Jahrelang war Microsoft der Erzeind vieler PC-Besitzer, musste für seine monopolisitischen Aktionen Kritik und für schwache Software Häme einstecken. Doch plötzlich dreht sich der Wind und Suchmaschinen-Gigant Google scheint der neue Erfeind zu sein. Wie kommt's?
Quelle: Microsoft
Windows hieß jahrelang unter PC-Spielern nur Windoof. Mircosoft schrieb man als "Micro$oft", wenn man etwas auf sich hielt. Service Packs wurden gleichsam erhofft und als Blamage belächelt, um Bugs zu beseitigen und dann (gefühlt) doch nur alles zu verschlimmbessern. Microsofts MSN, die Live-Suche, Windows und die Office-Pakete - richtig glücklich war man nicht, aber es gab kaum Alternativen. Linux war für PC-Spiele nicht wirklich geeignet, der überteuerte Mac auch nicht. Spezielle Spiele für Linux- und Apple-Kisten waren zu selten, also bissen wir wohl oder übel in den sauren - nein, nicht Apfel - Fensterrahmen.
Umso erfrischender war, als plötzlich mit Google eine Suchmaschine auftauchte, die vieles besser machte als Yahoo und Live. Und ebenso plötzlich entstand mit Google ein Konzern, der von vielen gefeiert wurde - als einziges Gegengewicht zu Microsoft. Tatsächlich geriet Microsoft in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck. Die EU verhängte Rekordstrafen, weil Microsoft seine Marktmacht ausnutzte, um unter anderem den bei vielen Surfern ungeliebten Internet Explorer zwangsweise zu installieren. Dann lief der aufgeblähte, behäbige XP-Nachfolger Vista nicht so erfolgreich wie erhofft, und Microsoft musste zwangsweise einiges ändern. Wie der Spiegel berichtet, tat sich intern einiges, was als Ergebnis im Herbst Windows 7 liefern wird. Ein bislang durchweg positiv aufgenommendes Betriebssystem.
Und Google? Die Firma hat nicht mehr nur eine Suchmaschine am Markt, sondern einen E-Mail-Dienst, einen eigenen Browser, eine Mobile-Betriebssystem, Analyse-Tools, Schnittstellen, eine 3D-Engine, bald ein PC-Betriebssystem und und und. Google wurde zum Giganten, wie einst Microsoft, mit einem Monopol im Suchmaschinenmarkt. Interessanterweise wird der einstige Hoffnungsträger mittlerweile als "böse" angesehen. Datenkrake gehört noch zu den harmloseren Bezeichnungen. Tatsächlich ist vielen Usern höchst suspekt, welchen Informationshunger Google hat. Informationen sind das, womit Google Geld verdient. Informationen helfen Google, Werbung zu verkaufen. Das ist grundsätzlich nichts unmoralisches, erinnert aber manche an Microsofts Informationshunger. Apropos Microsoft: Mit Bing starteten die Redmonder eine neue Suchmaschine, die einiges besser macht als Google und in den USA bereits beachtliche Marktanteile eroberte.
So schließt sich der Kreis. Google wird angefeindet, Microsoft ist plötzlich "gut". Google steigt ins Betriebssystem-Business ein, Microsoft bekommt Applaus für seine neue Suchmaschine. So ändern sich die Zeiten.
Das US-Kartellamt möge uns vor eine Fusion von Microsoft und Google bewahren. Wettbewerb ist gesund.
