Mass Effect 2 im Test für Xbox 360: Mehr Action und Dramatik, weniger RPG - Wertungs-Update
Upgrades statt Inventar
Ungewohnt: Es ist nicht möglich, Waffen, Upgrades oder Ressourcen zu verkaufen. Geld erhält man nur noch für absolvierte Missionen oder man findet es in Kisten und Tresoren. Oft sind diese verschlossen, und man muss sie zunächst in einem von zwei Minispielen hacken, um an den Inhalt zu gelangen. Anders als in Mass Effect 1 ist das Hacken aber nicht mehr an ein steigerbares Talent gebunden, man muss also keinen Elektronikexperten in seiner Party haben, um ein Schloss zu öffnen. Schade: Die Minispiele sind simpel und ziemlich öde, doch immerhin sind beide Aufgaben oft schon in Sekunden erledigt und stören den Spielfluss dadurch kaum. Zusätzliche, spannendere Minispiele hätten wir uns dennoch gewünscht!
Das neue, schlichte Upgrade-System ersetzt das klassische Inventar, wie man es noch aus Mass Effect 1 kennt. Shepards Rüstung beispielsweise ist die einzige im Spiel, die man überhaupt verändern kann.
Anders als im Vorgänger erhält man kaum Items in Mass Effect 2. Daher gibt's auch kein Inventar mehr - man sammelt ja nichts ein außer Geld, Munition und gelegentlich etwas Medigel, das man nur noch zum Wiederbeleben von Teammitgliedern und nicht mehr zur Heilung benötigt. Auch neue Raumanzüge findet man nicht, sondern nur noch Rüstungsteile - die sind sehr selten und nur für Shepard gedacht, seine Begleiter hingegen tragen stets die gleichen Klamotten. Auf der Normandy wählt man Shepards gewünschtes Rüstungsupgrade einfach per Schieberegler aus. Jedes bietet andere Boni, etwa mehr Lebenspunkte oder stärkere Schilde. Zusätzlich darf man noch Farbe und Design des Anzugs bestimmen, die Statuswerte bleiben davon aber unberührt. Einen Abwehrwert oder dergleichen findet man nicht im Charakterbildschirm, Mass Effect 2 ist weitestgehend frei von Zahlen und Statistiken.
Waffen lassen sich sogar noch weniger modifizieren als Rüstungen, nämlich gar nicht. Insgesamt gibt es 19 Kanonen im Spiel, DLC-Inhalte nicht mitgerechnet. Einen Teil davon erhält man automatisch im Spielverlauf, den Rest muss man in den Levels suchen oder auf der Normandy freischalten. Für Waffen findet man regelmäßig Upgrades, die meist aber nur die Schusskraft des gesamten Teams verbessern. Schade: Man darf sich nicht mal eigene Munition herstellen und sockelbare Waffen gibt es auch nicht! Das strenge, aufs Nötigste reduzierte Upgrade-System erlaubt es daher leider nicht, einen Charakter individuell auszurüsten.
Nebenaufträge werden verfügbar, indem man Planeten anklickt und kurz mit dem Zielcursor absucht. Danach kann man sogleich mit der Mission starten. Auch Rohstoffe sammelt man auf diese Weise, allerdings nimmt das ziemlich langweilige Minispiel dann zuviel Zeit in Anspruch.
Neue Upgrades schaltet man frei, sobald man genügend von vier Rohstoffen besitzt. Diese verdient man, indem man auf der Sternenkarte von Planet zu Planet fliegt, um dort die Oberflächen mühsam mit dem Mauscursor abzuscannen - ähnlich dem Vorgang, um Nebenmissionen zu entdecken. Spaß macht das Scannen nicht, dafür kostet es ordentlich Zeit - wir empfehlen daher, zunächst das gewünschte Upgrade zu kaufen und sich erst dann auf Rohstoffsuche zu begeben. Man erhält dann nämlich eine praktische Texteinblendung, sobald man genügend Material besitzt, um das Upgrade zu aktivieren. Trotzdem ist es schade, dass die Sternenkarte kaum spielerische Anreize bietet und man mit den Rohstoffen auch nichts weiter anfangen kann. Es gibt nicht mal ein simples Handels- oder Handwerkssystem, da lässt Bioware viele Chancen ungenutzt!
