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Test
27.09.2004 12:47 Uhr

Catwoman

Scharfe Mieze in Lack und Leder - was kann man(n) von einer Superheldin mehr erwarten?

Hersteller:
Termin: Spieler:
Testurteil:
69
 
Steuerung
70
Grafik
71
Sound
70
Multiplayer
-
27.09.2004 12:47 Uhr - Der Sommer 2004 steht ganz klar im Zeichen von Filmumsetzungen. Nach einem guten Shrek 2 und einem hervorragenden Spider-Man 2 steht uns jetzt mit Catwoman bereits die dritte Kino-Blockbuster-Filmumsetzung ins Haus - und das noch bevor der Film in die deutschen Kinos kommt! Wer nun denkt, bei Electronic Arts' Catwoman handle es wie bei deren letzter Filmumsetzung, Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs, um ein geradliniges Actionspiel mit Non-Stop-Prügeleien, täuscht sich. Überraschenderweise orientiert sich der Titel sehr stark an Ubisofts Softwareperle Prince of Persia. Wie der sympathische Jungspund verbringt auch die gelenkige Katzendame in ihrem Abenteuer die meiste Zeit mit ausgedehnten Kletteraktionen. Leider bestätigt sich jedoch mal wieder die alte Weisheit, dass eine Kopie nur selten so gut ist wie das Original.

Klettern mit Hindernissen
Mal abgesehen von der eher unbedeutenden Tatsache, dass die Levels bei Catwoman allesamt sehr künstlich wirken und viele Kisten, Stangen und Schalter absolut hirnverbrannt angebracht sind, macht die Kletterei durchaus Spaß. Die flinke Superheldin hat ein ähnlich großes Bewegungsrepertoire wie der persische Klettermaxe und so ist bei den ständigen Turnereien für genügend Abwechslung gesorgt. Leider offenbart das Leveldesign aber einige gravierende Schwächen, die den gelungenen Ansatz wieder zunichte machen: Während man bei Prince of Persia einen Raum betritt, einen kurzen Überblick über den Fluchtweg bekommt und anschließend weiß, was zu tun ist, irrt man bei Catwoman stellenweise minutenlang durch die Umgebung, ohne genau zu wissen, wo man hinmuss. Aufgrund des oftmals chaotischen Levelaufbaus erschließen sich einem oft die Wege nicht automatisch. Zwar gibt es die Möglichkeit, mittels des Katzenauges von Catwoman Spuren zum nächsten Abschnitt des Levels zu erkennen, diese Option steht einem allerdings nicht immer zur Verfügung.

Nervige Abstürze
Ein weiteres Manko sind die absolut nervtötenden Rückschläge, die man regelmäßig während des Kletterns hinnehmen muss. Oft kommt es vor, dass man, wenn man eine Stange oder ein Netz verpasst hat, metertief nach unten fällt und schwierige, ellenlange Kletterpassagen wiederholen muss. Die ungenaue, schwammige Steuerung und die oftmals überforderte Kamera verstärken dieses Problem zusätzlich und so werden Spieler mit schwachen Nerven wohl den einen oder anderen Tobsuchtsanfall erleiden (hat der Redakteur alles schon hinter sich!).

Simple Kämpfe
Neben all den Geschicklichkeitseinlagen werden natürlich auch bei Catwoman regelmäßig Gegner vermöbelt. Dazu hat man der feschen Mieze einige sehr wirkungsvolle Schlag- und Trittkombinationen (im Capoeira-Stil) spendiert, die per C-Stick ausgeführt werden. Der Spieler muss den Stick dazu nur in die Richtung des Gegners drücken und Catwoman schlägt anschließend dorthin. Wie bei 360°-Steuerungen üblich, bringt diese Art von Schlagfreiheit auch immer einen entscheidenden Nachteil mit sich: Da der Stick einfach nur in die entsprechende Richtung gedrückt werden muss, ist das Schlagrepertoire sehr eingeschränkt und äußerst simpel aufgebaut. So verwundert es dann auch nicht, dass die Kämpfe allesamt sehr leicht und einzelne Gegner reine Opfer sind. Selbst große Ansammlungen von Feinden sind kein Problem, was die Kämpfe nicht gerade spannend macht. Halbwegs geschickte Spieler werden Catwoman (die Spielzeit beträgt nur etwa fünf bis sechs Stunden) deshalb wohl auch ohne ein einziges Ableben der Heldin meistern.

