Wie gewinne ich einen Krieg in sechs Stunden?
Manchmal ist die Inszenierung toll, wenn etwa Kameraden landen und Flugzeuge vorbeidonnern.
BILD: N-ZONE
Wieder einmal zockt ihr einen Weltkriegs-Shooter und wieder einmal sitzt euer digitales Ich in einem Flugzeug über Deutschland, bereit für den Absprung. Wie so oft wird der Flieger getroffen und in einer dramatischen Sequenz rettet ihr euch ins Freie. Doch irgendetwas ist anders als sonst, denn plötzlich müsst ihr selbst den Fallschirm steuern! Willkommen in Medal of Honor Vanguard, wo ihr den Fallschirm mittels Wii-Fernbedienung und Nunchuk lenkt, als hieltet ihr selbst die Gurte in der Hand.
Diese tollen Sequenzen sind fantastisch inszeniert, steuern sich großartig und bieten einen hervorragenden Einstieg ins Spiel. Nur leider sind sie viel zu selten und sehr kurz: Gerade dreimal dürft ihr abspringen und seid dabei für jeweils zwanzig Sekunden in der Luft. Man wünscht sich, jede Mission würde so beginnen, denn diese Abschnitte machen wirklich Spaß. Damit sind sie auch beispielhaft dafür, woran Medal of Honor Vanguard letztendlich scheitert, denn Potenzial hat der Titel jede Menge.
Einsatz für Keegan
Auf diesem Bauernhof ist ein großes Geschütz auf der Windmühle verborgen.
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Ihr schlüpft in die Rolle von Corporal Keegan aus der 82. Luftlandeeinheit der US-Truppen. Vier Kampagnen mit insgesamt zehn Missionen müssen aus der Ego-Perspektive bestritten werden, wobei vor allem hitzige Feuergefechte mit den deutschen Truppen warten. Die Steuerung ist recht gelungen und bietet viele Feineinstellungen für jeden Geschmack - daher mag es eine Weile dauern, bis man seinen Favoriten gefunden hat.
Von durchdachten Features wie der Geste für eine schnelle 180°-Drehung oder die vertikale Begrenzung der Kamera sollten sich andere Spiele ruhig inspirieren lassen. Schade aber, dass manche Gesten mitunter falsch interpretiert werden - gut, dass sie sich einzeln deaktivieren lassen. Rein spielerisch ist Vanguard dem Konkurrenten Call of Duty 3 recht nahe. Ihr könnt euch ebenfalls mit zwei Waffen und Granaten eurer Widersacher erwehren und das Flankieren der Gegner ist hier auch der beste Weg zum Ziel.
Jedoch wirkt die Inszenierung nicht so fesselnd wie bei Call of Duty: Zu statisch verläuft das Geschehen und zu wenige Überraschungen warten auf den Spieler. Die beide Games unterscheiden sich hier wie ein Kinofilm von einer guten TV-Serie. Ebenfalls schwächer ist die Abwechslung in den Missionen. Zwar muss auch mal zur Bazooka gegriffen und ein Panzer erledigt werden, doch die auflockernden Mini-Events, die Fahrmissionen oder die bedienbaren Geschütze von Call of Duty 3 werden nie erreicht.
Es gilt fast immer, alle anstürmenden Soldaten abzuwehren, was auch wirklich Spaß macht - besonders in den höheren Schwierigkeitsgraden. Die Gegner suchen selbstständig nach Deckung, wechseln diese und fliehen sogar, falls sie keine Chance mehr sehen. Kommt ihr den Uniformierten jedoch zu nahe, zeigt die KI ihre Schwächen. Dann zögern die Schützen nämlich sehr lange oder drehen sich eine Weile im Kreis, bevor sie zu feuern beginnen. Dazu kommen immer wieder kleinere Bugs, wie etwa Soldaten, die durch Wände feuern, aber selbst nicht zu treffen sind.
Ein kurzes Vergnügen
Die Lichteffekte sind super! Leider wirken die Levels dennoch etwas leblos.
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In technischer Hinsicht lässt das Spiel immer wieder seine Muskeln spielen. Die Texturqualität passt und die Lichteffekte sind zum Teil beeindruckend gut. Auch der Sound ist eines Welkriegs-Shooters würdig. Trotz der guten Technik wirken die Levels zuweilen etwas leer und steril. In Räumen finden sich zum Beispiel nur selten Möbel und es gibt stets nur einen linearen Weg durch die Umgebungen. Hier wäre mit einem ausgeklügelten Level-design mehr drin gewesen - immerhin gibt es auch einige Highlights zu bewundern, etwa einen Bauernhof im Sonnenaufgang.
Eine Überraschung erlebt ihr beim Ende des Spiels, das bereits nach etwa sechs Stunden erreicht ist. Zwar gibt es in jeder Kampagne eine Menge Orden zu verdienen - etwa für präzises Zielen, das Benutzen aller Waffen oder das Treffen von Landezonen -, aber trotzdem ist der Titel entschieden zu kurz. Wer ein paar Freunde zur Hand hat, kann dem Spiel noch einige unterhaltsame Stunden abringen und sich in vier Mehrspielermodi austoben.
Auf insgesamt sechs hübschen Karten dürft ihr euch Flaggen abjagen, einander nachstellen oder versuchen, die Stellung zu halten. Das bringt zwar Spaß, kann aber nicht über den mageren Umfang des Spiels hinwegtäuschen. Alles in allem zeigt Medal of Honor Vanguard jede Menge Potenzial, das jedoch nicht wirklich genutzt wird, und leidet unter dem geringen Umfang. Damit bleibt das Spiel leider "nur" ein guter Shooter.
