Top Spin 3

Test Manfred Patrick Reichl

Realismus in Videospielen ist gut, aber ist zu viel Realismus vielleicht zu viel des Guten?

Eine eingesprungene beidhändige Rückhand ist immer ein probates Mittel für einen Punktgewinn. Quelle: Computec Media AG Eine eingesprungene beidhändige Rückhand ist immer ein probates Mittel für einen Punktgewinn. Fünf Tage nach dem Erstverkaufstag unserer Ausgabe 07/2008 war es mal wieder so weit und die berühmteste Tennisanlage der Welt im Londoner Stadtteil Wimbledon öffnete am 23. Juni ihre Pforten. Doch für die Tennisfans, die im Besitz einer Xbox 360 sind, stand drei Tage vorher sogar ein noch wichtigerer Termin an. Am 20. Juni erschien Top Spin 3.

Realismus pur
Schon auf der Games Convention 2007 kündigten die französischen Entwickler von PAM noch mehr Realismus für den dritten Teil der Serie an. Und die Macher haben Wort gehalten. Wie beim echten Tennis müsst ihr auch in der virtuellen Variante korrekt zum Ball stehen und genau getimte Schläge zeigen. Doch das war auch schon in den Vorgängern der Fall. Wesentlich authentischer geht jetzt allerdings das Eindreschen auf die Bälle vonstatten. Ihr müsst ausholen (Taste drücken), Kraft aufbauen (Taste gedrückt halten) und mit dem Schläger im richtigen Moment durchschwingen (Taste wieder loslassen). Nur wenn ihr diese drei Schritte bei den Grundschlägen beherzigt, gelingen euch präzise, kraftvolle Schläge. Wie bereits erwähnt aber auch nur dann, wenn ihr richtig zum Ball steht. Immerhin könnt ihr eure Spielfigur aber auch noch bewegen, wenn ihr schon mit dem Racket ausgeholt habt. Obendrein dürft ihr natürlich auch nicht vergessen, in die gewünschte Richtung zu zielen. Mit dieser Steuerung gelang es den Machern, die wichtigsten Facetten des Tennis rüberzubringen. Allerdings macht die gestiegene Komplexität der Steuerung das Spiel auch weniger einsteigerfreundlich als noch die beiden Vorgänger. Sehr gut gefällt uns an der neuen Spielmechanik dafür aber, dass das Tempo der Ballwechsel nun weniger hektisch und dafür ebenfalls realistischer ist. Bedauerlicherweise kommt der Spielfluss aufgrund der komplexeren Steuerung aber auch häufiger ins Stocken.

Nr. 1 der Welt
Die Center Courts im Spiel sehen allesamt beeindruckend aus. Quelle: Computec Media AG Die Center Courts im Spiel sehen allesamt beeindruckend aus. Top Spin 3 hat die gängigen Spielmodi im Gepäck. Im Schaukampf-Modus dürft ihr Einzel-, Doppel- und Mixed-Matches bestreiten. In der "Top Spin School" erlernt ihr die Steuerung und in der Turnierzentrale könnt ihr 24 verschiedene Turniere im K.o.-System austragen. Mit den French Open, den US Open und den Australian Open haben es auch drei der vier Grand-Slam-Turniere mit offizieller Lizenz ins Spiel geschafft, nur Wimbledon ist nicht mit von der Partie.

Das Herzstück der Einzelspieler-Modi ist ein Karriere-Modus. An diesem könnt ihr mit einem männlichen oder weiblichen Tennis-Crack teilnehmen, den ihr vorher mit einem sehr detailverliebten Editor erstellt. Der Karriere-Modus ist so strukturiert, dass ihr euch von einer Spielklasse zur nächsten hocharbeiten müsst. Ihr beginnt als Amateur, erreicht danach die Challenger-Szene, gefolgt vom Junioren-Level, Profi-Zirkus und zu guter Letzt dem Legenden-Status. Je nachdem auf welchem Niveau ihr spielt, dürft ihr an verschiedenen Turnieren teilnehmen und versuchen, die Nummer eins der Weltrangliste zu werden. Im Gegensatz zum Karriere-Modus in Top Spin 2 erhaltet ihr aber keine Sponsorenverträge mehr, sondern dürft euch lediglich in einem Shop verschiedene Ausrüstungsgegenstände kaufen. Bedauerlicherweise nimmt der Karriere-Modus zudem nur langsam Fahrt auf, da ihr euer Tennis-Ass erst auf ein vernünftiges Niveau hochleveln müsst. Dafür ist der Schwierigkeitsgrad aber definitiv herausfordernder als im zweiten Teil.

Technisch top
Tennis-Experten erkennen sofort die typische Aufschlagbewegung von Boris Becker. Quelle: Computec Media AG Tennis-Experten erkennen sofort die typische Aufschlagbewegung von Boris Becker. Tolle Arbeit hat PAM im grafischen Bereich geleistet. Die lizenzierten Profis wie Roger Federer oder Justine Henin respektive Ex-Profis wie Boris Becker sehen nicht nur in der Nahaufnahme spitze aus, sondern machen auch in Bewegung eine prima, weil sehr lebensecht animierte Figur. Einen sehr guten Eindruck hinterlassen auch alle 40 Tennisplätze im Spiel, die allesamt mit vielen kleinen Details und gelungenen Schatteneffekten aufwarten. Im Soundbereich erwarten euch gelungene Soundeffekte und etliche coole, lizenzierte Songs.

Bildergalerie

Wertung zu Top Spin 3 (X360)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Realistischere SpielmechanikAuthentischeres SpieltempoNeu strukturierte KarriereBoris Becker & Björn Borg
Lange Eingewöhnungszeit
Fazit

Sehr realistische Simulation des Tennissports, allerdings mit langer Eingewöhnungszeit.

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