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Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen

25.09.2010 18:01 Uhr
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Über viele Jahre hinweg blieb er unberührt: Der florierende Markt mit den Gebrauchtspielen schien die Publisher nur wenig zu kümmern. Doch in Zeiten schwächelnder Konjunktur und sinkender Umsätze fand ein Umdenken statt. Alle wollen plötzlich an dem Geschäft mit Second-Hand-Ware mitverdienen - und setzen dabei auf umstrittene Methoden.

Weiterverkauf eingeschränkt: Wie Publisher den Gebrauchtspielmarkt kontrollieren wollen Computer - und Videospiele können ein teures Hobby sein. Mit bis zu 60 Euro schlägt der Kauf aktueller Top-Hits zu Buche. Über ein Jahr gesehen kann sich das schnell zu einem stolzen Sümmchen läppern. Wer auf grandiose Titel wie Starcraft 2, Mafia 2 und God of War 3 zum Zeitpunkt der Neuveröffentlichung nicht verzichten will, am Ende aber auch kein tiefes Loch im Geldbeutel hinterlassen möchte, greift eben zur vergünstigten Gebrauchtware. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Viele Publisher beklagten in jüngster Zeit herbe Umsatzverluste und machen nach den verteufelten Raubkopien nun auch den Second-Hand-Markt für die Misere mitverantwortlich.

Dabei sollte man ihnen daraus nicht kategorisch einen Strick drehen. Schließlich verdienen die Hersteller an dem Verkauf gebrauchter Games keinen einzigen Cent. Gleichzeitig stiegen die Kosten für die Entwicklung hochwertiger Titel in den letzten Jahrzehnten rasend an. Rückmeldung bekommen sie von der kürzlich veröffentlichten Studie der Analysten-Gruppe Cowen & Company. Die Verkaufszahlen der PlayStation 3 und Xbox 360-Titel aus dem Jahr 2009 würden 20 Prozent unter dem liegen, was 2003 die PS2 / Xbox erreicht hätten. Neidische Blicke wandern zu den Händlern, wie der Kette GameStop, die mit Second-Hand-Ware gute Geschäfte machen und jüngst sogar Rekord-Umsätze vermeldeten. Da sich eine direkte Beteiligung an dem Verkauf von Gebrauchtspielen als schwierig erweist, entwickelten die Publisher alternative Methoden.

EAs mutiger Vorstoß...

Den Vorstoß wagte Electronic Arts schon im letzten Jahr mit Dragon Age: Origins. Dem Rollenspiel-Schwergewicht liegen freischaltbare Extras, wie eine zusätzliche Mission und eine Ingame-Rüstung bei. Einmal aktiviert, gehen die Boni permanent in den Besitz des Spielers über und werden unweigerlich mit einem zuvor angelegten Account verknüpft. Käufer eines gebrauchten Exemplars blieb nur die Möglichkeit, die Inhalte nachzukaufen. Auch die nächsten Games aus dem Hause EA setzten auf ein ähnliches System. Als Beispiel heranführen lässt sich etwa Battlefield: Bad Company 2 mit seinem VIP-Code, das den Zugriff auf kostenlosen Content ermöglicht.

Die Idee, Käufer eines neuen Spiels mit Extras zu belohnen, klingt blumig, erzielte aber offensichtlich nicht die erwünschte Wirkung. Das Vorenthalten eher geringfügig wertvollen Contents (etwa zusätzliche Waffen und Skins) schien sich vermutlich kaum auf den Absatz neuer Ware auszuwirken, weshalb EA im Mai mit der Einführung des Online-Pass die zweite Phase im Kampf gegen den Second-Hand-Markt einläutete. Beginnend mit Tiger Woods PGA Tour 11 werden alle künftigen Konsolenspiele des Labels EA SPORTS mit einem einmalig nutzbarem Code ausgestattet, der den Zugriff zum Mehrspieler-Modus reglementiert. Gebrauchtkäufer müssen circa 10 Euro für einen neuen Code ausgeben, sollten sie an Online-Partien teilnehmen wollen.

...und die Reaktionen darauf

Andere Publisher begrüßten den Verstoß des Branchenriesen. Sony "unterstützt die Idee weitgehend" und befindet sich zur Zeit selbst "aktiv auf der nach Suche nach derselben Option für eigene Titel." SEGA hält die Idee für "clever" und schließt ebenso wie Ubisoft ähnliche Initiativen Zukunft nicht völlig aus. Weiter ist man bei THQ. Der Publisher hat das System von EA bereits erfolgreich in SmackDown vs. RAW 2011 adaptiert, sich aber mit einem provokanten ("Wer gebrauchte Spiele kauft, betrügt uns") wenig Sympathie eingehandelt. Da half auch die spätere Entschuldigung nicht viel. Activision indes, hat sich noch nicht zu einer entgültigen Entscheidung durchgerungen. Zuletzt hieß es, man wolle sich zunächst auf DLC fokussieren.

