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Test
11.05.2004 13:45 Uhr

Metal Gear Solid: The Twin Snakes

Solid Snake schlängelt sich in europäische GameCubes und präsentiert sich in bisheriger Bestform.

Hersteller:
Termin: Spieler:
Testurteil:
90
 
Steuerung
-
Grafik
83
Sound
88
Multiplayer
-
11.05.2004 13:45 Uhr - Auf Sonys PlayStation hat Hideo Kojima 1999 eine bis dato unbekannte Symbiose aus Videospiel und Kinofilm abgeliefert. Auch heute noch zählt Metal Gear Solid zu den besten Spielen aller Zeiten. Die Hintergrundgeschichte war eine der komplexesten und spannendsten, die bisher in einem Spiel verwendet wurden. Umso interessanter und erfreulicher ist die Tatsache, dass Nintendo-Spieler mit einem Remake dieses Teils für den GameCube beliefert werden.

Im Notfall Solid Snake holen
Auf Shadow Moses Island im Fox-Archipel in Alaska befindet sich eine atomare Waffenvernichtungsanlage, die von der Next-Generation-Spezialeinheit FOXHOUND besetzt wird. Die Terroristen, allen voran Liquid Snake, fordern die Herausgabe der sterblichen Überreste von Big Boss, einem dahingeschiedenen Supersoldaten. Sollte dies nicht binnen 24 Stunden geschehen, werden sie eine Atomwaffe zünden. Da Solid Snake mit solch brisanten Situationen in der Vergangenheit bereits Erfahrung gesammelt hat, soll er auch hier zeigen, warum er eine lebende Legende ist. Er muss - vollkommen auf sich alleine gestellt - die Insel infiltrieren, herausfinden, ob die Terroristen wirklich in der Lage sind, einen Atomschlag auszuführen, und sie gegebenenfalls bei ihrem Vorhaben stoppen. In The Twin Snakes hat sich hinsichtlich der Story nichts geändert. Vorschnelle Schwarzseher werden damit ihre Meinung bestätigt finden, dass Remakes in der Regel nichts Neues zu bieten haben. Es stimmt tatsäch-lich, dass der GameCube bereits Schauplatz einiger Wiederbelebungen, zum Beispiel von Resident Evil oder Ikaruga, war. Wie man aber gerade am Beispiel von Resident Evil sehen kann, hat das Revival durchaus seine Daseinsberechtigung. Bei Metal Gear Solid: The Twin Snakes verhält es sich da ganz genauso. Silicon Knights hat das Original einem ausführlichen Face-Lifting unterzogen und es grafisch ordentlich aufgebohrt. Nicht nur die Modellierung der Figuren wurde angepasst, sondern auch die Animationen. Die Soldaten bewegen sich sehr realistisch, egal ob sie aufmerksam umherstreifen oder Solid schnellen Schrittes verfolgen. Mithilfe des Fernglases lassen sich auch die vielen Details wie sich in Blickrichtung bewegende Augäpfel oder emotionale Ausdrücke beobachten.

Kommt Zeit, kommt KI
Ebenfalls angeglichen wurde die künstliche Intelligenz. Da die perfekt gedrillten Terroristen über ein sehr gutes Gehör verfügen, machen sie natürlich jede ungewöhnliche Geräuschquelle sofort aus und suchen so lange nach der Ursache, bis sie fündig geworden sind. Führt die Suche zu keinem Ergebnis, gehen sie wieder auf Patrouille. Je nach Bodenbeschaffenheit muss der Spieler seine Laufgeschwindigkeit anpassen, da der Soldat sonst die Schritte hört. Es ist also nicht mehr so leicht, einfach draufloszujoggen, wie es im Original der Fall war. Der Terrorist muss sich dabei nicht zwingend auf derselben Ebene aufhalten, um das Geräusch wahrzunehmen. Diese Tatsache lässt sich auch zum eigenen Vorteil ausnutzen, indem man den Soldaten mit dem bewussten Verursachen eines Lautes eine Etage nach oben lockt. Durch die
neu hinzugekommene Fähigkeit, sich an Vorsprünge zu hängen und an ihnen entlangzuhangeln, kann man sehr leicht das Stockwerk wechseln. Neu integriert und besonders hilfreich ist ferner das Ziehen und Abfeuern einer Waffe in der Ego-Ansicht. Diese konnte man im Original nur zum Umsehen benutzen. Jetzt zieht man einfach die Waffe und erledigt einen Gegner, von wo aus man möchte.

