Vor fast genau zwei Jahren, als GTA IV noch lange auf sich warten ließ, war Saints Row der erste Titel aus dem sogenannten Open-World-Genre für die Xbox 360. Jetzt, zwei Jahre später, ist der Nachfolger Saints Row 2 erhältlich. Allerdings ist das große GTA IV mittlerweile auch schon seit einem halben Jahr auf dem Markt und hat die Messlatte verdammt hoch gelegt.
Zurück von den Toten
Die Handlung des zweiten Teils knüpft zwar nahtlos an das Ende des ersten Teils an, aber seitdem sind in der virtuellen Welt etliche Jahre vergangen. Eure Spielfigur hat diese Zeit schwer verletzt im Knast verbracht. Nachdem er bzw. sie die Explosion am Schluss des Vorgängers nur knapp überlebt hat, dürft ihr euch zu Beginn von Saints Row 2 als plastischer Chirurg versuchen und euren Spielcharakter mit einem sehr umfangreichen Editor von Grund auf neu erstellen. Im Anschluss brecht ihr aus dem Gefängnis aus, rettet einen alten Bekannten vor dem elektrischen Stuhl und lasst eure Gang der 3rd Street Saints wieder auferstehen. Insgesamt ist die Handlung allerdings wesentlich ernsthafter ausgefallen als noch im ersten Teil und euch erwarten beklemmende Ereignisse.
Bandenkriege
Am eigentlichen Spielprinzip hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts geändert, nur die Gegner sind andere. Mit den Ronin, den Söhnen von Samedi und der Bruderschaft reißen sich drei neue Gruppierungen um die Macht in Stilwater, dazu gibt es noch die finstere Ultor Corporation, eine ehemalige Bekleidungsfirma, die Stilwater immer mehr in einen Überwachungs- und Polizeistaat verwandelt. Wie in Open-World-Spielen üblich, seht ihr auf einem Radar euer nächstes Missionsziel und begebt euch mit einem Vehikel dorthin. Konntet ihr euch im Vorgänger nur mit Autos fortbewegen, dürft ihr nun auch Boote, Helikopter oder Motorräder benutzen. Die Steuerung sämtlicher neuer Fortbewegungsmittel funktioniert prima, vor allem die Mopeds lenken sich richtig spaßig.
Bleihagel
Der Großteil der Missionen läuft wesentlich actionorientierter ab als die in GTA IV, denn im Vordergrund stehen Ballereien und weniger fahrerisches Geschick. Wie im Vorgänger könnt ihr das Fadenkreuz beim Zielen mit dem rechten Ministick frei bewegen, allerdings reagiert dieses anfangs etwas unpräzise. Dies ist aber so gewollt, denn ihr könnt in Saints Row 2 nach und nach diverse Extras freischalten und euer Charakter lernt erst mit zunehmender Spieldauer präziser zu zielen. Immerhin könnt ihr aber von Anfang an in eine Über-die-Schulter-Ansicht der Spielfigur wechseln und zoomt so etwas an eure Kontrahenten heran. Sämtliche Schusswechsel funktionieren gut, nur die KI eurer Gegner stellt sich regelmäßig sehr dusselig an.
Respekt, Alter!
Schon im Vorgänger musstet ihr durch das Erfüllen von Nebenmissionen immer wieder eine Respekt-Anzeige füllen, um euch damit die Erlaubnis zu holen, eine weitere Story-Mission zu absolvieren. Dieses System haben die Entwickler auch im zweiten Teil beibehalten, es führt für euch also kein Weg daran vorbei, euch mit den Nebenmissionen zu befassen. Zu diesen gehören etliche alte Bekannte wie der Versicherungsbetrug. Doch auch neue Nebenmissionen gesellten sich im zweiten Teil dazu, beispielsweise dürft ihr nun auch den Lkw einer Kläranlage durch die Stadt steuern und Gebäude verunreinigen, indem ihr eure Fracht mit einem Schlauch verspritzt. Sämtliche Nebenmissionen bestehen aus mehreren Levels, die euch mit steigendem Anspruch auch mehr Respekt-Punkte einbringen. Das Absolvieren der Nebenmissionen lohnt sich zudem auch deswegen, weil ihr dabei ebenfalls Extras freischalten könnt. Wer nur an der Story interessiert ist, wird durch dieses Konzept aber natürlich ausgebremst.
Hohe Messlatte
Vor allem im technischen Bereich hat GTA IV einen neuen Standard definiert, an dem sich Saints Row 2 definitiv messen lassen muss. Im Gegensatz zum Gameplay hält die Technik diesem Vergleich allerdings nicht stand. Diese Schwächen fangen bei der künstlichen Intelligenz eurer Mitstreiter und Feinde an und ziehen sich bis hin zur grafischen Umsetzung. Wir haben es während des Tests beispielsweise häufiger erlebt, dass von der Konsole gesteuerte Figuren planlos gegen Hindernisse rannten und den richtigen Weg nicht fanden. In einer höheren Liga spielt GTA IV im Vergleich zu Saints Row 2 auch im grafischen Bereich. Euch erwarten zwar detailliertere Charaktere und hübschere Zwischensequenzen als im ersten Teil - dass jedoch noch mehr aus einem vergleichbaren Spiel rauszuholen ist, hat der Rivale von Rockstar bewiesen. Richtig nervtötend sind in Saints Row 2 zudem die sehr spät aufpoppenden Texturen und Objekte wie gegnerische Fahrzeuge. Sehr zu begrüßen ist hingegen, dass die Entwickler das Spielareal um neue Gebäude und Areale erweitert haben. Außerdem herrscht auf den Straßen nun auch mehr Leben als noch im ersten Teil. So lebhaft und echt wie in Liberty City geht es aber nicht zur Sache. Nichts zu meckern gibt es dagegen am Sound des Spiels. Die englische Sprachausgabe ist dank professioneller US-Schauspieler wie Michael Rapaport (Prison Break) hervorragend und auf den elf Radiosendern von Stilwater laufen nun viele bekannte Songs wie "The Final Countdown" von Europe. Neben einem Hip-Hop- und Metal-Sender erwarten euch beispielsweise auch Kanäle mit klassischer Musik oder College Rock.
