Past Cure im Test: Nur knapp vorbei am Totalausfall

Test Paula Sprödefeld
Past Cure im Test: Nur knapp vorbei am Totalausfall
Quelle: PC Games

Das junge Phantom 8 Studio hat am 23. Februar 2018 sein Erstlingswerk Past Cure für PC, PS4 und Xbox One veröffentlicht. Das neunköpfige Entwicklerteam aus Berlin wollte eine Mischung aus Action, Stealth, Thriller und Horror schaffen, mit einer mitreißenden Story und für kleines Geld, aber hoher Qualität. Im Test haben wir gemerkt, dass Phantom 8 Studios ihre Ziele dabei wohl zu hoch gesteckt haben. Was genau Past Cure besser machen könnte, lest ihr im Test.

Es ist die Zeit von kleinen Studios, die Großes vollbringen wollen. Aus vielen Ecken kommen Independent-Spiele zum kleinen Preis, die aber überwältigend sind. So wie Ninja Theorys Hellblade: Senua's Sacrifice im letzten Sommer oder Subnautica von Unknown Worlds Entertainment Anfang dieses Jahres. Doch nicht jedes Studio, das sich vornimmt, ein qualitativ hochwertiges Spiel mit cooler Story und hübscher Grafik für wenig Geld auf den Markt zu bringen, schafft das auch tatsächlich. So auch bei Past Cure (jetzt kaufen 9,95 € ) von Phantom 8 Studios.

Vorgenommen hat sich das kleine Berliner Studio, ein Spiel zu kreieren, das Action, Stealth, Horror und Thriller miteinander vereint. Der Protagonist Ian ist ein Ex-Söldner, der von einer osteuropäischen Organisation für Experimente missbraucht wurde. Neben seinen Skills als ehemalige Tötungsmaschine kann er jetzt auch noch die Zeit beeinflussen und mit seinem Geist seinen Körper verlassen. Zusammen mit seinem Bruder Marcus geht er auf einen Rachefeldzug, um seine Peiniger zu erledigen. Klingt ja schon mal ganz spannend, nicht wahr? Leider erfüllt Past Cure kaum eine dieser Prämissen.

Past Cure im Test: Bitte mit Scheuklappen und Oropax

Einige Missionen haben Vorgaben, andere nicht. Das wirkt inkonsequent. Quelle: PC Games Einige Missionen haben Vorgaben, andere nicht. Das wirkt inkonsequent. Die einzigen Momente mit Atmosphäre sind in der Albtraumwelt. Dort wird die Stimmung gut eingefangen. Quelle: PC Games Die einzigen Momente mit Atmosphäre sind in der Albtraumwelt. Dort wird die Stimmung gut eingefangen. Als erstes fällt auf, dass das Spiel grafisch nicht unbedingt auf einem Level mit aktuellen Spielen ist. Zwar ist das erste von insgesamt sieben Kapiteln recht atmosphärisch und wirkt auch optisch ansprechend, dieses Niveau sinkt jedoch im weiteren Spielverlauf. Die Welt wirkt leer - statt glaubhafter Architektur gibt es sich wiederholende Muster. Alles wirkt gleich, vor allem im späteren Spiel. Das führt schnell zu Orientierungslosigkeit, da Past Cure auch keine Map bietet, die Korridore sich alle gleich, und sogar die NPCs könnten alle Zwillinge sein.

Auch die Texturen sind durchweg matschig oder schlichtweg nicht vorhanden. Ist es Holz, Metall, Plastik? Man weiß es nicht. Alle Level wirken sehr steril und undurchdacht, bis auf die Albtraumlevel, die ziemlich stark an The Evil Within 2 erinnern. Diese Albträume sind das Resultat von Ians langsam einsetzendem Wahnsinn, den er nur durch Medikamente im Zaum halten kann. Jedes Mal, wenn ihr nämlich die Spezialfähigkeiten von Ian benutzt - Zeitmanipulation und Astralprojektion - sinkt der Wahnsinns-O-Meter. Der kann dann mit einer kleinen blauen Pille wieder gefüllt werden. Leider sind diese beiden Fähigkeiten, die man so interessant ins Spiel hätte einbauen können, fast vollkommen unnötig. Mit der Astralprojektion schaltet ihr vielleicht mal eine Überwachungskamera aus, und die Zeitmanipulation ... tja, die braucht ihr eigentlich selten.

