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  • Spiele werden immer realistischer - aber damit nicht automatisch besser!

    Die ersten Videospiele bestanden aus wenigen Pixeln, es gab weder Texturen noch Polygone. Heute sprechen wir von Fotorealismus und lernfähiger KI, Physik-Effekten oder 3D-Gaming. Aber machen moderne Titel deshalb mehr Spaß? Nicht unbedingt!

    Der Klassiker Pong bot zwei Balken und ein kleines Quadrat. Millionen waren begeistert. Asteroids konnte zwar ein Raumschiff darstellen, aber das war auch nur ein Strichdreieck. Heute sieht Call of Duty: Modern Warfare 2 tausend Mal besser aus und ist zweifellos realistischer - aber macht es in Relation dann auch mehr Spaß? Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, gilt es eines zu klären: Was ist eigentlich „Spaß“? Laut Nietzsche ist Spaß oder Freude „ein angenehmer Gefühlszustand, der sehr durch das gegebene Milieu und dessen evolutionären Fortschritt beeinflusst wird.“ Wir erklären diesen schlauen Satz anhand eines Beispiels: Während sich ein Steinzeitjunge noch tierisch über einen neuen Fell-Lendenschurz freute, muss es beim modernen 21st-Century-Boy schon die Designerbuchse von Schießer sein. Im Klartext: Was heute begeistert, lockt morgen keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

    Pong hat Millionen Menschen trotz minimalistischer Grafik fasziniert. Pong hat Millionen Menschen trotz minimalistischer Grafik fasziniert. Bei Videospielen ist das ganz ähnlich: 1972 versetzte Ataris Spielhallenautomat Pong die Massen in Euphorie. Und das, obwohl es auf der Mattscheibe kaum etwas zu sehen gab und die an Tennis erinnernden Partien nach heutigen Gesichtspunkten genauso spannend sind wie den Garten umzugraben. Wie kam es also zu diesem Erfolg? Ganz simpel: Die Geschichte der Videospielgeschichte steckte damals noch in den Kinderschuhen; es war einfach der Reiz des Neuen, der für regelmäßige Menschentrauben vor den Geräten sorgte. Die Leute hatten ja auch keinen Vergleich und wussten nicht, wie toll Videospiele in 20 Jahren aussehen würden. Die ersten Heimkonsolen wie etwa das Atari 2600 (1980) wurden zum absoluten Verkaufsschlager. Komischerweise störte es damals niemanden, dass beispielsweise Renn- oder Fußballspiele optisch und meist auch spielerisch recht wenig mit der Realität zu tun hatten. Beim Arcade-Flitzer Night Driver steuern Sie beispielsweise einen Pixelhaufen über eine imaginäre Straße, wobei von dieser nur die Begrenzungspfähle zu sehen waren. Fremde Autos wurden auch nicht wie heute überholt – es machte eher den Eindruck als kommen sie auf einen zugerast. Von Schadensmodell oder Motorgeräuschen konnte ebenfalls nicht die Rede sein: Bei einem Zusammenstoß blinkte Ihre „Karre“ und verschwand, als Soundkulisse dröhnte eine monotones Brummen aus den Boxen. Dennoch kamen viele Spieler damals stundenlang nicht mehr von der Mattscheibe los. Waren die Menschen damals einfach begeisterungsfähiger oder vielleicht nicht so satt wie heute? Das mag zwar sein, aber es gibt noch einen viel entscheidenderen Grund: das Spieldesign.

    Die Fantasie ist die beste Grafikengine

    EInfach genial: Tetris aus dem Jahre 1994 EInfach genial: Tetris aus dem Jahre 1994 Quelle: Nintendo Alte Plattformen wie Atari 2600, Commodore 64 (1982) und auch noch der Commodore Amiga 500 (1987) hatten gar nicht die technischen Möglichkeiten, ein Spiel realistisch darzustellen. Also versuchten es die Programmierer erst gar nicht. Ihre Aufgabe war es vielmehr, aus mehr oder weniger abstrakten Symbolen das Beste zu machen. Da man sich damals gezwungenermaßen keinen Kopf über Bump Mapping und hochauflösende Texturen machen musste, konnten sich die Teams auf das Wichtigste konzentrieren: das Spiel und dessen Design. Gute Beispiele hierfür sind Tetris (1984) und Archon (1983).Beide kommen mit einer extrem simplen Grafik daher, doch das extrem clevere Spieldesign sorgte für einen Suchtfaktor, von dem die meisten heutigen Spiele weit entfernt sind. Das liegt daran, dass die Entwickler damals einfach kreativ sein MUSSTEN – grafisch war eh kein Blumentopf zu gewinnen, also musste man sich Gedanken über eine zündende Spielidee machen. Und eines darf man dabei nicht vergessen: Die Fantasie der Spieler. Die Älteren unter den PC-Spielern denken mit Wonne daran zurück, wie sie in Wizard of War mit einem völlig verpixelten Krieger auf Drachenjagd ging. Aber eben jene blockige Darstellung beflügelte damals die Gedanken: Im Kopf entstand aus der abstrakten Spielfigur ein tollkühner Held mit allem drum und dran.

