Endzeitszenarien sind derzeit in. Neben Fallout 3 und Darksiders: Wrath of War lassen auch die Silikonritter in ihrem Action-Rollenspiel Too Human die Menschheit beinahe untergehen. Blutdürstige Maschinenwesen, die von dem längst ausgelöschten Volk der Ymir zu Kriegszwecken geschaffen wurden, bedrohen die Menschheit in der finsteren Zukunft, in der Too Human spielt. Antimateriewaffen wurden gegen die Maschinen eingesetzt, worauf ein seit 3.000 Jahren anhaltender Winter den Planeten in seinem eisigen Griff hält.
Mythologie trifft Science-Fiction
In dieses düstere Szenario werdet ihr hineingeworfen, wo ihr den Asen (nordischen Gott) Baldur verkörpert. Überhaupt dreht sich alles in Too Human um die Sagen- und Götterwelt der Wikinger (siehe Vorschau X3 09/2009). So heißt die letzte Zufluchtsstätte der Menschen Midgard, eine Stadt, deren Mauern die tödlichen Maschinen aufhalten sollen. In der nordischen Mythologie entspricht Midgard der Welt, in der die Menschen leben. Too Human konfrontiert euch unter anderem mit dem undurchschaubaren Heimdall, dem geradlinigen Thor, dem tückischen Loki, der mit Leichen experimentierenden Hel und mit der Midgardschlange. Alles wurde an die hypermoderne Welt der Zukunft angepasst.
Nahkämpfe sind
zwar actionreich,
aber extrem
abwechslungsarm.
So sind die Asen in Too Human eigentlich Menschen, die mithilfe von Nano-Implantaten Unsterblichkeit erlangt haben. Zu welchem Preis, das gilt es unter anderem im Spielverlauf zu ergründen. Und der Weltenbaum entspricht dem Internet, das sich in mehreren tausend Jahren aus vielen künstlichen Intelligenzen und Informationsnetzen zu einem autonomen Informationspool mit eigenem Bewusstsein entwickelt hat. Hier trefft ihr die Nornen (nichtorganische rationale Nanosysteme), die ähnlich wie die Menschen im Film Matrix im Cyberspace leben und euch im Spielverlauf mit wichtigen Informationen versorgen. Jahrtausende alte Sagen treffen auf modernste Technik. "Faszinierend", würde Mr. Spock jetzt sagen.
Motivationsbremsen
Wer mit der ganzen Wikinger-Thematik nichts anfangen kann, sollte tunlichst die Finger von Too Human lassen, denn spielerisch weiß der Titel langfristig nicht zu überzeugen. Die faszinierende und spannende Geschichte dagegen schon, sofern ihr ein Faible für Wikinger und Science-
Quelle: Silicon Knights
Der weise Mimir hat seinen Körper in einem Gefecht verloren.
Fiction habt. Ausgedehnte Zwischensequenzen und Rückblenden wechseln mit leider ebenso ausgedehnten Kampfsequenzen ab. Hier wäre weniger mehr gewesen. Horden an unterschiedlichen Maschinenwesen wehrt ihr mit euren Wummen oder im Nahkampf mit Schwert, Kampfstab oder Kriegshammer ab. Abwechslung tut hier Not. Warum gibt es nur drei Spezialattacken, warum sind die Zauber so unscheinbar, warum ist das Leveldesign so schrecklich langweilig, und vor allem: was haben die Entwickler in den letzten zehn Jahren nur gemacht?
Ein wenig Spielspaß mag entstehen, wenn man ein stärkeres Lasergewehr erhält. Und der dumpf klingende, hämmernde Sound einer Partikelkanone vermag sogar ein fieses Grinsen in das Gesicht des Spielers zu zaubern. Untermalt werden die Kampfszenen durch sehr stimmige, teils klassische, teils elektronische melancholische Musik und Frauenchöre. Auf Dauer ist das aber zu wenig. Zwar gibt es die sogenannte Spinne, die autonom vom Spieler agiert und auf Wunsch beispielsweise Plasmageschosse stakkatoartig auf die Feinde einprasseln lässt. Die Spinne besitzt aber immer nur die eine Fähigkeit, für die ihr euch bei der Charakter-Entwicklung entscheidet. Das Gleiche gilt für den Kampfschrei.
Ist die Komboleiste aufgeladen, könnt ihr mit
einem Zerstörer-Angriff das Pack zurückwerfen.
Das Sprengkommando etwa (eine der fünf Klassen neben Berserker, Verteidiger, Kämpfer und Bio-Ingenieur) vermag mit einem Kampfschrei die Wirkung von Granaten zu verstärken. Toll,
diese Auswirkung sieht man ja sofort. Warum gibt es keine weiteren Fähigkeiten, die sich idealerweise auch optisch voneinander unterscheiden?
Schnell laufen die Kämpfe stets nach demselben Schema ab. Anrückende Horden werden mit Granaten und Gewehrsalven unter Beschuss genommen, im Nahkampf werden die immer gleichen Angriffe gestartet. Das bereitet kurzzeitig durchaus Spaß, auf Dauer macht sich gähnende Langeweile breit. Die Motivation besteht für Fans wohl darin, den Helden mit immer besseren Waffen auszurüsten und die nächste beeindruckende Videosequenz freizuschalten. Wem das genügt, der greift zu.
