Tomb Raider: Anniversary
Bald können alte und zukünftige Fans Lara Crofts Debüt neu erleben.
Viele Szenen wirken bekannt, dochdie Lösungswege sind nicht die gewohnten.
BILD: EIDOS
Zu Laras zehntem Geburtstag wurde es nicht rechtzeitig fertig, doch auch nach dem verpassten 2006er-Termin will Eidos die Neuauflage des ersten Tomb Raider-Spiels als Jubiläumsausgabe verstanden wissen - nun eben zum fast Elfjährigen. Ungeachtet solcher Kleinigkeiten sieht's aber erfreulicherweise ganz danach aus, als gäbe es im Juni für Fans der Serie jede Menge Grund zum Feiern, denn Tomb Raider: Anniversary verspricht eine gelungene Neuinterpretation eines der größten modernen Spieleklassiker zu werden.
Rückkehr nach Ägypten
Bei der ersten Präsentation des Spiels wurde ein Abschnitt in Griechenland gezeigt, der dem Wasserfall/Zahnradrätsel-Level aus dem Originalspiel nachempfunden war. Dramaturgisch geschickt endete die Demonstration bei Laras Begegnung mit dem Tyrannosaurus Rex - ohne dass man mehr als die Füße des Untiers gesehen hätte.
Der Level war gut gewählt, denn er enthielt einige der denkwürdigsten Stellen des ersten Tomb Raider und machte deutlich, dass die Neuauflage nicht nur viele Grundideen, sondern vor allem auch die dichte Atmosphäre des Klassikers beibehalten würde. Ein weiterer Level, der uns nun ausführlich in Aktion gezeigt wurde, spielt in Ägypten und machte ebenfalls einen guten Eindruck, auch wenn die Vorlage dafür deutlich weniger bemerkenswert war.
Doch es hat einfach seinen ganz eigenen Reiz, mutterseelenallein Ruinen und Höhlen zu erforschen, ohne wie bei Tomb Raider: Legend ständig in Funkkontakt mit anderen Leuten zu stehen. Und wenn man ab und zu mal auf wilde Tiere trifft und sich dieser mit Pistolen und Schrotflinte erwehren muss, lockert dies das Geschehen angenehm auf, ohne Hobby-Archäologen mit allzu ausladenden Actioneinlagen zu überfordern. Die relativ frei strukturierten Levels und der große Ausprobier-Faktor machten zu einem großen Teil den Reiz des ursprünglichen Tomb Raider-Spielablaufs aus und genau das wollen die Entwickler mit der Anniversary-Edition wieder einfangen.
Völlig umgekrempelt
Die meiste Zeit müssen Sie sich mit wilden Tieren herumschlagen.
BILD: EIDOS
Grafisch merkt man dem Spiel die zehn Jahre Technikvorteil gegenüber dem Original natürlich sofort an. Alles ist viel detaillierter, von der ehemals weitgehend quadratischen Levelgestaltung ist nicht mehr viel zu sehen und moderne Beleuchtung lässt die Pharaonengräber und Höhlen noch schummriger und atmosphärischer wirken.
Doch es liegt nicht nur an den gewaltigen grafischen Fortschritten, dass man als Kenner des Originals immer wieder überrascht wird - auch in Sachen Gameplay hat sich seitdem einiges getan; und nachdem gerade die Steuerung der Serie in der Zeit vor Tomb Raider: Legend immer wieder in der Kritik stand, will man den heutigen Spielern nicht mehr die hakelige Originalsteuerung von damals zumuten.
Die Zeiten, in denen man sich vor jedem Sprung sicherheitshalber erst vorsichtig bis an den Rand einer Plattform herantasten, einen Schritt zurückspringen und dann Anlauf nehmen musste, um auch ja nicht abzustürzen, sind also vorbei. Stattdessen klettert und schwingt sich Lara Croft mit der gleichen Geschicklichkeit durch die Levels, die sie zuletzt in Tomb Raider: Legend an den Tag legte. Da auch der magnetische Haken aus Legend übernommen wurde, musste das Leveldesign grundsätzlich überarbeitet werden, um weiterhin herausfordernd zu sein - der Vorteil ist, dass selbst Kenner des Originals so auf jede Menge neue Aufgaben stoßen werden und nicht bloß Altbekanntes in zeitgemäßer Optik serviert bekommen.
So machen Remakes Spaß!
Für die Lara von heute wurde das Leveldesign auf den Kopf gestellt.
BILD: EIDOS
Puristen werden sich angesichts solch elementarer Eingriffe in den Spielablauf natürlich mit Grausen abwenden, doch wird der rundum überarbeitete Klassiker sicher viele neue Fans finden. Es ist auf jeden Fall erfreulich, wie geschickt hier Altbekanntes mit Neuem verbunden wird, sodass aus einem doch etwas angestaubten Klassiker ein absolut zeitgemäßes Spielerlebnis wird. Und in einem Punkt geben sich die Entwickler übrigens trotz aller Modernisierungsansätze ganz nostalgisch: Das rotierende Menü entspricht praktisch 1:1 dem 1996er-Original.
Angesichts der bisher gezeigten Qualität wäre es eine erfreuliche Entwicklung, wenn so manch anderer Hersteller seine pixelig-hakeligen 3D-Frühwerke auf ähnliche Art wiederaufleben ließe.