der sich kurzerhand dazu entschlossen hat, die Welt mit der Hilfe von Terroristen ein wenig aufzumischen. Harman sieht das natürlich nicht gerne und will den üblen Machenschaften ein Ende bereiten.

Ganz leicht wird das aber nicht. Die Terroristen sind nämlich in aggressive Kreaturen verwandelte Menschen, genannt die Heaven Smile. Im Verlauf des Spiels werdet ihr nicht nur auf hunderte dieser Viecher treffen, sondern auch eine große politische Verschwörung aufdecken und herausfinden, wer Harman Smith und die sieben Killer wirklich sind.

Mehr wollen und können wir an dieser Stelle gar nicht verraten. Nachdem man den Abspann gesehen hat, bleiben viele Fragen offen. Aber gerade deswegen saugt Killer 7 den Spieler so ungemein in seine kranke Welt hinein. Man wird Teil der Geschichte und macht sich ständig Gedanken darüber, was für ein Schauspiel da gerade vor den eigenen Augen abläuft.

Minimalismus in Reinkultur

Schon lange vor dem Release hat Killer 7 nicht nur aufgrund der harten Thematik, sondern besonders auch wegen seines ungewöhnlichen Looks Interesse auf sich gezogen. Die Grafik ist im Cel-Shading-Stil gehalten, aber noch weitaus minimalistischer umgesetzt als bei anderen Titeln. Figuren und Umgebungen bestehen aus festen, einfarbigen Flächen.

Schatten sind ebenfalls solche Flächen, die einfach über das Gesicht eines Protagonisten oder eines Umgebungsobjektes gezogen sind. Das sieht in der Praxis sehr gut aus und erzeugt eine dichte Atmosphäre. Störend ist nur das teilweise auftretende Tearing - der untere Teil des Bildschirms verzieht ein wenig und passt nicht mehr ganz zum Rest des Geschehens. Dieser Tearing-Effekt tritt allerdings selten und kaum merkbar auf - und wenn, dann hat er keinerlei Einfluss auf das Spielgeschehen.

Nicht weniger minimalistisch als die Grafik fällt das Gameplay aus. Mit dem A-Knopf lasst ihr eure Killer auf einem vorbestimmten Weg entlanglaufen, mit B dreht ihr euch um und marschiert zurück. Mit der R-Taste wechselt ihr in die Ego-Perspektive, aus der heraus ihr euch die Gegner vorknöpfen könnt.

Kichererbse

Die Heaven Smile sind ziemlich abgefahrene Viecher und treten in unterschiedlichen Variationen auf. Das Fiese an ihnen - sie sind unsichtbar! Die Biester verraten sich aber durch ihr schrilles Lachen. Kichert euch also etwas entgegen, solltet ihr blitzschnell in die Ego-Perspektive wechseln und die Umgebung scannen. Ein Scan macht die Gegner sicht- und somit verwundbar.

Nach ein paar Schüssen sind die meisten Heaven Smile dann schließlich besiegt. In Szene gesetzt wird das Ableben der aggressiven Wesen durch in der Gegend herumspritzende Blutfontänen. Effektiver (und wesentlich sauberer) könnt ihr die Gegner aber beseitigen, indem ihr ihre Schwachpunkte ins Visier nehmt. Jede Monsterart hat so eine Achillesferse.

Die Bombface Smile lassen sich zum Beispiel nur besiegen, wenn sich der Ball auf ihrem Kopf öffnet, während die normalen Heaven Smile eine gülden leuchtende Schwachstelle auf ihrem Körper haben. Trefft ihr diese, lösen sich die Gegner in Blutpartikel auf, die eure Spielfigur automatisch aufsaugt.

Vampirisch

Blut spielt in Killer 7 eine wichtige Rolle. Ist einer eurer Charaktere verwundet, solltet ihr ihn mit Blut heilen, das ihr einfach im Pausemenü anwählt. Jeder Speicherpunkt im Spiel beherbergt auch einen ominösen Doktor, der einen Fernseher zu seiner Wahlheimat erklärt hat. Dort lässt sich der gesammelte Blutvorrat zudem in Serum umwandeln, mit dem ihr wiederum eure Figuren aufleveln könnt.

Das Ganze nimmt aber bei weitem keine Rollenspielausmaße an. Jeder Figur verpasst ihr lediglich mehr Lebensenergie oder erhöht die Quote der kritischen Treffer, die Genauigkeit beim Zielen sowie die Effizienz der Spezialfähigkeiten. Zusätzlich könnt ihr die Nachladezeiten verringern. Außerdem benötigt ihr das Blut, um die Spezialfähigkeiten, die für das Lösen der Rätsel erforderlich sind, überhaupt erst ausführen zu können.

Ein Rätsel! Wo?

Die Knobelaufgaben in Killer 7 sind nicht wirklich knackig. Denn die Lösung, also welche Spezialfähigkeit ihr an welcher Stelle anwenden müsst, ist meist auf der Übersichtskarte eingezeichnet. Macht euch also schnell mit der Map vertraut. Dadurch erspart ihr euch gleichzeitig langes Herumirren in verwinkelten Gassen. Manche Puzzles lassen sich nur mit Ringen lösen, die verschiedene Fähigkeiten besitzen.