ZAHLEN UND FAKTEN
Ca. 60,-
28. Januar 2010
Genre: Action-Rollenspiel
Entwickler: Bioware
Publisher: Electronic Arts
Sprache: Deutsch und Englisch
Grafik, Sound und Steuerung
Grafik: Charaktere besitzen eine detailreiche Mimik und sind fantastisch texturiert. Auch die Umgebungen locken nun mit mehr Details als im Vorgänger. Vor allem in Dialogen fallen die verbesserten Lichteffekte auf, Kämpfe profitieren von schöneren Explosionen und Partikeldarstellungen. Schatten werden - anders als im Vorgänger - auch auf Gesichtern scharf und sauber dargestellt.
Sound: Abgesehen von dem männlichen Shepard klingt die deutsche Sprachausgabe meistens sehr gut, vor allem einige Nebencharaktere sind schön getroffen. Die englische Sprachausgabe hingegen ist durchweg brillant und - bei entsprechenden Sprachkenntnissen - der deutschen Fassung vorzuziehen. Sehr atmosphärischer, teils orchestraler Soundtrack, der sich in Kämpfen und Dialogen dynamisch an die Spielsituation anpasst.
Steuerung: Die Steuerung ist aufgeräumt und präziser als im Vorgänger, das Spielgefühl erinnert nun noch etwas mehr an das eines ordentlichen Shooters. Bedienungsmängel, etwa keine Hotkeys für Questlog und Charakterbildschirm - finden sich hier nun in verschmerzbaren Details.
Jugendeignung
USK: Ab 16 Jahren
Mass Effect 2 ist ungeschnitten. Splattereffekte gibt es nicht, manchmal sind aber Leichen und Blut zu sehen. Zombieartige Gegner zerfallen bei Beschuss in ihre Bestandteile. Dialoge bieten große Entscheidungsfreiheit, man darf oft zwischen nobler und unmoralischer Spielweise wählen. In Dialogen wird geflucht. Sexszenen sind nur angedeutet, es gibt kaum nackte Haut zu sehen.
Die Test-Abrechnung
Wir testeten eine fast fertige Version, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Wir importierten unseren privaten Spielstand aus Mass Effect 1. Das Spiel stürzte im Test nur zwei Mal ab und zeigte selten kleinere Grafikbugs - ein gutes technisches Gesamtbild.
- Schlagwörter:
- , mass effect 2
- , xbox 360
So wenig wie man die Spiele vergleichen kann, darf man daher die Wertungen vergleichen. Man könnte natürlich ein festes Wertungskorsett erdenken und dann zig Kategorien mit Unterkategorien und Plusminus und Gedöns definieren, damit es dann am Ende Zahlen und Fakten gibt. Das machen ja manche Magazine, das halte ich aber für den falschen Weg.
Der Test hat die Aufgabe, einem interessierten Spieler zu sagen, ob er das Spiel kaufen soll oder nicht - und dies muss der Test nachvollziehbar begründen. Die Zahl 10 bei der Grafik von MW2 und 8 bei Mass Effect 2 kann das nicht. Es ist keine Begründung. Die steht im Text. Da es im Text keinerlei Bezug auf Modern Warfare 2 gibt (zu Recht, wie ich finde) ist der Maßstab der Vorgänger. Da passt die Relation.