Aber Ian gibt euch auch am laufenden Band Tipps, was ihr tun könnt, erklärt wie er sich gerade fühlt oder führt einfach nur fürchterlich nervige innere Monologe. Das wäre vielleicht nicht ganz so schlimm, wenn der Synchronsprecher Ian nicht so völlig emotionslos und schlecht darstellen würde. Nebenbei bemerkt ist Ian anscheinend Deutscher (was wir im Spiel selbst nicht herausgefunden haben), da es aber keine deutsche Sprachausgabe gibt, führt er seine inneren Monologe in schlechtem Englisch. Etwas unrealistisch, das hätten die Entwickler deutlich besser lösen können.

Past Cure im Test: Story?

Dann ist aber doch wenigstens die Story ziemlich gut? Die Entwickler haben Past Cure schließlich unter anderem mit dieser beworben. Nun ja, sagen wir es mal so: Bis etwa zur Mitte des knapp sechs bis acht Stunden langen Spiels war die Geschichte um Ian nicht ganz klar. Zu seinen Hintergründen erfahrt ihr ziemlich wenig. Er wurde gefangen gehalten und an ihm wurden Experimente durchgeführt. Ihr erfahrt nicht wirklich viel über die ausführende Firma. Charaktere, die vorher nie erwähnt wurden, tauchen plötzlich auf und eine wirkliche Verbindung zu Ian kommt auch nicht auf. Schade, denn die Handlung hätte durchaus Potenzial gehabt.

Past Cure: Mission fehlgeschlagen

Der Bildschirm verschwimmt leicht und wird bläulich, wenn Ian seine Zeitmanipulation einsetzt und das Geschehen verlangsamt. Quelle: PC Games Der Bildschirm verschwimmt leicht und wird bläulich, wenn Ian seine Zeitmanipulation einsetzt und das Geschehen verlangsamt. In der Astralprojektion fliegt Ian aus seinem Körper raus, um Kameras auszuschalten. Für viel mehr ist sie nicht unbedingt nützlich. Quelle: PC Games In der Astralprojektion fliegt Ian aus seinem Körper raus, um Kameras auszuschalten. Für viel mehr ist sie nicht unbedingt nützlich. Neben Gameplay- und Storymängeln hat Past Cure leider auch diverse Bugs und Performance-Probleme zu beklagen. Anzeigen, die deutliche machen, dass Gegner euch bemerkt haben, werden in Cutscenes weiterhin angezeigt, die Sprachausgabe bricht mittendrin einfach ab, Missionen scheitern ohne ersichtlichen Grund, und Speicherpunkte sind im vorletzten Kapitel so weit voneinander entfernt platziert, dass es frustrierend ist.

Past Cure im Test: Das üben wir wohl nochmal

Ja, das klingt jetzt alles nicht sonderlich berauschend. Aber behaltet im Kopf, dass Past Cure das erste Spiel eines nur neunköpfigen Entwicklerstudios ist. Das Team von Phantom 8 Studios hat seine Ziele für das Erstlingswerk definitiv zu hoch gesteckt und die Zeit zu knapp bemessen. Das Spiel, das einen eigentlich interessanten Ansatz verfolgt, ist in der Ausführung eher auf dem Level eines PS2-Spiels wie Max Payne 2. Zwar kommt zeitweise Atmosphäre auf, die grundlegende Idee ist gut - jedoch hätten die Entwickler sich auf weniger Features beschränken und diese dann besser umsetzen sollen. Als Horrorspiel nicht gruselig genug, als Actionspiel nicht actionreich, für den Thrilleraspekt fehlt die zusammenhängende Handlung. So wie es jetzt erschienen ist, ist Past Cure leider nichts Halbes und nichts Ganzes.

Wer sich zunächst einmal einen Eindruck verschaffen möchte, kann sich die kostenlose Demo zu Past Cure auf Steam herunterladen. Erhältlich ist der Genre-Mix für PC, PS4 und Xbox One jeweils für knapp 30 Euro.

Metacritic bewertet das Spiel mit 48%.

Past Cure im Test: Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Past Cure (PC)

Wertung:

4.0 /10

Wertung zu Past Cure (PS4)

Wertung:

4.0 /10

Wertung zu Past Cure (XBO)

Wertung:

4.0 /10
Pro & Contra
Stellenweise atmosphärischgute AnsätzeHorrorlevel sind interessantPuzzle sind spaßig
Veraltete Grafik auf PS2-LevelSteife Animationen in Gesichtern und BewegungenMatschige bis nicht vorhandene TexturenUntertitel wechseln zwischen Englisch und Deutsch oder bleiben komplett ausEmotionslose Synchronisation und unpassendes SkriptingZu viele Cutscenes, die den Spielfluss durchbrechenVerwirrende Story ohne roten FadenSchwammige Steuerung, vor allem im Nahkampf
Fazit

Past Cure nimmt Klischées aus verschiedenen Genres, packt sie zusammen und kreiert dabei aber nichts Neues.

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