Kleiner Geldbeutel, große Idee: Wir werfen einen Blick auf Spiele, die die Industrie auf den Kopf stellen. Ganz ohne Milliarden-Budget.
Was ist Indie?
Eine Definition oder gar ein Regelwerk für Indie-Games finden zu wollen, hat also wenig Sinn. "Auch die Mainstream-Industrie ist ja durchaus bereit, sich auf ästhetische 'Innovationen' einzulassen, statt sich auf die Reproduktion des Immergleichen zu beschränken", fährt Jahn-Sudmann fort. Die Frage sei eben, um was für eine Kategorie von Innovationen es sich dabei handele. Auch die Verbesserung von Spielelementen und die Einführung neuer Features, wie man es bei vielen Mainstream-Titeln beobachten kann, sind ja in gewisser Weise Innovationen. "Nur unterscheiden sich diese ein Stück weit im Grad des Risikos, das mit ihnen eingegangen wird. Egal um welchen Zweig der Kulturindustrie es gerade geht, grundsätzlich gilt: wo viel Geld im Spiel ist, versucht man Risiken zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Solange die Nachfrage stimmt, gibt es auch keinen (zwingenden) Grund, das Altbewährte aufzugeben.
Portal
Das hört sich jetzt sehr kulturkritisch an und ist darüber hinaus auch keine neue Erkenntnis. Aber so verhält es sich eben. Grundsätzlich können Independent-Spieleentwickler selbstverständlich mehr ästhetische Risiken eingehen und mehr Experimentierfreude zeigen, insbesondere weil die Budgets geringer sind und damit das finanzielle Risiko. Viele Independent-Spiele entstehen in nichtindustriellen Kontexten, d. h. als Freizeit- oder Hochschulprojekte. Da ist der Druck geringer, bestimmte kommerzielle Erwartungen zu erfüllen, und es existieren mehr Spielräume für außergewöhnliche Ideen, die dann letztlich auch wieder für die Spieleindustrie interessant sein können."
Womit wir wieder am Anfang unserer Reportage angekommen wären: Auch die breite Masse profitiert von der Experimentierfreude der Independent-Entwickler. Das haben inzwischen auch die großen Hersteller begriffen und beauftragen nicht nur junge Talente für kommerzielle Produkte, sondern bieten mit Portalen wie dem PSN auch den Independent-Titeln immer häufiger eine öffentliche Plattform. Aber stellen sich Independent Games in dem Moment, in dem sie auf solchen kommerziellen Plattformen erscheinen, nicht selbst infrage? In der Musikwelt wäre spätestens jetzt von "Ausverkauf" die Rede. "Das Problem der gegenwärtigen Independent-Spieleszene ist weniger eines der Vereinnahmung oder des Ausverkaufs", glaubt Andreas Jahn-Sudmann. "Die Frage ist eher, wie sehr sich eine Independent-Spielekultur weiter etablieren kann und vielleicht auch in kommerzieller Hinsicht interessant(er) wird. Das Independent Games Festival, das wichtigste Festival für unabhängige Spiele, gibt es gerade mal zehn Jahre. Gerade im Vergleich mit der Filmbranche ist da noch einiges an Aufbauarbeit zu leisten."
In diesem Artikel
- Seite 1 Independent Games: Karriere-Sprungbrett
- Seite 2 Independent Games: Grenzgebiete
- Seite 3 Independent Games: The place to be
- Seite 4 Independent Games: Wer suchet der findet
- Seite 5 Independent Games: Was ist Indie
- Seite 6 Independent Games: Lass uns Freunde sein
- Seite 7 Independent Games: Forscherdrang
- Seite 8 Independent Games: Independent Games Festival
- Seite 9 Bildergalerie
- Seite 1 Independent Games: Karriere-Sprungbrett
- Seite 2 Independent Games: Grenzgebiete
- Seite 3 Independent Games: The place to be
- Seite 4 Independent Games: Wer suchet der findet
- Seite 5 Independent Games: Was ist Indie
- Seite 6 Independent Games: Lass uns Freunde sein
- Seite 7 Independent Games: Forscherdrang
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