Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots
So endet sie also, die Geschichte um Solid Snake. In Paris griffen wir zum PS3-Pad, um den in die Jahre gekommenen Helden auf seiner letzten Reise zu begleiten - umgeben von liebestrunkenen Spiele-Journalisten. MGS 4 hat es ihnen angetan. Der Anblick ist ein trauriger: Erwachsene Männer mit Tränen in den Augen und mit zitternden Unterkiefern. Man könnte meinen, Deutschland hätte zum zweiten Mal gegen Fußball-Weltmeister Italien verloren. Wie das MGS-Debüt auf der PS3 zu Ende geht, werden wir euch an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Um mitweinen zu können, solltet ihr besser die Vorgänger studiert haben. Samt Diplomabschluss.
EIN FEST FÜR FANS
Wer Metal Gear Solid bis vor kurzem für eine Rock Band hielt, dem könnte ein wenig Hintergrundinfo nicht schaden (siehe Extrakasten). Sowieso ist es beachtlich, wie konsequent Hideo Kojima das Finale seiner Reihe zu Ende bringt: Während Neueinsteiger storytechnisch komplett im Stich gelassen werden, erliegen Fans einem nostalgischen Hochgefühl. Mit seinen unzähligen Anspielungen darf MGS 4 getrost als Hommage an die alten Teile bezeichnet werden.
Dennoch werden auch Neueinsteiger dem Storyverlauf grob folgen können: Lediglich fünf Jahre sind seit den Vorfällen aus MGS 2 vergangen, doch der Mittdreißiger von damals ist um Jahrzehnte gealtert. Innerlich noch junggeblieben, können die Falten und Krampfanfälle Snakes Krankheit nicht verbergen: Irgendetwas lässt ihn im Tagestakt altern, die Ärzte wissen keinen Rat. Den Codenamen "Solid" hat er längst abgelegt, Old Snake ahnt um sein Schicksal...
Doch zum Ausruhen bleibt keine Zeit: Erzfeind und Klonbruder Liquid Ocelot hat eine Kolonie von privatisierten Supersöldnern (PMCs) um sich geschart und führt einen Krieg im Nahen Osten gegen die dortige Miliz. Ein letztes Mal rafft sich der Schlagenopa auf, um Liquid ein für alle Mal das Handwerk zu legen.
WAFFENGEWALT
Trotz seines betagten Alters hat Old Snake nun einige neue Tricks in petto: Per Knopfdruck versteckt ihr euch kontextsensitiv hinter Gemäuern oder springt über kleinere Abgründe. Besonders komfortabel ist die Kamerasteuerung: Ähnlich wie in MGS 3: Substinence bestimmt ihr den Kamerawinkel, und seid nicht mehr auf starre Perspektiven angewiesen. Ebenfalls neu: Per Knofdruck kann sich Snake totstellen, und die verdutzten Gegner von unten mit Blei vollpumpen. Sowieso ist MGS 4 um einiges actionreicher geraten, als die Vorgänger: Gefundene AKs, MGs und Raketenwerfer dürfen nun aufgesammelt und bei einem Händler aufgemotzt werden. Wollt ihr die Schrotflinte mit einem Zielfernrohr bestücken? Kein Problem!
Dank der weitläufigen Areale müsst ihr aber nicht zwangsläufig den ballernden Rambo mimen, denn MGS 4 ist nach wie vor in erster Linie ein Schleichspiel. Theoretisch ist es sogar möglich, das gesamte Spiel ohne einen einzigen Mord zu überstehen. Da das Schlachtfeld allerdings mit zahlreichen neuen Gegnern geschmückt ist (u.a. die weibliche Frog-Einheit und die unbemannten Gekkos), fällt es schwer, nicht mit gepimpter Waffengewalt auf die PMCs loszustürmen.
Wie hast du nur MGS2 überlebt?