Medal of Honor-Vorschau für PS3 und Xbox 360: Der Zweite Weltkrieg ist Geschichte - Medal of Honor widmet sich aktuellen Themen
Irgendwo in Afghanistan. Einige CIA-Agenten treffen sich an einem geheimen Ort mit einem Iraner, der als Doppelagent die Al-Qaida unterwandern und so wichtige Informationen über hochrangige Terror-Offiziere beschaffen soll. Genannter Spion stand lange Zeit unter Beobachtung, da er für die Extremisten arbeitete, ließ sich dann in Gefangenschaft aber davon überzeugen, die Seiten zu wechseln. Nun, nach etlichen Monaten, scheint das Ziel erreicht zu sein, alle relevanten Details sind beschafft, sodass die CIA bald losschlagen kann. Doch dann geschieht das Unerwartete. Der vermeintliche Doppelagent hat in Wirklichkeit nicht für die CIA die Al-Qaida unterwandert, sondern genau andersherum. Er zündet eine Bombe und sieben US-Agenten sterben als Rache für Angriffe seitens der amerikanischen Streitkräfte. Was sich anhört wie der Stoff aus einem Hollywood-Streifen, geschah Ende Dezember 2009 tatsächlich und könnte auch 1:1 eine Mission in Electronic Arts' neuem Medal of Honor sein, denn das beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Der Titel spielt - ihr ahnt es sicher bereits - in Afghanistan und beleuchtet einige Facetten aus diesem noch aktuellen Konflikt. Die Entwickler schildern dabei allerdings zwei völlig unterschiedliche Perspektiven, wie US-Soldaten den Alltag dort erleben, sie teilen den Spielverlauf also.
FRONTALANGRIFF
Unter dem Begriff "Sledgehammer" fasst EA das zusammen, was man aus den Vorgängertiteln schon kennt. Zusammen mit einem Platoon oder noch mehr Soldaten ballert ihr euch durch die Levels. Sledgehammer, zu Deutsch "Vorschlaghammer", steht also für die brachiale Gewalt, die solche groß angelegten Offensiven bedeuten. In diesen Missionen erlebt ihr Angriffe auf feindliche Stellungen mit Luftunterstützung, Patrouillen, Durchsuchungen und so weiter. All das, was man aus den Nachrichten kennt. Auch sollt ihr in die Haut eines Piloten schlüpfen und dann mit den Bordkanonen eures Helis auf feindliche Verbände ballern dürfen. Wer nun direkt funkelnde Augen bekommt und hofft, dabei ein eigenes Squad befehligen zu dürfen, den müssen wir enttäuschen. Zwar wollten die Entwickler auf Nachfrage nicht mit der Sprache rausrücken, allerdings lassen die Reaktionen darauf schließen, dass ihr in Medal of Honor - wie auch in Call of Duty - nur ein kleiner Teil einer Einheit seid, aber keine Befehlsgewalt habt.
HEIMLICH, STILL UND LEISE
Was aussieht wie ein Gefangener, ist eine lebende Bombe. Mit solchen Gemeinheiten müsst ihr in Medal of Honor des Öfteren rechnen, auch wenn solche Inhalte moralisch ein wenig fragwürdig scheinen.
Den Gegensatz zu den Sledgehammer- Großangriffen stellen die Tier-1-Passagen dar. Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, ist hier behutsames Vorgehen angesagt, denn die Mitglieder dieser Spezialeinheit sind darauf trainiert, in kleinen Verbänden extrem wichtige Einsatzziele zu erreichen, zum Beispiel Einrichtungen zu sabotieren oder hochrangige Offiziere des Gegners auszuschalten. In einer Beispielmission fuhren die Jungs, getarnt als Afghanen, in drei Autos durch eine Stadt. Eine feindliche Patrouille hielt die Wagen auf und befragte die Fahrer nach ihrem Ziel. Dabei flog die Tarnung auf, zwei Raketenwerfergeschosse zerlegten die Fahrzeuge vor unserem Charakter. Die drei überlebenden Tier-1-Kameraden aus unserem Wagen mussten sich von da an durch die Wirren der fremden Stadt zu einem Checkpoint vorkämpfen, um dort aus dem Schlamassel herausgeholt zu werden. Auffällig dabei war, dass während der Flucht etliche spielerische Freiheiten dafür sorgten, dass ihr taktisch vorgehen könnt: Ihr dürft Lichter ausschalten, damit eure Gegner euch nicht mehr sehen, ihr selbst dagegen seid mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet. Oder aber ihr zerballert die Deckung eures Gegenübers und sogar Holzstege, auf denen die Schergen laufen, damit diese in die Tiefe stürzen. Überhaupt: Deckung scheint im neuen Medal of Honor einen hohen Stellenwert zu haben, denn es lassen sich viele der Objekte in der Umgebung zerschießen. Doch obwohl gerade die Tier- 1-Levels augenscheinlich mehr spielerische Freiheiten bieten als die Konkurrenz aus dem Hause Activision, basiert die meiste Action in Medal of Honor natürlich auf Skripts, die ihr auslöst, sobald ihr einen bestimmten Punkt auf der Karte erreicht. Ob die Skripts über das gesamte Spiel hinweg die Klasse eines Modern Warfare 2 erreichen, lässt sich noch nicht beurteilen, die gezeigten Szenen überzeugten aber.
WAS ZUR HÖLLE?
Die Tier-1-Einsätze spielen sich viel taktischer als die Sledgehammer-Ballereien. Oft müsst ihr sogar unentdeckt bleiben und seid deshalb verkleidet.
Ihr werdet euch nun sicher fragen, was es mit diesem "Tier 1" auf sich hat. Vor Ort bei EA trafen wir die Berater, die EA für Medal of Honor an Bord geholt hat. Die se sind ebensolche Tier-1-Soldaten. Tier 1 ist aber nicht der Name der Einheit, der sie angehören, sondern nur eine Kategorisierung. Soll heißen: Der typische GI, der in Afghanistan auf Patrouille geht, gehört einer Stufe von Soldaten an, etwa Tier 3. Darüber, also einen Rang über diesen, findet ihr die Jungs aus den Spezialeinheiten, etwa die Navy Seals, die Green Berets und so weiter. Diese wären dann Tier 2. Tier 1 ist demzufolge die höchste und spezialisierteste Stufe, die man im US-Militär erreichen kann (wobei die genannten Zahlenbeispiele rein fiktiv sind, da wir nicht wissen, wie viele Tiers unterhalb der 1 tatsächlich kommen). Um es kurz zu machen: Wer es auf die Tier-1- Ebene geschafft hat, ist der Beste der Besten der Bes ten. Das äußert sich nicht nur darin, dass diese Soldaten entsprechend ausgebildet sind und zum Beispiel ihre Waffen in Sekundenschnelle auseinandernehmen oder Ähnliches, sondern sie gehen auch ganz anders an Einsätze heran als der normale Soldat. Dieser bekommt von seinem Vorgesetzten einen Befehl, befolgt diesen und hofft, am Ende heil zurückzukommen. Die Tier-1-Spezialisten dagegen setzen sich gleichberechtigt zusammen, besprechen das Ziel ihrer Mission und wie sie dieses erreichen können, einigen sich also am Ende auf die beste Vorgehensweise. Inwieweit dieser Unterschied in Medal of Honor am Ende spürbar wird, bleibt offen.
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