Vorsichtiges Vorgehen
Ausführlicheres Umsehen und Beobachten der Räume ist in The Twin Snakes viel wichtiger geworden. In diesem Punkt haben die Entwickler ein Gameplay-Element aus Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty übernommen. Steht man an einer Ecke und presst sich an die Wand, linst Solid Snake mithilfe der Schultertasten (L für die linke, R für die rechte Seite) in den anschließenden Gang. Zusätzlich dazu lässt sich mit dem C-Stick die Kamera nachjustieren. Hat man eine Patrouille erspäht, kann man sogar, sofern man seine Waffe im Anschlag hat, schnell hervorspringen und einen Schuss abgeben. Die Zielhilfe tut dabei sehr gute Dienste. Wer ein besonders ordentlicher Geheimagent ist, lässt seine erledigten Widersacher auch nicht überall liegen; es könnte ja jemand drüber stolpern und sich etwas brechen. Praktischerweise sind im Spiel überall Schränke und andere Stauräume verteilt, die Solid Snake dafür benutzen kann. Man möchte generell gern im Verborgenen bleiben, um keinen Alarm auszulösen. Sollte das dennoch einmal passieren, wird das Radar in der rechten oberen Bildschirmecke vorübergehend unbrauchbar. Dann sucht ein Verstärkungstrupp nach dem Grund für den Alarm, dies geschieht in drei Phasen mit abnehmender Gründlichkeit. Gerade in solchen Situationen bevorstehender Entlarvung erlebt man als Spieler des Öfteren einen deftigen Adrenalinschub. In Kämpfen mit besonders schweren Gegnern ist der Einsatz von Waffen unabdingbar. Hierzu stehen Solid diverse Bleispritzen zur Verfügung, zum Beispiel die neu hinzugekommene Betäubungspistole oder ein Stinger-Raketenwerfer.

Gut, aber nicht überragend
Die Technik der Neuauflage ist gut gelungen, wenngleich man auch sagen muss, dass es auf dem GameCube schon hübschere Spiele zu bewundern gab. Durchweg genial sind die Charaktermodelle, die mit tollen Animationen und vielen Details das grafische Highlight darstellen. Wenn Solid zum Beispiel einen Gang entlangrennt, bewegen sich am Gürtel befestig-te Utensilien ordentlich mit. Betrachtet man hingegen die Umgebungen genauer, offenbaren sich teilweise matschige Texturen. Beispiel: Nachdem in einer Zwischensequenz einige Soldaten gegen eine Wand geschleudert wurden, hinterlassen sie dort eine Mulde, die allerdings als zweidimensiona-le Textur dargestellt wird. An anderer Stelle sieht man aus der Vogelperspektive ein Loch in einer Mauer mit davor verbreiteten Trümmern. Bei näherer Betrachtung stellen sich die Bruchstücke ebenfalls als Textur heraus. Angesichts der genialen Atmosphäre fallen solche Patzer aber nicht stark ins Gewicht. Unterstützt wird die tolle Stimmung des Spiels vom sehr guten Soundtrack, der den Vergleich mit Hollywood-Filmen nicht zu scheuen braucht. Erfreulicherweise haben die Entwickler die englische Sprachausgabe belassen und sie mit deutschen Untertiteln ergänzt. Positiv aus dem Grund, da sich die deutsche Synchronisation des Originals unbeholfen und peinlich anhörte im Vergleich zur englischen Fassung.

Bests Popcorn-Zocken
Eine reine Augenweide sind die völlig neu inszenierten Zwischensequenzen. Verantwortlich dafür war Ryuhei Kitamura, der damit die besten In-Game-Sequenzen abgeliefert hat, die man bis jetzt auf dem GameCube gesehen hat. Somit ist The Twin Snakes das gelungene Ergebnis der Verknüpfung aus den beiden besten Metal Gear Solid-Teilen. Die unvergleichliche und überaus spannende Geschichte des Originals, gepaart mit den spielerischen Neuerungen aus Sons of Liberty, ergeben ein Spielerlebnis, das sich Metal Gear-Neulinge auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Kenner beider Teile können sich ebenfalls erneut auf Shadow Moses Island austoben, da die neuen Gameplay-Features und die aufgebohrte Präsentation durchaus eine positive Bereicherung sind. Die gebündelte Info-Ladung bekommt ihr in der Sonderbeilage, die zusammen mit dieser Ausgabe zu haben ist.
Wen erwischt es beim Duell der Scharfschützen zuerst?
"Mann, wäre ich doch heute im Bett geblieben.“
Dieser Gegner kommt hoffentlich nicht um die Ecke.
Hier muss man auf dem Controller rumhämmern, damit die Lebensenergie erhalten bleibt.
Greift man eine Patrouille von hinten an, kann man sie sehr schnell endgültig aus dem Weg räumen.

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Udo Crnjak
Meine Meinung - Udo Crnjak
Was habe ich mich auf diesen Titel gefreut. Das Original habe ich mit Genuss verschlungen und somit auch in bester Erinnerung. The Twin Snakes hat mich von Anfang an aufgrund der genialen In-Game-Zwischensequenzen fasziniert. Was die Jungs von Silicon Knights zusammen mit Ryuhei Kitamura da inszeniert haben, ist wirklich der Hammer. Ansonsten hätte ich mir in grafischer Hinsicht einen Tick mehr erwartet. Spielerisch gibt es überhaupt nichts zu meckern, da sich Solid Snake punktgenau und intuitiv steuern lässt. Nach dem ersten Durchspielen beschäftigen sich hartnäckige Naturen mit dem Dog-Tag-System oder begeben sich auf die Jagd nach einer besseren Bewertung. Aber das war’s dann auch schon. Ein bisschen mehr Neues hätte sicher nicht geschadet.
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