Problematischer ist da schon der Wertungsunterschied zum Vorgänger. Teil 2 ist eigentlich besser, kriegt aber weniger. Wertungsmaßstäbe verschieben sich oft im Lauf der Zeit, was ich gut finde, da die Spieleentwicklung dynamisch ist, ebenso das Spielerlebnis und die Emotionalität. Ja, ich weiß, ich argumentiere gerade gegen Wertungen. Ist meine Privatmeinung. Aber wenn ich einen Freund frage wie sich sein Auto fährt, antwortet er auch nicht "88%" ^^
Bin ich ja generell ganz deiner Meinung. Aber dann haut das Punktesystem trotzdem keineswegs hin. Man ist ja erst vor kurzem vom 100%-System bei den Technikwertungen auf ein 10-Punkte-System umgestiegen, was aber letztendlich auch nicht viel besser funktioniert.
Mass Effect 2 schaut trotz kleinerer Grafik-Bugs wunderbar aus, hätte - gerade im Vergleich zum Vorgänger - also meiner Meinung nach schon eine 9 von 10 verdient (fängt ja auf Prozent umgerechnet bei 85% an). Da es sich bei der Grafik aber um einen (weitgehend) objektiven Bewertungspunkt handelt, habe ich den MW2-Vergleich gebracht. Und man kann sagen was man will, aber ein MW2 verdient keine 10 von 10 Punkte in Sachen Grafik.
Da gibt es weitaus besser aussehende Spiele, die "nur" mit 9 von 10 Punkten bewertet wurden. Selbiges beim Sound. Ein MW2 hat meiner Meinung nach keine Maximalwertung verdient.
Dazu muss man auch nicht mal groß ins Detail gehen. Der Sound ist gut, aber das war's auch schon. Eine 10 (= Max. in der Skala) könnte man dem Spiel geben, wenn es unkomprimierten PCM-Sound bringt und 7.1-fähig ist. Dann könnte ich es nachvollziehen. MW2 hat aber nichts, was andere AAA-Spiele nicht auch hätten. Aber egal, es geht schließlich um "ME2"
Die 88er-Wertung vom ME2-Test möchte ich ja gar nicht in Frage stellen. Mir kam sie nur etwas niedriger als erwartet vor. Ich bin eigentlich niemand, der (besonders bei Endwertungen) auf einzelnen Prozentpunkten rumhackt
So wenig wie man die Spiele vergleichen kann, darf man daher die Wertungen vergleichen. Man könnte natürlich ein festes Wertungskorsett erdenken und dann zig Kategorien mit Unterkategorien und Plusminus und Gedöns definieren, damit es dann am Ende Zahlen und Fakten gibt. Das machen ja manche Magazine, das halte ich aber für den falschen Weg.
Der Test hat die Aufgabe, einem interessierten Spieler zu sagen, ob er das Spiel kaufen soll oder nicht - und dies muss der Test nachvollziehbar begründen. Die Zahl 10 bei der Grafik von MW2 und 8 bei Mass Effect 2 kann das nicht. Es ist keine Begründung. Die steht im Text. Da es im Text keinerlei Bezug auf Modern Warfare 2 gibt (zu Recht, wie ich finde) ist der Maßstab der Vorgänger. Da passt die Relation.
Problematischer ist da schon der Wertungsunterschied zum Vorgänger. Teil 2 ist eigentlich besser, kriegt aber weniger. Wertungsmaßstäbe verschieben sich oft im Lauf der Zeit, was ich gut finde, da die Spieleentwicklung dynamisch ist, ebenso das Spielerlebnis und die Emotionalität. Ja, ich weiß, ich argumentiere gerade gegen Wertungen. Ist meine Privatmeinung. Aber wenn ich einen Freund frage wie sich sein Auto fährt, antwortet er auch nicht "88%" ^^
Ich weiß, die Tester sind nicht die gleichen und die besagten Tests erscheinen auch teilweise in anderen Magazinen von Computec, aber ein wenig sollte man die Wertungen schon abgleichen. Denn es gibt einige Wertungen, die einfach in keiner Relation stehen.