Ninja Blade für die Xbox 360 im Test

Test Thorsten Küchler

Nein, wir nehmen keine Drogen. Und nein, Seuchenschnecken kommen in keinem Biologieunterricht der Welt vor. Dass diese fast schon einsteinsche Wortschöpfung das Licht der Videospielwelt erblickt hat, dafür ist Ninja Blade verantwortlich. Die Actionkost aus Fernost strotzt nämlich vor germanis­tischen Höhenflügen: Vom Schleimheli bis hin zum Pockenriesen wird alles geboten, was japanische Entwicklergenies so hergeben. Trotz oder gerade wegen seiner klamaukigen Natur macht das Klingenspektakel mächtig Laune: Wer auf Action ohne Grenzen steht, der kann schon mal den Flug ins virtuelle Tokio buchen. Kurz zurück zur Shakespeare-würdigen Story: Irgendwo in Afrika wird ein Parasit (Gähn!) namens Alphawurm entdeckt und für Forschungszwecke missbraucht (Doppelgähn!). Den Rest könnte sich selbst ein Schimpanse denken: Experimente gehen schief, Menschen mutieren zu Monstern, Politiker wollen von nichts gewusst haben.
Letzteres kennen wir von der Bundesregierung, die anderen Dinge muss ein starker Mann regeln: Ken Ogawa. Dieser Knilch ist quasi der Gegenentwurf zu seinem Namensvetter aus dem Barbie-Universum: hart, stark, kampferprobt - ein Ninja eben. Und wer schlüpft in die Kutte des Kriegers? Rischdisch: ihr!

Ja, liebe Kinder, so sieht ein Pockenriese aus! Zum Glück ist das Ding nicht ansteckend. Ja, liebe Kinder, so sieht ein Pockenriese aus! Zum Glück ist das Ding nicht ansteckend.

Tokio: auch ohne Hotel schlimm
"Ich hätte heute im Bett bleiben sollen", sagt einer von Kens austauschbaren Kollegen zu Beginn des Spiels, und man kann ihm seine Lustlosigkeit kaum ver­übeln! Denn Ninja Blade zeichnet ein Bild des Schreckens: An jeder Häuserecke lungern irgendwelche Bestien herum, Tokio ist zur Hölle auf Erden verkommen. Zum Glück gibt es die X- und Y-Tasten auf dem 360-Controller. Denn die Bearbeitung dieser wundersamen Knöpfe (bevorzugt im Kombo-Takt) sorgt dafür, dass euer Ninja ein wahres Klingenballett aufführt. Das klappt herrlich einfach und bleibt dank der erstaunlich flexiblen Kamera stets übersichtlich. Weniger erfreulich: Der Einfallsreichtum von From Software ist in etwa deckungsgleich mit dem von Dieter Bohlen. Will heißen: Irgendwann geht euch der Standard­salat auf den Keks. Zum Glück haben die 08/15-Bösewichter üppige Verwandschaft: Uns ist kein anderes Spiel bekannt, das eine höhere Zwischenboss-Dichte aufweist als Ninja Blade.

Innovation pur: Mit der Flak schießt ihr auf Riesenwürmer. Innovation pur: Mit der Flak schießt ihr auf Riesenwürmer.

Big Trouble in Little Japan
Passend zur Parasiten-Thematik kommen die Obermotze als seltsam ver­formte Lebewesen daher: gigantisches Gewürm, monströse Maden, schleimige Spinnen - das übliche Übel eben.
Eines muss man dem Ekelteam aber zugute halten: Es macht spielerisch fast alles richtig. Die Bossduelle sind allesamt exzellent inszeniert, kurzweilig und nie frustrierend. Ist der jeweilige Widersacher weichgeklopft, folgt stets eine interaktive Zwischensequenz. Ihr drückt brav die eingeblendeten Tasten und Ken führt die wildesten Verrenkungen aus - am Ende des Knöpfe-Marathons liegt der Boss im Staub und der nächste Level kann kommen. Apropos Level: Irgendein Dödel bei From Software kam auf die Idee, dass nur zwischen den im Schnitt ca. 45 Minuten dauernden Missionen abgespeichert werden darf!

Trotz dieser Design-Unverschämtheit ist Ninja Blade ein echtes Suchtmittel für Freunde der krachigen Unterhaltung. Der Grund: Die Entwickler verlassen sich nicht auf bloßes Gehaue, sondern streuen immer wieder feine Neuerungen ein. So sammelt der gute Ken im Laufe seiner Schnetzeljagd diverse Wurfsterne ein, mit denen er (man höre und staune!) sogar kleine Rätsel lösen muss. Feuer versperrt eine Tür? Wind-Shuriken ausgepackt - und schon werden die Flammen weggeweht. Klar, derartige Einlagen überfordern nicht mal Pisa-Versager, aber für die nötige Prise Abwechslung sorgen sie allemal. Und weil so ein echter Ninja auch total gut turnen kann, gibt‘s in jeder Mission auch ein paar Geschicklichkeitspassagen: Mal rennt ihr senkrecht an Wänden hoch, mal schwingt ihr euch von einer Fahnenstange zur nächsten.

Fatale Frisbee: Mit den Wurfsternen fackelt ihr ganze Gegnertruppen ab. Fatale Frisbee: Mit den Wurfsternen fackelt ihr ganze Gegnertruppen ab.

Frei nach dem Motto "Brille? Viel, Mann!" hat euer Nippon-Krieger außerdem echte Adleraugen: Auf Knopfdruck aktiviert ihr eine Supersicht, die nicht nur sämtliche wichtigen Level-Objekte und Gegner anzeigt, sondern zudem eine Zeitlupe einschaltet. Ideal zum Verkloppen von größeren Bösewichtern!

Homoerotisches Doping
Jäger und Sammler sind bei Ninja Blade prima aufgehoben, denn das Spiel belohnt fleißiges Suchen. In Kisten und Fässern findet ihr Heiltränke und Energiekugeln in diversen Farben. Diese glühenden Orbs nutzt ihr wiederum zum Aufmöbeln von Kens Waffen. Ebenso so abstrus wie amüsant: Auch Klamotten liegen herum. Wer also auf grelle Farben steht, der kann seinen ach so harten Ninja zur rosaroten Lachnummer machen (siehe Screenshot in der Galerie). Keinen Grund zum Auslachen gibt euch indes die Technik von Ninja Blade: Bis auf die vorherrschende Farbarmut wird viel Ansehnliches geboten. Vor allem die zahlreichen Lichteffekte lassen eure Augen leuchten. Und dann wären da ja noch die Dialoge: Hölzerner als ein Küchentisch tragen die englischen Sprecher Sätze vor, wie sie Dolph Lundgren nicht besser hinbekommen hätte - super!

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