    Sub Hunt auf Mattels Intellivision: Aus unförmigen Brocken werden stolze Schlachtschiffe. Sub Hunt auf Mattels Intellivision: Aus unförmigen Brocken werden stolze Schlachtschiffe. Beim Mattel Intellivision-Spiel Sub Hunt ist das genauso: In der U-Boot-Simulationen kamen die Zerstörer als unförmige Gebilde auf einen zugeeiert. Doch wenn man sich dann später beim Träumen ertappte, hatten sich die Pixelhaufen in imposante Kriegsschiffe verwandelt.Wegen der simplen Grafik waren solche Spiele ein Freibrief für die Fantasie – man konnte aus ihnen machen was man wollte. Sie können sich das so ähnlich vorstellen wie lesen: Wenn Sie ein Buch genießen, entsteht die Geschichte ja auch vor ihrem inneren Auge. Sie führen quasi selbst Regie. Wenn Sie aber vorher eine Verfilmung sehen und sich danach dem Buch widmen, ist es meist unmöglich seine eigenen Szenerie auszumalen – man bleibt meistens an die Darstellung des Films gebunden. Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt.

    Die Realität ist nicht immer schön

    Ist realistische Grafik wirklich Spielspaßgarant? Ist realistische Grafik wirklich Spielspaßgarant? Heute ist es üblich, Spiele möglichst echt wirken zu lassen. Das Spieldesign wird sozusagen durch das reale Vorbild bestimmt. Aber was bringt es, wenn man beispielsweise eine nahezu fotorealistisches Formel-1-Spiel mit authentischen Strecken und sogar Original-Boxenfunk auf dem PC installiert, nur um eine Stunde später zu merken, dass die ganze Sache trotz toller Optik irgendwie keinen Spaß macht? Nichts! Und wer sagt eigentlich, dass es einem Otto-Normal-Bürger überhaupt Freude bereitet, in einem Original-F1-Cockpit mit all seinen Tücken zu sitzen? Es sind allerdings nicht die Programmierer, welche die Videospielbranche in die Sackgasse der Realität geführt haben – es sind die Spieler: In früheren Tagen freute man sich noch über Kleinigkeiten: „Mensch, beim neuen Sensible Soccer kann man sogar foulen!“ oder „Hey, bei Druid versuchen dich die KI-Gegner sogar einzukreisen“, waren typische Schulhofgespräche. Dabei entstanden sogar oft Mythen wie etwa der ominöse Weltraum-Bagger beim Klassiker Elite. Doch irgendwann war scheinbar die 50-Prozent-Marke der Realität erreicht. Nun war das Glas nicht mehr halb voll, sondern halb leer. Jetzt hieß es plötzlich „Mensch, die Fußballspieler in PES haben ja gar nicht das echte Logo auf dem Vereinstrikot“ oder „Mann, neulich hat mich ein Gegner im neuen Splinter Cell nicht bemerkt, obwohl ich nicht ganz im Schatten war“. Das Blatt hat sich gewendet – es wird gemeckert anstatt sich gefreut. Vielleicht sollten wir uns alle mal Gedanken machen, dass die Realität nun einmal kein Spiel und somit nicht immer schön ist. Eines bleibt dabei nämlich oft auf der Strecke: der Spielspaß … und um den sollte es doch eigentlich gehen. Amen.

  • Es gibt 20 Kommentare zum Artikel
    Von Darkseico
    Mega richtig XD
    Von DryBone
    hahaso noch gar nicht gedacht. Die reden hier wirklich dauernd von Graphik-Vergleich...Und von den wöchentlichen…
    Von Darkseico
    Richtig XD
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Spiele werden immer realistischer - aber damit nicht automatisch besser!
Die ersten Videospiele bestanden aus wenigen Pixeln, es gab weder Texturen noch Polygone. Heute sprechen wir von Fotorealismus und lernfähiger KI, Physik-Effekten oder 3D-Gaming. Aber machen moderne Titel deshalb mehr Spaß? Nicht unbedingt!
http://www.videogameszone.de/Panorama-Thema-233992/Specials/Spiele-werden-immer-realistischer-aber-damit-nicht-automatisch-besser-746618/
02.05.2010
http://www.videogameszone.de/screenshots/medium/2010/04/Tetris_GB.jpg
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