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Test
20.01.2005 12:02 Uhr

Import-Test: Mario Power Tennis

Vorteil Mario: Bei diesem vergnüglichen Filzball-Fest holt man sich gerne einen Tennisdaumen.

Hersteller:
Termin: Spieler:
Testurteil:
89
 
Steuerung
89
Grafik
84
Sound
83
Multiplayer
92
20.01.2005 12:02 Uhr - Der Tennissport lebt von seinen Stars. Seit Boris Beckers aktiven Tagen ging es mit den TV-Einschaltquoten in den Keller, denn hübsch anzusehende Loser wie Fräulein Kournikova haben auf Dauer nur einen begrenzten Unterhaltungswert. Neue Helden braucht der Centre Court! Dankenswerterweise ließ Nintendo im Jahr 2000 seine bekanntesten Spielecharaktere zum Racket greifen. Das erste Mario Tennis fürs Nintendo 64 wurde dank viel Humor und solider Spielmechaniken zum Superhit und gilt noch heute als einer der besten Mehrspieler-Titel überhaupt. Auf die neue Fortsetzung für den GameCube waren wir ähnlich stark gespannt wie ein straff besaiteter Tennisschläger - und wurden von der fertigen US-Version nicht enttäuscht.

Kompetenter Kern
Schrumpfdinosaurier und riesige Piranha-Pflanzen fetzen sich Power-Schläge um die Ohren, Gorillavater und -sohn bilden ein Doppel-Team und Fließbänder, Geister, Krokodile bringen den Platzwart zur Verzweiflung - Mario Power Tennis ist kein gewöhnliches Sportspiel. Die meisten exotischen Features lassen sich jedoch auch wegschalten. Dann fällt einem richtig auf, was für eine grundsolide Simulation den Kern dieses quietschbunten Fun-Tennisspiels bildet. Alle "echten" Regeln vom zweiten Aufschlag bis zum Tie-Break sind enthalten. Und im Peach-Stadion erwarten euch stinknormale Spielfelder mit Asche, Rasen- oder Hartplatz-Belag.

Drei verschiedene Steuerungsmodelle machen Einsteiger wie Fortgeschrittene gleichermaßen glücklich. Mit Topspin- und Slice-Tasten schlagt ihr erbarmungslos zu. Je länger man ausholt und je besser der Ball getroffen wird, desto wuchtiger rauscht er in die gegnerische Hälfte; mit dem Analogstick wird dabei die Richtung bestimmt. Außerdem kann man Spezialschläge einstreuen, indem man zwei Buttons schnell hintereinander drückt: B und A bewirken einen frühzeitig zu Boden plumpsenden Stoppball, A und B überwinden am Netz lauernde Gegner mit einem gelupften Lob. Eine Sternmarkierung auf dem Spielfeld verrät sich abzeichnende Schmetterball-Gelegenheiten. A und B gleichzeitig gedrückt, sorgt für den extrakrachigen Abschluss.

Power-Schlaganfall
Im Laufe eines Ballwechsels laden sich die Schläger der beiden Kontrahenten allmählich auf. Wenn der gesamte Racket-Rand glüht, dürft ihr wahlweise einen offensiven oder defensiven Power Shot auslösen. Jeder Charakter hat dafür eigene "Waffen", die in ultrakurzen Animationen in Nahaufnahme ausgepackt werden. Doch egal ob Donkey Kongs Fasskanone oder Peachs Küsschen-Attacke, die Auswirkungen sind bei allen Figuren ähnlich. Seid ihr nahe genug am Ball, dann rumst ihr ihn mit dem Offensiv-Power-Shot vehement in die gegnerische Hälfte. Nur mit etwas Glück und Geschick ist ein solches Geschoss abzufangen und zurückzuschlagen. Die defensive Variante ist dagegen prima geeignet, um eigentlich schon verlorene, unerreichbare Bälle zurückzuangeln. Dieser Schlag hat nicht so viel Schmackes, ist aber als Retter in der Not nützlich. Nach Einsatz eines Power Shots dauert es ein Weilchen, bis sich euer Schläger wieder aufgeladen hat. Dementsprechend solltet ihr mit taktischem Bedacht vorgehen. Idealerweise lässt man den Gegner zuerst seine Spezialtechnik einsetzen, um dann kontern zu können. Die dazugehörigen Animationen unterbrechen den Spielfluss nur minimal. Allenfalls beim Doppel kann eine Kette von vier aufeinander folgenden Spezialschlägen etwas nerven.

