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Test
26.07.2005 14:00 Uhr

Medal of Honor: European Assault

So müssen Nachfolger aussehen: Mehr Freiheit, mehr Action. EA legt im Vergleich zum Vorgänger eine gewaltige Schippe drauf

Hersteller:
Termin: Spieler:
Testurteil:
84
 
Steuerung
85
Grafik
74
Sound
91
Multiplayer
74
26.07.2005 14:00 Uhr - Die Spiele aus der Medal of Honor-Serie gehören zu den erfolgreichsten Zweite-Weltkriegs-Simulationen. Mehrere Millionen verkaufte Einheiten weltweit sprechen eine deutliche Sprache. Dass hohe Verkaufszahlen aber nicht immer auch automatisch ein erstklassiges Spiel bedeuten, zeigte der letzte Teil der Serie, MoH: Rising Sun.

Der gerade mal in einem knappen Jahr entwickelte Titel konnte aufgrund diverser technischer und spielerischer Mängel nicht die hohen Erwartungen erfüllen und enttäuschte Redakteure und Spieler gleichermaßen. Da selbst die Verantwortlichen bei Electronic Arts mit ihrem Spiel nicht so recht zufrieden waren, wurde die Serie jetzt einer Generalüberholung unterzogen.

MoH: European Assault, welches bis vor kurzem noch unter dem Namen MoH: Dogs of War geführt wurde, soll dank zahlreicher Verbesserungen und Innovationen wieder an die Qualität vergangener Tage anknüpfen.

Sein Name ist Holt, William Holt

Bei MoH: European Assault schlüpft der Spieler in die Rolle des US Army Lieutenants William Holt. Dieser begibt sich als OSS-Agent (Office of Strategic Services) im Auftrag der US-Regierung nach Europa und zieht dort Seite an Seite mit den Soldaten der verbündeten Nationen gegen die Nazis in den Krieg.

Anders als bei den Vorgängern agiert der Spieler dabei nicht als heroischer Einzelkämpfer. In den meisten der insgesamt zwölf Missionen kommandiert man seine eigene Einsatzgruppe, die aus drei Mitstreitern besteht. Ander als bei Spielen wie Tom Clancy’s Rainbow Six 3 und Freedom Fighters beschränken sich die Teambefehle allerdings auf das Allernötigste: Vorrücken und Sammeln.

Hat der Spieler überhaupt keine Lust, Befehle an seine Kameraden zu verteilen, so kann er sich das auch ganz sparen: Die von der CPU gesteuerten Figuren sind nämlich so trainiert, dass sie den Spieler automatisch folgen und tatkräftig in den Schlachten unterstützen.

Per einfachen Knopfdruck kann man zudem verwundete Kollegen mit einem Medikit verarzten und somit ihre Lebenszeit drastisch verlängern. Auch wenn die KI der Mitstreiter nicht die Qualität der oben genannten Konkurrenzspiele besitzt (oftmals sterben die Kollegen einfach zu schnell, weil sie sich nicht konsequent genug Deckung suchen), sorgt das neue "Wir-Gefühl" für zusätzlich Stimmung und passt ausgezeichnet zur MoH-Atmosphäre.

Mitten im Kampfgeschehen

Die eigenen Gruppenmitglieder sind aber bei weitem nicht die einzige Unterstützung, die der Spieler während den Missionen erhält. Bei MoH: European Assault kämpft man nämlich nicht alleine mit seiner Gruppe gegen die finsteren Nazischergen.

Vielmehr betritt man mit seinem Team immer ein Kriegsgebiet, in dem sich die eigene Armee bereits heftige Gefechte mit den Feinden liefert und man sozusagen "nur" als Verstärkung auftritt. In den Ardennen erreicht man zum Beispiel just in diesem Moment ein umkämpftes Dorf, als die deutsche Armee mit Unterstützung von mehreren Panzern den Kriegsschauplatz überrennen will.

Ziel ist es dann, zusammen mit den verbliebenen, aber im Dorf verstreuten englischen Soldaten den Angriff abzuwehren und letztendlich eine wichtige Versorgungsbrücke der Deutschen zu zerstören.

Überragende Atmosphäre

Was den Entwicklern dabei ganz hervorragend gelungen ist, ist die geniale Atmosphäre während der Schlachten. Nicht nur die pure Anzahl an aktiv am Kriegsgeschehen teilnehmenden Soldaten ist beeindruckend, auch das ganze Drumherum.