Bei den Händlern dominieren hingegen die kritischen Stimmen. Marc Day, Geschäftsführer von SwapGame.com, ist beispielsweise der Ansicht, dass sich der Publisher ins eigene Fleisch schneiden würde. "Bei SwapGame tauschen die meisten Kunden ihre Spiele gegen Geld oder eine Gutschrift ein, um sich davon wiederum neue Titel zu kaufen, die sie sich ansonsten nicht leisten könnten. Durch das Eintauschen wollen wir den Kunden dabei helfen, Spiele erschwinglicher zu machen, indem wir ihnen eine neue Möglichkeit eröffnen, Spiele zu kaufen", so Day. "Der Schritt hin zu exklusivem DLC ist interessant und stellt dem Publisher offensichtlich eine weitere Einnahmequelle zur Verfügung. Für den Gebrauchtmarkt mindert es definitiv den Wert der Spiele, wodurch sie günstiger verkauft werden. Das bedeutet auch, dass die Kunden weniger dafür bekommen, wenn sie sie eintauschen."

Rückdeckung genießt EA ausgerechnet von der großen Einzelhandelskette GameStop. Sie glauben nicht, dass der Second-Hand-Markt zwangsläufig Einbußen verzeichnen wird. "Wir ermutigen Publisher, zusätzliche Inhalte zu einem höheren Preis für neue Titel und in einer günstigeren Variante für Gebrauchtspiele anzubieten. Tatsächlich können die Publisher von unserem Gebrauchtspielhandel profitieren, indem sie zusätzliche Inhalte für die beliebtesten gebrauchten Titel anbieten. So entstehen Vorteile für Publisher, Handel und Konsumenten", so ein Sprecher.

Im Namen des Volkes

Mit der einen oder anderen Einschränkung lässt es sich noch leben. Richtig sauer aufstoßen dürfte die Gamer allerdings die Tatsache, dass sich so manch gekauftes Spiel gar nicht mehr zu Geld machen lässt. Beispielsweise StarCraft 2. Zum Spielen ist neben der Vollversion ein kostenloses Battle.Net-Konto Pflicht. Während der Installation muss der Titel mittels Key an den Account gebunden werden. Das heißt im Umkehrschluss: Würde man seine StarCraft 2-Version verscherbeln wollen, müsste man auch den Account mitverkaufen. Doch dem schiebt Blizzard mit einer Klausel in den Nutzungsvereinbarungen einen Riegel vor. Darin heißt es:

"Accountübertragungen werden von Blizzard nicht anerkannt. Sie sind nicht berechtigt, einen Account zu kaufen, zu verkaufen, zu verschenken oder damit zu handeln oder einen Account zum Kauf, Verkauf, als Geschenk oder zum Handel anzubieten, und alle derartigen Versuche gelten als null und nichtig."

Lautet unserer Kollegen von GameStar, die den Rechtsanwalt Stephan Mathé befragt haben, ist das sogar rechtmäßig: "Nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ist diese Klausel wohl rechtmäßig. Sie verstößt zwar Erschöpfungsgrundsatz, gelangte Werkstücke Software) meines Erachtens gegen den Erschöpfungs-Grundsatz, der es erlaubt, einmal in den EU-Markt gelangte Werkstücke (also auch Software) frei weiterzuverkaufen. Doch der BGH sieht das für reine Onlinespiele offenkundig anders."

Ihre Meinung

Wir würden gerne Ihre Meinung zu dem Thema hören. Kaufen und / oder verkaufen Sie Gebrauchtspiele? Wie empfinden Sie das strikte Vorgehen der Publisher? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Freier Mitarbeiter
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25.09.2010 18:01 Uhr
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Dein Kommentar
Benutzer
Bewertung: 0
20.10.2010 18:56 Uhr
Wenn für die Benutzung von Onlinespielen dauerhaft Gebühren anfallen, dann kann ich verstehen, wenn der Gebrauchtkäufer diese genau wie sein Vorbesitzer bezahlen muss. Selbst Zusatzinhalte, die ein Spieler durch das Meistern von Aufgaben erhalten hat (zusätzliche Waffen, Rüstungen etc.) kann man meinetwegen…
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
08.10.2010 10:27 Uhr
Ich finde, dass Starcraft 2 kein reines Onlinespiel ist.
Es besitzt eine Singleplayer-Kampagne und ich habe es auf DVD erorben.

Blizzard müsste lediglich die Möglichkeit hinzufügen, dass ein Verkauf möglich wird und der Käufer das Spiel nutzen kann. Evtl. durch den kauf einens günstigen Keys.

Wer ein…
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
27.09.2010 10:52 Uhr
Das ist ja ein Dreck...Irgendwelche blöden Bonusmissionen und Waffen interessieren mich nicht, dass man für den Online Modus dann jedoch zahlen muss finde ich richtig ******! So überlege ich mir zweimal, ob ich mir ein Spiel überhaupt hole, neu oder gebraucht! Und was heißt das dann am Ende? Richtig, ich…

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