Der Herr der Ringe
Bei einigen Charakteren haben es die Grafiker außerdem mit den Spezialeffekten etwas übertrieben und man hat Mühe, überhaupt noch den Ball zu erkennen. Ihr könnt in dieser Hinsicht kritische Spielfiguren jedoch vermeiden oder bei Einzelmatches die Power Shots grundsätzlich deaktivieren. Sehr erfreulich ist die spielerische Vielfalt. Acht Mini-Games mit jeweils mehreren Levels sorgen ebenso für Zeitvertreib wie zwei originelle Tennisvarianten. Bei "Ring Shot" sammelt man Punkte, indem man die eigenen Schläge durch möglichst viele Ringe zielt. Abgerechnet wird nach jedem Ballwechsel: Der Sieger erhält die volle Punktzahl, der Unterlegene muss sein Ring-Guthaben dagegen mit dem Gegner teilen. Wer als Erster eine bestimmte Gesamtpunktzahl erreicht, hat gewonnen. Bei "Item Battle" tauchen dagegen immer wieder Fragezeichenblöcke auf dem Platz auf. In bester Mario-Tradition entweicht ein Extra, sobald man den Ball dagegenschmettert. Auf diese Weise schrumpft ihr den Gegner, lasst ihn auf Bananenschalen ausrutschen, beschießt ihn mit Schildkrötenpanzern und macht euch selber vorübergehend unverwundbar oder schneller. Wenn man hier obendrein Power Shots erlaubt, entbrennt das aberwitzigste und chaotischste Tennis, das man je gesehen hat.

Mario Power Tennis läuft im Mehrspieler-Betrieb zu Spielspaß-Höchstform auf. Bis zu vier Personen werden blendend unterhalten, sei es nun beim gemischten Doppel oder im "Jeder gegen jeden"-Wettkampf bei den Mini-Games. Ihr könnt auch alleine gegen Computergegner antreten und bei insgesamt 15 Turnieren (unterteilt in Einzel und Doppel) mehr als nur Pokale gewinnen. Zusätzliche Charaktere, Spielmodi, Mini-Games und Schauplätze werden durch Erfolge in diesen Wettkämpfen freigeschaltet. Jedes Turnier besteht aus drei Runden, die Spieldauer ist durch die Beschränkung auf drei Spiele pro Satz angenehm kurz.

Love Nintendo
Das höchste der Gefühle ist die Qualifikation für den Star Cup, wo ihr gegen "Star-Charaktere" spielt, deren Fähigkeiten durch die Bank enorm verbessert sind (der Schwierigkeitsgrad zieht entsprechend kräftig an). Um da eine Chance zu haben, solltet ihr selber mit der Star-Ausgabe einer Spielfigur antreten. Wenn ihr mit dem Helden eurer Wahl alle drei Turniere der "World Open"-Tour gewinnt, erhaltet ihr das Sternchen-Upgrade! Als Belohnung für den Sieg im letzten Turnier gibt's dann Zugriff auf den fünften und härtesten Schwierigkeitsgrad namens "Ace". Was keine andere Tennis-Simulation der Welt bietet, ist die allgegenwärtige, oberknuddelige "Typisch Nintendo"-Stimmung - manchmal nahe an der Grenze zum Kindischen, aber auch für "Große" absolut genießbar. Die Charaktere amüsieren mit typischen Sprachhäppchen und Slapstick-Sounds, bei den Wiederholungsnahaufnahmen kommen die detaillierten, hübsch animierten Spielfiguren so richtig zur Geltung. Personen und Schauplätze sind alle mit der erweiterten Seriengeschichte verwandt und verschwägert - bis hin zur Spielstätte im rustikalen Pixel-Look des Original-Mario Bros. aus den Achtzigerjahren. Die Liebe zum Detail reicht bis zu den "Outtakes" beim Abspann, die Pannen der "Dreharbeiten" des knuffigen Introfilms zeigen.

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Heinrich Lenhardt
Meine Meinung - Heinrich Lenhardt
Der heilige Rasen für Funsport-Freunde wurde soeben auf dem GameCube ausgerollt. Keine Tennis-Simulation auf gegenwärtigen oder früheren Konsolen nimmt es in Sachen Spielwitz mit diesem gut gelaunten Gewinner auf. Selbst wer die radikale Niedlichkeit der Charaktere nicht zu würdigen weiß, kann sich angesichts der griffigen Steuerung und des behaglichen Spielgefühls ein seliges Grinsen nicht verkneifen. Die auf höheren Levels hammerharten Compu-tergegner geben Solisten einiges zu knabbern. Trommelt ein paar Kumpels zusammen und euch erwartet eines der besten Mehrspieler-Erlebnisse überhaupt. Einige schwere Turniere mehr und ein paar unübersichtliche Power-Shot-Effekte weniger hätten jedoch nicht geschadet. Aber wer sich auch nur ansatzweise für diesen Sport erwärmen kann, wird Mario Power Tennis leidenschaftlich lieben. Nintendo und Camelot haben es tatsächlich geschafft, den Charme der hervorragenden Nintendo-64-Fassung auch auf den GameCube herüberzuretten. Nur auf einen Europatermin warten wir noch.
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