Tony Hawk's Pro Skater 5: Test - Bauchlandung für den Birdman

Test Christian Dörre
Sinnbildlich: Für Fans der reihe fühlt sich der Titel wirklich an, als würde man ihnen ein Stück Holz zwischen die Beine schlagen.
Quelle: Computec Media GmbH

Test zu Tony Hawk's Pro Skater 5 mit Verspätung - Weil uns zum Release keine Testversion zur Verfügung stand, liefern wir das Review zum Skateboard-Titel erst jetzt nach. Review? Nun, wohl eher eine Warnung, denn das neue Tony Hawk ist leider eine mittelschwere Katastrophe geworden. Warum unser Tester und Tony-Fanboy stetig zwischen Weinkrämpfen und Wutanfällen schwankte, erfahrt ihr im Artikel.

Auf den Test zum neuen Tony Hawk haben wir uns eigentlich gefreut, denn die Infos zum Skateboard-Tiitel klangen ja ganz vielversprechend. Ein Spiel im Stil der klassischen Tony Hawk's Pro Skater-Teile sollte es werden. Kein Feature-Wahnsinn, Rückbesinnung auf alte Tugenden. Toll. Da konnte man auch die leichten Bauchschmerzen unterdrücken, als bekannt wurde, dass Robomodo – jenes Studio, das auch den Plastikbrett-Blödsinn Ride und Shred verbrochen hat – die Entwicklung des Titels übernimmt. Als dann aber nacheinander blöde Features wie Feuer-Geschosse und der Grafikstil angekündigt wurden, durfte man dann doch Schlimmes erahnen. Und das leider mit Recht: Tony Hawk's Pro Skater 5 ist nicht einfach nur der schlechteste Teil der Reihe. Es ist vielleicht sogar allgemein das schlechteste Spiel des Jahres.

Beim Tony hakt's gewaltig

Nur in wenigen Augenblicken macht der Free-Skate-Modus tatsächlich mal einen Hauch von Spaß. Quelle: Computec Media GmbH Nur in wenigen Augenblicken macht der Free-Skate-Modus tatsächlich mal einen Hauch von Spaß. Hat man den ersten Patch runtergeladen, der mehr Speicherplatz frisst als das eigentliche Spiel, darf man dann auch loslegen. Nun, zumindest, wenn euch nach dem Anblick der texturarmen Pseudo-Cel-Shading-Grafik nicht direkt wieder die Lust vergeht. Das Spiel ist unfassbar detailarm, lädt dauernd Texturen nach und ruckelt ab dem dritten Level wie ein Trabbi mit Getriebeschaden auf einer ramponierten Landstraße. Hinzu kommen Clipping-Fehler, eine mangelhafte Kollisionsabfrage, eine Spielphysik, die man selbst nach zehn Weizen noch nicht nachvollziehen kann und Glitches und Bugs ohne Ende.

In einem auf Hochhausdächern spielenden Level versagte der Titel sogar bei der Berechnung des Startpunktes und setzte uns zwischen zwei Dächern im freien Fall ab. Der ruckelige Cartoon-Matsch gepaart mit der schwammigen und ungenauen Steuerung ist den alten PS2-Teilen gnadenlos unterlegen. Wow. Herzlich willkommen auf der PS4, Tony! Du darfst dann auch wieder gehen.

Tony Hawk's Pro Skater 5 - Video-Review

Glitch-Bitch statt Drama-Queen

Die zahlreichen Clipping-Fehler und Glitches sind noch das geringste Problem des Spiels. Quelle: Computec Media GmbH Die zahlreichen Clipping-Fehler und Glitches sind noch das geringste Problem des Spiels. Doch auch abseits der Technik ist Tony Hawk's Pro Skater 5 leider ein Spiel zum Abgewöhnen. Eine Story? Gibt's nicht. Gut, Teil 1 bis 4 kamen auch ohne aus, doch gerade ab dem dritten Ableger war die Welt doch von ein paar NPCs bevölkert, die lustige Sprüche losließen oder euch sogar Aufgaben anboten. Hier ist nichts. Selbst eure Missionen holt ihr euch nicht bei den typisch witzigen Questgebern, sondern bei riesigen blauen Pfeilen ab. NPCs oder Sprachausgabe gibt es nicht. Blöd nur, dass man die Missions-Pfeile gar nicht bräuchte, da man die Aufgaben auch einfach durch einen Druck auf die Touchpadtaste auswählen darf.

Noch blöder: die Quests selbst. Klar, auch die alten Teile hatten schon mal regelrecht doofe Missionen auf Lager ("Skitche am Schwanz des Elefanten und weiche seinen Häufchen aus!"), doch die hier angebotenen Aufgaben sind an Einfallslosigkeit nicht mehr zu überbieten. Neben den obligatorischen Highscores, die es zu knacken gilt, fahrt ihr durch ein paar Ringe, schießt per Kickflip Raketen auf Zielscheiben oder schubst Bälle aus einem Pool. Das hat ungefähr so viel mit Skaten zu tun, wie José Mourinho mit einer gesunden Selbsteinschätzung. Doch auch die Aufgaben, die tatsächlich etwas mit dem Skaten zu tun haben, sind langweiliger als ein Film von Til Schweiger.

