King Kong
Montpellier ist immer wieder eine Reise wert. Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal die Gelegenheit, dort bei Ubisoft Pictures reinzuschauen. Damals zeigte Michel Ancel, der bis dahin vor allem als der kreative Kopf hinter Rayman in Erscheinung getreten war, sein ambitioniertes Action-Adventure Beyond Good & Evil. Zu dieser Zeit war noch nicht absehbar, dass dieses Spiel aus kommerzieller Sicht ein großer Flop werden würde - und doch für seine Entwickler der Wegbereiter für ein noch viel größeres Projekt.
Ebensowenig konnte Ancel zu der Zeit erahnen, wie viel Wahrheit in seiner Prognose stecken sollte, er würde in Zukunft noch filmartigere Spiele erschaffen. Bei unserem erneuten Besuch im Juni dieses Jahres waren seit der Fertigstellung von Beyond Good & Evil fast eineinhalb Jahre vergangen.
Das seinerzeit ca. 40 Mann starke Team war fast auf das Doppelte angewachsen und steckte mitten in der Produktion eines Spiels, das ebenso wie seine Filmvorlage zu Weihnachten einer der großen Erfolge werden dürfte: Peter Jacksons King Kong.
Jades Vermächtnis
Bei der Präsentation konnten wir im Gegensatz zur Enthüllung des Spiels auf der E3-Messe im Mai nun auch selbst Hand anlegen und uns ausgiebig mit einem halben Dutzend Abschnitten des Spiels auf PlayStation 2, Xbox und GameCube befassen, die technisch erstaunlich nah beieinander lagen - was angesichts der optischen Klasse des Titels ganz klar als Lob und nicht als Kritik gemeint ist.
Es ist erstaunlich, wie flexibel und leistungsfähig die Jade-Engine ist, die nach Beyond Good & Evil in überarbeiteter Form auch bei King Kong zum Einsatz kommt. Nicht nur sind aufgrund der Realfilm-Vorlage die grafischen Ansprüche ganz anders als bei der Comicwelt von BG&E, auch ist der Titel spielerisch ein ganz anderer Fall.
Anstatt eines Action-Adventures aus der Verfolgeransicht versucht sich Ancels Team diesmal an einem Ego-Shooter der ungewöhnlichen Art, bei dem Sie in die Rolle des Drehbuchautors Jack Driscoll schlüpfen, gewürzt mit Prügel- und Klettereinlagen, bei denen man Kong selbst aus der Außenansicht steuert. Der Wechsel zwischen diesen Spiel-Elementen kann dabei sehr schnell gehen: Am Ende der spielbaren Demoabschnitte standen wir einem Tyrannosaurus Rex gegenüber, als plötzlich Kong auftauchte - eine kurze Einführungssequenz später übernahmen wir bereits die Kontrolle über den Riesenaffen und prügelten die Urzeitechse windelweich, während die menschlichen Spielfiguren sich automatisch in Sicherheit brachten.
Das Abenteuer aus Menschensicht
Der Begriff Ego-Shooter wird dem Teil des Spiels, in dem man Jack Driscoll steuert, nicht ganz gerecht. Zwar ballert man immer wieder mit allerlei Waffen durch die Gegend, doch kommen beim Kampf mit Dinosauriern aller Größen, riesigen Hundertfüßern, aggressiven Fledermäusen und allerlei anderen gefährlichen Wesen ebenso oft Speere als Stich- und Wurfwaffen zum Einsatz - oder Knochen, die Sie direkt aus einem herumliegenden Sauriergerippe gerissen haben.