Red Faction Guerilla-Test: Was taugt die Zerstörungsorgie?

Test Christoph Peter Schuster

Red Faction Guerilla-Test: Die virtuelle Zerstörung auf einem bisher ungekannten Level - doch kann die rote Fraktion im Gesamtpaket auch spielerisch überzeugen?

Wer kennt sie nicht, die beinahe kindliche Begeisterung, die Feuer und Zerstörung auf menschliche Wesen (insbesondere männliche Vertreter der Spezies) ausüben. Haben wir nicht alle schon mal versucht, an Silvester mit Raketen und Böllern irgendwelche Dinge in die Luft zu jagen? Und stellen nicht leinwandfüllende Explosionen den eigentlichen Reiz von Actionstreifen wie Mission Impossible und Stirb langsam dar?

Absolute Zerstörbarkeit
Red Faction Guerilla - Mit futuristischen Knarren wie diesem Elektroschockgewehr rückt ihr Feinden zu Leibe. Quelle: Videogameszone.de Red Faction Guerilla - Mit futuristischen Knarren wie diesem Elektroschockgewehr rückt ihr Feinden zu Leibe. Genau das dachten sich wohl auch die Entwickler von Volition Inc. und bauten deshalb auf absolute Zerstörbarkeit als Hauptmerkmal ihres neuen Babys Red Faction: Guerrilla. Besagte Guerilla findet auf dem Mars statt, wo die Streitkräfte der EDF (Earth Defense Force) unschuldige Siedler brutal unterjochen und zu Zwangsarbeit verurteilen. Zudem haben die Besatzer den Bruder eures Helden auf dem Gewissen, was diesem verständlicherweise etwas auf die Leber schlägt. So schließt er sich den Widerständlern der Red Faction an, zu denen auch sein verblichenes Brüderchen gehörte, und führt einen gnadenlosen Guerilla-Krieg gegen die EDF. An den ersten beiden Red Faction-Ablegern knüpft Guerrilla übrigens nicht an.

Red Faction Guerilla - Szenen wie diese stehen häufig auf dem Programm, an Action mangelt es also nicht. Quelle: Videogameszone.de Red Faction Guerilla - Szenen wie diese stehen häufig auf dem Programm, an Action mangelt es also nicht. Ihr benötigt also kein Vorwissen, um die Geschichte zu genießen. Allerdings kann von genießen kaum die Rede sein: Während das mitreißende Intro Erwartungen weckt, kann das Spiel diese im Anschluss keineswegs erfüllen. Ihr klappert einen Sektor nach dem anderen ab und erledigt so lange Missionen, bis ihr der EDF die Kontrolle über die Region abringen könnt. Dann geht's auf ins nächste Gebiet. Funksprüche treiben größtenteils die Handlung voran, wichtige Personen kommunizieren ebenso über den Äther mit euch. So entsteht keinerlei emotio­nale Bindung zu den Charakteren und die Handlung nimmt kaum Fahrt auf.

Fallbeispiel
Red Faction Guerilla - Mit eurem Vorschlaghammer verarbeitet ihr selbst massiven Beton wie hier zu Bröseln. Quelle: Videogameszone.de Red Faction Guerilla - Mit eurem Vorschlaghammer verarbeitet ihr selbst massiven Beton wie hier zu Bröseln. Einen Aspekt gibt es jedoch, der Guerrilla aus der Masse der Actiontitel heraushebt und seine Anhänger finden wird: (beinahe) vollkommene Zerstörung! Jedes Gebäude, jeden Aufbau, jedes Fahrzeug, das ihr seht, könnt ihr demolieren. Und damit meinen wir nicht etwa Kratzer und Einschusslöcher, sondern komplettes Dem-Erdboden-gleich-Machen! Die Spielphysik simuliert größtenteils realistisch das Zerbrechen, Auseinanderfallen und in sich Zusammenstürzen der Bruchstücke und lässt dementsprechend eindrucksvoll Türme und Fabrikhallen zusammenkrachen. Gemeinsam mit den spektakulären Explosionen garantiert dieses Feature unheimlichen Spaß und begeistert von Beginn an.

Red Faction Guerilla - Fies: Brennende Karren neben Gebäuden parken und sie dann gar sprengen. Quelle: Videogameszone.de Red Faction Guerilla - Fies: Brennende Karren neben Gebäuden parken und sie dann gar sprengen. Mit dem Vorschlaghammer Wände zerlegen, mit einem tonnenschweren Lastwagen ganze Gebäudekomplexe niederreißen oder einfach per Raketenwerfer destruktiven Energien freien Lauf lassen - wie gesagt, eine Mordsgaudi! An dieser Stelle muss allerdings ein großes Aber kommen: Während wir die amtliche Spieldauer von etwa zehn bis 15 Stunden grundsätzlich gut heißen, leiden selbst destruktive Naturen relativ früh unter einsetzender Eintönigkeit. Exotische Waffen versuchen gegenzusteuern, doch die einfallslosen Missionen lassen sich nicht verleugnen. So fantastisch Red Faction: Guerrilla Zerstörung auch zelebriert, so sehr dürstet es den Spieler bald nach etwas Gehaltvollerem, was auch der recht spartanischen Inszenierung zuzuschreiben ist.

Offenes Areal
Red Faction Guerilla - Kämpfe in geschlossenen Räumen sind dank der zerstörbaren Umgebung eine Seltenheit. Quelle: Videogameszone.de Red Faction Guerilla - Kämpfe in geschlossenen Räumen sind dank der zerstörbaren Umgebung eine Seltenheit. Dass die Spiel-Physik die eine oder andere unglaubwürdige Situation heraufbeschwört und die Fahrzeuge sich zwar in Geschwindigkeit und Panzerung, nicht aber im Fahrgefühl unterscheiden, das könnten wir verzeihen. Zumal das Teil trotz der großen, frei begehbaren Welt und zerstörbaren Gebäude noch gut aussieht. Doch Guerrilla krankt an den typischen Schwächen eines Open-World-Spieles und die tristen, staubigen Areale des Mars laden zudem nicht gerade zum Erkunden ein. Ein Titel mit offener Spielwelt darf sich eben unmöglich nur auf ein großes Feature verlassen!

Bildergalerie

Wertung zu Red Faction: Guerrilla (PS3)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Maximale Zerstörung – geil!Exotische WaffenauswahlStarker Mehrspielermodus
Schwach präsentierte HandlungMangelnde spielerische Abwechslung
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