Innerhalb eines Zeitlimits so lange und so oft wie möglich zu grinden oder einen Manual hinzulegen, ödet sogar fast noch schneller an als das Durchfahren der erwähnten Ringe. Wer jetzt denkt, dass diese unterfordernden Aufgabestellungen sicherlich nur im Tutorial vorkommen, liegt leider falsch. In jedem verdammten Level müsst ihr wieder die gleichen ätzenden Missionen über euch ergehen lassen. Statt dafür dann belohnt zu werden, indem sich das Spiel selbst zerstört, wird somit das nächste der acht unkreativen Levels freigeschaltet. Doppelte Bestrafung also.

Wer kennt das nicht? Da skatet man gemütlich über den Schulhof und verschießt per Flip-Trick einen Gummiball auf Zielscheiben. Quelle: Computec Media GmbH Wer kennt das nicht? Da skatet man gemütlich über den Schulhof und verschießt per Flip-Trick einen Gummiball auf Zielscheiben. Im Laufe der Entwicklung hieß es immer wieder, dass klassische Aufgaben, wie "Sammle S-K-A-T-E" oder "Finde das versteckte Tape" ihre Rückkehr feiern sollten. Dies sind aber keine normalen Missionen (das könnte ja vielleicht Spaß machen), sondern nur Quests für den freien Modus, quasi der Oberwelt, wo ihr euch die tollen richtigen Aufgaben abholt. Absolviert ihr die Aufträge im "Freien Skaten", bekommt ihr lediglich Karten, die neue Outfits, Decks oder Verkleidungen für euren Skater – den ihr nicht selbst erstellen könnt – freischalten.

Dennoch lässt sich hier noch am meisten "Spaß" herausholen. Ist man einmal ein wenig im Flow und landet eine ordentliche Kombo, macht Tony Hawk's Pro Skater 5 auch mal für ein paar Sekunden Laune. Also bis ihr wieder daran erinnert werdet, dass die ausführbaren Aktionen beschnitten wurden, es sich schwammig steuert, ein Glitch euch im Boden versinken lässt und euch bewusst wird, dass die alten Teile diesem Machwerk trotz ihres Alters haushoch überlegen sind. Aber dafür gibt es ja jetzt lustige Power-Ups, die euren Skater vergrößern oder Flügel an euer Board pappen, um einen Doppelsprung auszuführen. Yay!

Parks & Deterioration

Die klassischen Aufgaben sind eine Farce und dienen nicht dem Fortschritt in der 'Kampagne'. Quelle: Computec Media GmbH Die klassischen Aufgaben sind eine Farce und dienen nicht dem Fortschritt in der "Kampagne". Waren die Levels in den alten Tony-spielen noch die eigentlichen Stars, enttäuschen sie in Tony Hawk's Pro Skater 5 auf ganzer Linie. Die Parks sind allesamt so ausgelutscht und austauschbar, dass man als Veteran der alten Games die Tränen zurückhalten muss. Selbst die aus dem zweiten Serien-Teil recycelten "Schule 2" und "Hangar" sehen im neuen Stil absolut furchterregend aus. Niemals zuvor haben wir uns das verwaschene PSOne-Original so sehr herbeigewünscht. Ihr könnt euch zwar im simpel zu bedienenden Park-Editor eigene Skate-Plätze erstellen oder die online gestellten Kreationen anderer Spieler herunterladen, das Problem ist nur, dass ja das Gameplay selbst in dem am liebevollsten gestalteten Park immer noch verbuggt und schlecht ist.

Der groß angekündigte Online-Modus ist übrigens genauso trostlos ausgefallen. In zahlreichen Versuchen fanden wir einfach keine Mitspieler, obwohl zahlreiche Spieler auf dem Server im freien Skaten unterwegs waren. Nun gut, wer kann es ihnen verübeln? Schließlich machen die grottigen Missionen mit mehreren Mitspielern nicht unbedingt mehr Spaß. Hier könnte man wohl höchstens von geteiltem Leid sprechen. Trotzdem war es sehr schön, dass das Spiel auch ohne Online-Unterstützer die Partie Deathmatch startete und wir überraschenderweise ohne einen einzigen Abschuss Erster wurden. So ein Erfolgserlebnis konnten wir nach mehreren Stunden mit Tony Hawk's Pro Skater 5 wirklich gut gebrauchen. Ruhe in Frieden, geliebte Spieleserie.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Tony Hawk's Pro Skater 5 (PS4)

Wertung:

3.0 /10

Wertung zu Tony Hawk's Pro Skater 5 (XBO)

Wertung:

3.0 /10
Pro & Contra
ordentlicher Soundtrackgelungener Park-EditorDisc kann als Untersetzer verwendet werdenes startet
es startetfürchterlich hässliche Optikunzählige Bugs und GlitchesClipping-Fehlermassive Framerate-EinbrücheTearing & Kantenflimmernunkreative Levelseinfallslose, unterfordernde Missionenschwammige Steuerungmangelhafte Kollisionsabfrageseltsame Spielphysikabgehackte und fehlende Animationen
Fazit

Schlimmer als ein Schlag ins Gesicht.

Bildergalerie

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