Bitte nicht Töten
Eine Besonderheit des Spiel ist, dass die Verantwortlichen (warum auch immer) konsequent auf tödliche Gewalt verzichtet haben. Der Spieler muss die Gegner deshalb während der Kämpfe entweder in Tonnen, Container oder Schächte werfen oder sie so lange bearbeiten, bis sie freiwillig das Weite suchen. Anfangs noch ganz witzig, erweist sich dieses Feature bald als sehr nervig: Es wirkt einfach absolut lächerlich, dass um einen herum jederzeit Container oder Kisten aufgebaut sind, selbst wenn sie nicht im Geringsten zur Umgebung (z. B. inmitten einer Disco) passen.

Technik erst hui, dann pfui
Auch auf technischer Seite kann der Titel leider nicht wirklich überzeugen. Zwar sehen die ersten Levels
aufgrund toller Licht- und Spiegeleffekte noch wahrhaft bombastisch aus, später ist Catwoman dagegen nur noch besseres Mittelmaß. Die Umgebungen wirken allesamt etwas trostlos und altbacken und wollen nicht so recht Stimmung aufkommen lassen. Während die Animationen der Heldin sehr geschmeidig sind und den Katzenstil sehr gut vermitteln, bewegen sich die Gegner ziemlich unrealistisch über den Bildschirm. Zudem hat der Titel mit derben Clipping-Fehlern zu kämpfen, sodass sich ständig irgendwelche Gliedmaßen ineinander verkeilen. Was die Soundeffekte betrifft, die übrigens in Dolby Pro Logic II abgestimmt sind, gibt es nichts zu meckern. Sie klingen ordentlich und passen ausgezeichnet zum actionreichen Geschehen auf dem Bildschirm. Die Sprachausgabe ist dagegen misslungen. Man merkt schnell, dass die deutsche Synchronsprecherin von Halle Berry ziemlich gelangweilt und unmotiviert im Tonstudio gesessen haben muss, als sie die geistreichen Kommentare à la "Ich klettere jetzt hoch" (nachdem Catwoman schon sein etwa zehn Sekunden eine Leiter hinaufsteigt) oder "Meine Katzenhaare schnurren. Was ist da los?" aufnahm. Alles in allem ist es schon verwunderlich, dass Catwoman nicht ansatzweise an die gewohnte Electonic-Arts-Technik bei Filmumsetzungen herankommt.
In Sprungpassagen macht einem die Steuerung oftmals zu schaffen.
Mit der Peitsche lassen sich flüchtende Gegner einfangen.
Der erste Level ist absolut bombastisch in Szene gesetzt. Effekte, so weit das Auge reicht!
In der Pausenanimation leckt sich Catwoman ganz genüsslich.
In der Pausenanimation leckt sich Catwoman ganz genüsslich.
In der Pausenanimation leckt sich Catwoman ganz genüsslich.
Solche üblen Clipping-Fehler gibt es leider des Öfteren.
Mit aktiviertem Katzenauge sieht der Spieler, wo er hinmuss.
Was das Schwingen betrifft, steht Catwoman dem persischen Prinzen in nichts nach!
Jetzt heißt es schnell ein Ausweichmanöver starten, sonst erwischt uns der Sniper.
(Oliver Beck)

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Udo Crnjak
Meine Meinung - Udo Crnjak
Zu Beginn dachte ich, dass mir Catwoman die Wartezeit bis zum zweiten Teil von Prince of Persia erträglicher machen würde, so angetan war ich von dem Spiel. Spätestens nach einer Stunde wusste ich es aber besser. Aufgrund eines wirren Leveldesigns, vieler unfairer Kletterpassagen und eines lächerlich simplen Kampfsystems ist Catwoman nur ein (viel zu kurzer) Actionhappen für zwischendurch. Da selbst die Technik des Spiels ziemlich schnell an Qualität verliert und nicht ansatzweise mit der anderer EA-Filmumsetzungen mithalten kann, bekommt das Spiel von mir noch nicht einmal eine Kaufempfehlung für Fans des Kinofilms. Wer in diesem Sommer unbedingt einen Superhelden nachahmen will, sollte lieber zum wesentlich besseren Spider-Man 2 greifen!
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