Findet ihr beispielsweise den Wasserring, könnt ihr damit Blumen zum Blühen bringen oder Feuer löschen. Die dritte Art von Rätsel ist die, in der ihr tatsächlich ein wenig überlegen müsst. Sehr viel Kombinationsgabe ist dennoch nicht vonnöten. In einem recht heruntergekommenen Kasino findet ihr beispielsweise einen Pferderenn-Simulator, an dem ihr eine genaue Rennvorhersage eintippen müsst. Wenn ihr ein wenig herumsucht, stolpert ihr über ein Poster, auf dem die Reihenfolge eingezeichnet ist. Übernehmt ihr diese, ist das Rätsel auch schon gelöst.

Obermotz

Für gemeisterte Rätsel erhaltet ihr so genannte Seelenhülsen. Am Ende jedes Levels wartet ein Pförtner, der euch im Austausch gegen die wertvollen Gegenstände zu den Bosskämpfen passieren lässt. Diese sind ebenfalls nicht schwer, dafür aber sehr gut in Szene gesetzt. Besonders aufreibend ist zum Beispiel das Duell gegen Curtis Blackburn. Auf seiner Schulter sitzt eine Taube.

Sobald diese losfliegt, müsst ihr eure Waffe ziehen und einen Treffer landen, bevor Blackburn euch eine Kugel verpasst. Wer sein Gegenüber zuerst viermal verwundet, hat gewonnen. Kein wirklich forderndes, dafür aber extrem spannend umgesetztes Erlebnis. Ähnlich wie die zahlreichen Zwischensequenzen im Spiel, die die verworrene Geschichte weitererzählen.

Die Videosequenzen sind sowohl in Spielgrafik als auch in Anime-Optik gehalten und so zahlreich, dass sie die Spielzeit um einige Stunden erhöhen. Für den ersten Durchgang benötigt ihr, vorausgesetzt ihr schaut euch alle Videosequenzen komplett an, etwa 15 Stunden. Der Spannungsbogen wird dabei von Anfang an sehr gut aufgebaut. Zu Beginn des Spiels hatten wir befürchtet, dass man sich zu schnell an die ausgefallene Umsetzung gewöhnt.

Diese Zweifel wurden aber alsbald in alle Winde verstreut. Die Levels sind abwechslungsreich und spannend umgesetzt. Und die Geschichte wird von Level zu Level abgefahrener und sorgte bei uns oft für erschrockene Gesichter und einen kranken Magen. Stück für Stück erfährt man mehr über die Herkunft der Killer 7, über die fürchterlichen Schicksale, die einigen der Charaktere zugestoßen sind, und trifft auf Gegenspieler, deren tiefschwarze Seelen eine überaus drückende Wirkung auf den Gemütszustand haben.

Muss man gespielt haben

Die Bewertung von Killer 7 fällt sehr schwer, weil einerseits die minimalistische Grafik und das Gameplay nicht mal annähernd das aus dem GameCube herausholen, zu dem er fähig wäre. Andererseits ist das sich ergebende Gesamtbild, das die einzelnen Elemente zusammengefügt erzeugen, im wahrsten Sinne des Wortes einmalig - da passt einfach alles perfekt zusammen und erschafft eine Atmosphäre, die absolut nichts für schwache Nerven ist.

Und weil Letzteres überzeugt, bekommt Killer 7 von uns eindeutig den Hit-Stempel aufgedrückt. Eine klare Empfehlung an alle Actionfans kann man aber trotzdem nicht aussprechen. Dieser Titel wird die Lager spalten. Viele Leute werden wegen der bereits angesprochenen Grafik und dem Gameplay nichts damit anzufangen wissen, während genauso viele den Titel mehr für ein abgedrehtes Kunstwerk als ein Videospiel halten werden. Klar ist aber eines: Selbst wenn man Killer 7 nicht mag, gespielt haben muss man es einfach. Denn Killer 7 ist ein in dieser Form noch nie da gewesenes Spiel.
Iwazaru gibt immer wieder seinen Senf dazu.
Wenn man die Schwachpunkte der Gegner ausnutzt, sind sie mit nur einem Schuss zu besiegen.
Während des Abenteuers wechselt Mask mehrmals das Kostüm.
Dank ihrem Zielfernrohr kann Kaede gefährliche Gegner auch auf Distanz vernichten.

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Udo Crnjak
Meine Meinung - Udo Crnjak
Selbst mich als mittlerweile "älteren Zocker" haben einige Story-Elemente massiv geschockt. Das Prädikat "Ab 18" ist bei diesem Spiel durchaus ernst zu nehmen. Die allgegenwärtige Simplizität ist dagegen erfrischend innovativ und tröstet über die banalen Rätsel und das substanzlose Gameplay hinweg.
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