Vom LKW aus bekämpfen Sie japanische Fußsoldaten.
SPEICHERN, SO OFT
MAN WILL
Eine längst fällige Gameplay-Neuerung sind die strategisch gut gesetzten Speicherpunkte, die den Frustfaktor von Rising Sun erfreulich niedrig halten. Während man im Vorgänger im Falle des Ablebens den kompletten Level noch einmal von vorne beginnen musste, ist es problemlos möglich, den Spielfortgang immer zu sichern. Einzige Bedingung: Die teilweise gut versteckten Funkgeräte, mit denen man den Missionsstand ans Hauptquartier durchgeben kann, müssen erst einmal gefunden werden. Ohne die Speicherpunkte wäre Rising Sun praktisch unspielbar, da die Levels deutlich größer und umfangreicher als im Vorgänger sind. Der Grund hierfür ist weniger die Intelligenz der Gegner als vielmehr die schiere Zahl an japanischen Soldaten, die sich Ihnen entgegenstellen. Die KI-Gegner verhalten sich meist derart dumm, dass sich das sogar negativ auf die Atmosphäre auswirkt. Oft stehen Feinde seelenruhig da und warten nur darauf, ausgeschaltet zu werden. Oder sie laufen mit gezückter Waffe blindlings am Spieler vorbei und lassen sich problemlos im Vorbeilaufen aus dem Verkehr ziehen. Wer ihnen allerdings von sich aus zu nahe kommt, macht schnell schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Bajonett oder einem Katana.
IMMER AUSREICHEND MUNITION
Es stehen zwar laut EA "über 20 authentische Waffen des Zweiten Weltkriegs" zur Verfügung, um mit den japanischen Truppen fertig zu werden, Sie dürfen aber nur einen Teil davon mit sich herumschleppen. Die cleveren Entwickler haben nämlich
fest installierte Maschinengewehre und benutzbare Geschütze einfach mal mitgezählt. Im Normalfall ist in
den Missionen das verfügbare Waffensortiment sehr stark eingeschränkt. Den kompletten Guadalcanal-Nacht-Level müssen Sie nur mit Scharfschützengewehr und 45er-Colt bewaffnet überstehen. Dafür herrscht praktisch niemals Munitionsknappheit, alle paar Meter stoßen Sie auf Kisten mit Magazinen und mehr Granaten, als Sie tragen können. Dies gilt auch für die verschiedenen Arten von Medipacks, mit denen Sie erlittene Treffer wieder ausgleichen. Fast jeder erledigte Gegner lässt zumindest eine Feldflasche zurück, die Ihrem Helden etwas Lebensenergie zurückgibt.
INSZENIERTE ACTION OHNE ÜBERRASCHUNGEN
Wie schon der Vorgänger bietet auch Rising Sun wieder massig geskriptete Ereignisse, die Abwechslung in den linearen Spielablauf bringen sollen. Praktisch jedes Mal, wenn Sie eine MG-Stellung einnehmen, stürzen ganze Horden von Feinden aus ihren Verstecken und stürmen nach vorn. Schon bald entwickelt man sogar eine Art sechsten Sinn für Stellen, die sich für Skripts eignen und ist daher weder geschockt noch überrascht, wenn plötzlich aus dem Nichts ein Panzer erscheint oder Gegner eine allzu offensichtliche Falle zuschnappen lassen. Viele der optisch beeindruckenden Ereignisse verlieren dadurch ihren Reiz und wirken oftmals fast schon krampfhaft konstruiert. Ihren eigentlichen Zweck, Spannung aufzubauen und Abwechslung zu schaffen, erfüllen die Skripts nur noch selten.
GUTE PRÄSENTATION, NERVIGES RUCKELN
EA ist es mit Rising Sun tatsächlich gelungen, den Vorgänger optisch noch einmal zu übertreffen, zumindest was den Anfang des Spiels angeht. Der oben beschriebene Angriff auf Pearl Harbor ist ein wah-res Effektfeuerwerk, vielleicht nicht so bewegend und erschreckend wie die Landung der Alliierten in der Normandie in Frontline, aber dennoch ein fast perfekter Auftakt für das Spiel. Leider kann dieses hohe Niveau in den folgenden Missionen nicht gehalten werden. In weiten Teilen der umfangreichen Singapur-, Guadalcanal- und Philippinen-Levels ist von der grafischen Pracht der beiden Pearl-Harbor-Abschnitte nicht mehr viel übrig. Matschige Texturen und unspektakuläre Levels holen selbst eingefleischte Fans wieder auf den Boden
der ruckeligen MoH-Realität zurück. Später im Spiel steigert sich die Grafikqualität zwar wieder leicht, optisch beeindruckend sind die späteren Missionen aber keineswegs. Auch hier hat man praktisch durchgehend mit gravierenden Framerate-Einbrüchen zu kämpfen, die das Zielen erschweren. Die Animationen der Gegner dagegen sind, wie schon im Vorgänger, durchweg gut gelungen. Dies gilt auch für die Sprachausgabe und die erstklassige Musikuntermalung des Ego-Shooters, die für eine stimmige Atmosphäre sorgen.
Wolfgang Fischer
Die erste Mission bei einem Ego-Shooter ist immer eine sehr delikate Angelegenheit. Einerseits soll der Spieler behutsam in die Steuerung und den Spielablauf eingeführt werden, andererseits soll er von der ersten Minute an von der Action gepackt werden. Da EA dieser Spagat beim Vorgänger mit der Landung in der Normandie perfekt gelungen ist, waren alle Fans der Serie unheimlich gespannt, was sich die Entwickler für Rising Sun haben einfallen lassen. Als Auftaktszenario muss einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Vereinigten Staaten herhalten: Der heimtückische Angriff japanischer Luftstreitkräfte auf den US-Marinestützpunkt in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Diese Attacke hatte schließlich zur Folge, dass Amerika gezwungen war, aktiv in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen.
