PES 2012 im Test: Maximale Freiheit, maximale Kontrolle - Ab heute im Handel erhältlich

Test Christoph Peter Schuster

PES 2012 im Test auf videogameszone.de! Nachdem die letzten Versionen der japanischen Fußballsimulation eher umstritten waren, kämpft sich Konami mit der 2012er-Ausgabe zu alter Stärke zurück und macht damit das Duell gegen die FIFA-Konkurrenz extrem spannend!

PES 2011 im Test! Dem Konami-Team forderte die Entwicklung von PES 2011 viel ab: Die Japaner mussten äußere Einflüsse wie die Katastrophe im März abschütteln und den Abstand auf Konkurrent FIFA in einem echten Kraftakt aufholen. Doch diesen Ansporn brauchte die Meute um Entwicklerguru Seabass scheinbar, um sich auf alte Tugenden zu besinnen. So flüssig, präzise und anspruchsvoll wie dieses Jahr spielte sich Pro Evo schon lange nicht mehr. Dazu gelang Konami mit der Off-the-Ball-Steuerung eine coole Innovation, obschon sie noch nicht perfekt umgesetzt wurde. Klar hängt PES 2012 in Sachen Präsentation und Lizenzen noch immer hinter her. Wer sich aber auf das Geschehen auf dem Platz konzentriert und bereit ist, Zeit zu investieren – der wird bei PES 2012 mit maximaler Freiheit und Kontrolle belohnt.

"Unser Fokus muss darauf liegen, Pro Evo wieder dorthin zu bringen, wo es hingehört." Mit diesen Worten verdeutlichte der PES-Europaverantwortliche Jon Murphy die Marschrichtung: Vorbei die Zeiten des elitären Überlegenheitsdenkens, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Passend dazu setzten die Japaner vor allem auf mehr Disziplin. Wo die Abwehrreihen letztes Jahr noch an aufgeschreckte Hühnerhaufen erinnerten, hält dieses Jahr der moderne Fußball Einzug. Das Mittelfeld rückt intelligent mit zurück, um den Raum für die Angreifer dichtzumachen. Die Defensive schließt zugleich gezielt Lücken und bewacht einzelne Gegner, ohne aus der taktischen Reihe zu fallen. Großes Lob an die KI-Designer, die Hintermannschaften agieren die meiste Zeit glaubwürdig und vor allem auch effektiv. Einer für alle, alle für einen! Damit es trotzdem noch Gründe zum Jubeln gibt, lernte die Abteilung Attacke ebenso dazu. Vorbei die Zeiten statischer Mitspieler, in PES 2012 sind alle Akteure konstant in Bewegung, um Gegner zu beschäftigen oder Anspielmöglichkeiten zu bieten.

PES 2012: Die Schiedsrichter sind nicht mehr ganz so penibel wie in PES 2011, pfeifen aber dennoch nachvollziehbar. Quelle: Konami PES 2012: Die Schiedsrichter sind nicht mehr ganz so penibel wie in PES 2011, pfeifen aber dennoch nachvollziehbar. Außerdem bremsen Kameraden in der Vorwärtsbewegung nicht länger ab, sondern gehen im Gegenteil die nötigen Wege, um schnelle und präzise Angriffszüge durchzuführen. Gut so, Konami gelingt eine feine Balance zwischen Offensive und Defensive, so wirkt das Spiel als Ganzes lebendig, flüssig und realistisch. Ein weiteres Mittel im Kampf um den Ball ist die Off-the-Ball-Steuerung (siehe Extrakasten), mit der ihr manuell einen weiteren Spieler neben dem ballführenden manövriert. Eine an sich feine Idee, deren Umsetzung aber ein wenig zu unkomfortabel ausfiel. Selbst nach mehreren Partien fiel es uns noch schwer, in der Hitze des Gefechts intelligente Spielzüge zu kommandieren.

Auf sich gestellt erledigt die optimierte KI hier oft einen genauso guten Job wie mögliche Anweisungen unsererseits. Sinnvoll fanden wir das Feature hingegen bei Standardsituationen, wo wir statt des Schützen lieber direkt den Balladressaten steuerten. Zahlreiche Eckbälle und Freistöße resultierten im Torerfolg aufgrund kluger Mitspielerbewegungen – ausgeführt mittels Off-the-Ball-Kontrolle. Vom Meister zum Schüler? Doch damit nicht genug, Konami steckte weitere Arbeit in das Erlebnis auf dem Platz und integrierte unzählige neue Animationen ins Geschehen. Viele der neuen Bewegungen helfen, das Spiel variantenreicher zu gestalten, während andere schlicht die Nahtstelle zwischen einzelnen Manövern besser kaschieren.

Vor dem Spiel ist in PES 2012 Training angesagt. Neue Challenges helfen, den Umgang mit dem Controller zu perfektionieren. Quelle: Konami Vor dem Spiel ist in PES 2012 Training angesagt. Neue Challenges helfen, den Umgang mit dem Controller zu perfektionieren. Im Vergleich zum Primus FIFA 12 wirken Spielzüge dennoch oft abgehackt, da die Übergänge zwischen Animationsstufen noch immer zu grob sind. Wirklich störend hängt der Kick aus Japan aber nur in einer Disziplin hinterher: der Präsentation. Die Entwickler versuchen hier mit Details aufzutrumpfen: Ordner und Kameramänner am Spielfeldrand, Trainer die vor der Bank gestikulierend herumwirbeln. Das wirkt nett, geht im Gesamtbild aber unter. Die Fans auf den Tribünen erscheinen einfach weniger glaubhaft und vor allem die Soundkulisse in Form der Stadiongesänge kann nicht annähernd mit der Konkurrenz mithalten. Da sollte sich PES 2012 mal eine dicke Scheibe bei der kanadischen Konkurrenz abschneiden.

Wichtig ist aber bekanntlich auf dem Platz (okay, für den Satz wandern jetzt wirklich 5 Euro ins Phrasenschwein) und dort gelingen PES 2012 nach der Enttäuschung im vergangenen Jahr wichtige Schritte nach vorn. Das Spielgeschehen wirkt flott, flüssig und realistisch, gerade alte Pro Evo-Hasen fühlen sich nach kurzer Zeit pudelwohl. Zudem bietet das Spiel enorme Freiheit, ihr lernt ständig Kniffe dazu und habt das Gefühl, immer besser zu werden. Der Nachteil: Ein- oder Umsteiger zahlen anfangs ordentlich Lehrgeld, denn die Trainings-Challenges decken nur einen Bruchteil des Spiels ab. Den Spaß, den ihr mit PES 2012 haben werdet, müsst ihr euch erst verdienen. Weitere Infos zu PES 2012 findet ihr auf unserer Sammelseite zum Spiel.

Bildergalerie

Wertung zu Pro Evolution Soccer 2012 (X360)

Wertung:

88 /10
Pro & Contra
Sehr flüssiges, lebendiges SpielerlebnisSehr gute Mitspieler-KIInnovative Off-the-Ball-Steuerung
Nur begrenzte Zahl an OriginallizenzenSchwächen in der Präsentation
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