Pokémon Shuffle: Test - Meist fairer 3DS-Knobler mit zähen Momenten
Test
Wasser ist stark gegen Feuer, Elektro ist stark gegen Wasser, Boden ist stark gegen Elektro und Geld ist stark gegen alle - zeigt sich so die "Spielidee" von Pokémon Shuffle? In unserem Test erfahrt ihr, ob sich das Spielen des Free2Play-Pokémon auf Nintendo 3DS und 2DS lohnt.
Pokémon Shuffle im Test: Man nehme eine handwerklich superb designte Software, ein perfekt zum 3DS passendes Häppchen-Gameplay, den Puzzlemechanik-Evergreen "Drei Spielsteine in einer Reihe" und kombiniere das Ganze mit einem unbestreitbaren Pokémon-Sammelreiz. Dazu kommen dann noch tägliche Community-Events, nützliche Power-ups und eine ausgeprägte taktische Komponente bei der Punktejagd. Das macht Spaß, eine ganze Menge sogar. Und es ist dank einer Tutorial-Begleiterin auch noch super erklärt. In kurzer Zeit hat man so als Fan des zeitlosen Gameplays mit Pokémon-Nachbrenner die Angelschnur samt Haken, Köder und Fischer gefressen.
Nach etwa einer Stunde ist der Welpenschutz dann aber vorbei, die mühsam verdienten Power-ups sind aufgebraucht und auf dem Bildschirm macht sich eine lästige Meldung breit: Alle Versuche wurden verwendet. Nun kann man (natürlich auch bei abgeschaltetem 3DS) entweder bis zu fünf mal 30 Minuten warten, um für jede halbe Stunde eine weitere neue Spielerlaubnis freizuschalten, oder man kauft sich neue Versuche im Shop. Gegen Echtgeld. Spätestens hier erreicht den geneigten Daumensportler dann zum ersten Mal die Erkenntnis: Pokémon Shuffle ist ein Free2Play-Game.
Mauzi benutzt Zahltag
Quelle: Computec Media GmbH
Während der ersten paar Runden geleitet euch eine freundliche Journalistin durch die Welt und erklärt euch Regeln, Power-ups, Pokémon und begrenzte Spielversuche.
Typisch Free2Play könnt ihr solche Hürden mit kostenpflichtigen Mikrotansaktionen umgehen. Die fünf zusätzlichen Versuche für einen Euro etwa verdienen den Titel "Mikrotransaktion" tatsächlich, die 480 Versuche für knapp 45 Euro dann eher nicht mehr so. Auch die Münz-Power-ups haben es in sich, könnt ihr mit ihnen doch nicht nur die Puzzles erleichtern, sondern mit einem Super-Ball auch noch die Fangchancen besiegter Pokémon nach jeder Runde verdoppeln. So ein Super-Ball kostet im Idealfall (75-Klunker-Paket für 47,99 Euro, 12 Klunker für 48.000 Münzen, 2.500 Münzen pro Super-Ball) 40 Cent. Ihr könnt Münzen aber auch kostenlos im Spiel als Belohnung freizocken – das dauert jedoch und lockt zum schnellen Einkauf.
Ah, Venedig!
Und wie sieht's abseits von Spielmechanik & Free2Play aus? Was kann das Teil optisch beziehungsweise akustisch? Nun, zunächst ist die grafische Gestaltung der Shuffle-Pokémon im wahrsten Sinne des Wortes eine runde Sache: Weil die Konterfeis eurer Taschenmonster-Crew jeweils auch als Spielsteine auf dem Dreierreihen-Puzzlebrett herhalten, müssen die putzigen Gesichter möglichst alle die gleiche Grundform aufweisen. Erwartet euch von Shuffle also keine spektakulären Pokémon-Modelle samt dazu passenden Prachtanimationen, sondern eher stilistisch geprägte, aber durchaus knuffige Chibi-Vektorgrafiken. Die schunkeln gut gelaunt von links nach rechts über beide Bildschirme; mehr gibt's aber nicht zu sehen, weil's eben auch nich nötig wäre. Die Musikwahl klingt nach Venedig-Urlaub im Sommer – überraschend mediterrane Klänge und gut gelaunte Soundeffekte, die nur von einem einzigen, furchtbar kreischigen Dudel-Marsch etwas nach unten gezogen werden. Den Rest haut man sich gerne um die Ohren.
Geld? It's super effective!
Quelle: Computec Media GmbH
Nintendo gibt sich Mühe, euer Interesse an Shuffle zu bewahren - so gibt es Spezial-Events, tägliche Pokémon-Fangaktionen und stets interessante Neuigkeiten.
Die Diskussion, ob das Konzept Free2Play eine Bereicherung oder ein Ärgernis für die Videospielwelt ist, erweist sich auch auf dem 3DS als sinn-, weil endlos. Die wesentlich spannendere Frage ist, ob Free2Play-Spiele fair sind. Und das kann nur für jeden Titel einzeln beantwortet werden – und zwar von uns! Dementsprechend lautet das Urteil: Pokémon Shuffle ist … okay. Zwar zeigt es sich immer zum richtigen Zeitpunkt anwesend, um euch in brenzligen Spielsituationen Vorteile gegen Echtgeld anzubieten, drückt euch diese Goodies aber auch nicht mit aller Gewalt aufs Auge. Wer Pokémon Shuffle gerne hardcore zocken will, gibt am besten einmal 47,99 Euro für 75 Klunker aus und daddelt, bis ihm die Finger glühen. Oder wartet gleich auf das sehr ähnliche Puzzle and Dragons Z im Mai. Alle anderen können Shuffle mit etwas Geduld aber auch häppchenweise komplett für lau spielen.