Am laufenden Band schlagen neben einem Granaten ein, Häuser werden von Panzern in Schutt und Asche gelegt oder eine ganze Gruppe von Gegnern taucht dank perfekt getimtem Skript auf dem Bildschirm auf. Der Puls des Spielers bleibt dadurch während der Missionen immer auf einem konstant hohen Wert - Atempausen gibt es praktisch keine!

Grandiose Levels - aber zu kurz

Mindestens ebenso gelungen ist das Leveldesign von MoH: European Assault. Die insgesamt zwölf Missionen sind auf vier eigenständige Kampagnen aufgeteilt. Je nach Kampagne unterscheiden sich die Levels sowohl optisch als auch spielerisch deutlich voneinander.

Während man zum Beispiel vor den verschneiten Toren von Stalingrad zusammen mit der sowjetischen Armee eine deutsche Funkstellung einnehmen muss, infiltriert man im Hochofen Nordafrika geheime Bunkeranlagen der Nazis.

Neben einem Primärziel gibt es neuerdings pro Mission mehrere Sekundärziele. Welche Aufgaben man dabei erfüllen muss, wird einem allerdings vor der Mission nicht gesagt. Erst wenn man bestimmte Gebiete innerhalb der Map erreicht oder gewisse Gegner ausgeschaltet hat, bekommt man die Sekundärziele über Funk mitgeteilt.

Ihr seht, es lohnt sich also, wirklich jeden Zentimeter der Levels zu durchforschen. Wie im Extrakasten beschrieben, überzeugen beim Leveldesign auch die ständigen Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung: Bei MoH: European Assault agiert man so oft mit umherstehenden Gegenständen wie in kaum einem anderen Spiel.

So abwechslungsreich und intelligent das Leveldesign bei MoH: European Assault allerdings auch ist, der ganze Spaß ist viel zu schnell wieder vorbei. Halbwegs geübte Spieler werden bereits nach knapp fünf bis sechs Stunden die letzte Schlacht geschlagen haben und den Abspann betrachten. Selbst wenn man sämtliche Sekundärziele erfüllt und wirklich jeden Gegner ausschaltet, ist die Spielzeit einfach zu kurz.

Daran kann auch der spaßige und mit 16 Levels durchaus umfangreiche Mehrspieler-Modus nichts ändern. Die verschiedenen Spiel-Modi (Deathmatch, Capture the Flag etc.) können dabei mit maximal vier Spielern im Splitscreen gespielt werden - einen Netzwerk- oder gar Online-Modus gibt es ebenso wenig wie einen Kooperativ-Modus.

Verschwommene Optik

Was ebenfalls kritisiert werden muss, ist die Optik von MoH: European Assault. Selbst wenn man die teils unglaubliche Action auf dem Bildschirm berücksichtigt und sich vor Augen hält, dass das Geschehen stets mit 30 Bildern pro Sekunde flüssig läuft, sind einige Texturen deutlich zu niedrig aufgelöst und wirken regelrecht verwaschen. Es darf einfach nicht sein, dass man etwa einen Meter vor einem riesigen Schild steht und die Aufschrift darauf nicht mehr lesen kann!

Zu wenig Polygone

Auch mangelt es stellenweise deutlich an der Anzahl von Polygonen, wodurch viele Objekte, Personen oder Fahrzeuge viel zu kantig aussehen. Beispielsweise kann man manchmal nicht einmal mehr die Hände der Protagonisten erkennen, da sie einfach nur durch grobe Vierecke dargestellt werden! Anders sieht die Sache beim Sound aus. Nicht nur die absolut stimmige Orchesteruntermalung, auch die bombastischen Soundeffekte klingen fantastisch und tragen viel zur tollen Atmosphäre bei. Dank Dolby Pro Logic II können die Soundeffekte dabei sogar räumlich korrekt wahrgenommen werden und helfen dem Spieler bei der Orientierung auf dem Schlachtfeld.

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Udo Crnjak
Meine Meinung - Udo Crnjak
European Assault hat von der ersten Spielminute an meine Entäuschung über Rising Sun wieder gut gemacht. Die erhöhte spielerische Freiheit hat mir sehr gut gefallen und bringt die Serie einen deutlichen Schritt nach vorne. Auch wenn die Missionen herrlich abwechslungsreich sind, ist die Spieldauer einfach zu kurz.
Zum Profil von Udo Crnjak
 
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