Mafia 2 im Test: Gameplay-Dreikampf, hübsche Grafik, tolles Erlebnis, Wertung

Test Sebastian Stange

Mafia 2 im Test: Sieht aus wie Open World, riecht wie Open World - ist aber geradlinig wie ein Laserstrahl. Aber ist das schlecht? Nicht, wenn Story und Atmosphäre derart begeistern!

Gameplay-Dreikampf
Bis ihr das dramatische und leider auch arg offene Ende von Vitos Mafia-Karriere erlebt, spielt ihr euch durch insgesamt 15 Kapitel, wofür ihr etwa 12 Stunden benötigen solltet. Das ist recht ordentlich und wird obendrein nie langweilig. Dafür sorgen die spannende Story und die dichte Atmosphäre. Eine echte Herausforderung ist das Spiel allerdings nicht. Letztendlich übt ihr euch im Spielverlauf stets nur in drei Aktivitäten: Fahren, Prügeln oder Ballern. Und keine davon ist sonderlich schwierig. Insbesondere die Prügeleien steuern sich denkbar simpel. Dank abwechslungsreicher Schauplätze und der Einbindung in die Story machen sie trotzdem Spaß, ein paar zusätzliche Moves hätte man Vito aber ruhig spendieren können und seine Gegner dürften gern wehrhafter sein.

Ähnlich, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt verhält es sich mit den Schießereien. Eure Gegner suchen zwar selbstständig Deckung und versuchen, euch zu flankieren. Jedoch schauen sie meist an derselben Stelle aus ihren Verstecken hervor, was es recht einfach macht, sie zu besiegen. Außerdem mangelt es nie an Munition und eure Widersacher stürmen gern direkt auf euch zu - Kanonenfutter! Für solche Patzer entschädigen tolle Schauplätze, etwa eine brennende Schnapsfabrik, ein China-Restaurant oder ein Planetarium. Obendrein gibt es ein simples aber effektives Deckungssystem und viele verschiedene Waffen. Toll ist die große Zerstörbarkeit der Umgebung. Putz bröselt unter euren Kugeln, Türen und Holzzäune zersplittern und Kronleuchter zerbersten. Das macht die meisten Schießereien zu filmreifen Momenten.

Das Autofahren ist nicht ganz einfach, da die alten Karren recht störrisch auf der Straße liegen. In Kurven verliert ihr schnell die Bodenhaftung und kontrollierte Drifts sind nur mit Übung und geeigneten Sportwagen drin. Schön ist die Möglichkeit, Autos zu tunen. Aus einer lahmen Schrottlaube könnt ihr PS-starke Hot Rods basteln - inklusive Flammenlackierung, Renn-Felgen und riesigem Lufteinlass. Schade nur, dass ihr am Steuer kaum mehr tun müsst als von A nach B zu fahren. Zweimal verfolgt ihr Zielpersonen, denen ihr nicht zu nahe kommen dürft. Dazu kommt ein kurzes Rennen gegen die Uhr sowie die Jagd auf einen Mafia-Boss. Da wäre sicher mehr drin gewesen - etwa Taxifahrten, echte Autorennen oder Fahrmissionen an Bord ausgefallener Vehikel.

Dank des einfachen Deckungs-Systems sind die Schießereien nur selten wirklich schwer. Vielmehr unterhalten sie prächtig. Dank des einfachen Deckungs-Systems sind die Schießereien nur selten wirklich schwer. Vielmehr unterhalten sie prächtig. Das Gesetz schläft nicht
Überall in Empire Bay sind Polizeistreifen unterwegs - zu Fuß oder im Einsatzwagen. In ihrer Anwesenheit ist es unklug, Verbrechen zu begehen. Bereits überhöhte Geschwindigkeit reicht aus, um verfolgt zu werden. Anders als in GTA IV sind die Fahndungsstufen jedoch recht zahm. Die ersten beiden Verfolgungsgrade - Strafzettel und Haftbefehl - sorgen zwar für Verfolger und Polizeisperren, die lassen sich aber schnell abschütteln bzw. umfahren. Obendrein könnt ihr jederzeit anhalten, aussteigen und die Sache mit Geld regeln. Bei Stufe 3 und 4 agieren die Ordnungshüter aggressiver und feuern sofort auf Vito. Abschütteln oder ausschalten lassen sich die Cops dennoch recht gut. Das liegt an der eher simplen KI der Jungs in Blau sowie an den vielen Möglichkeiten, den Fahndungsstatus loszuwerden. Wird nur Vitos Wagen gesucht, genügt es, diesen ungesehen zu verlassen. Wird Vito selbst gesucht, kann er sich neue Kleidung kaufen oder bei den Behörden anrufen und die Fahndung gegen einen deftigen Geldbetrag abblasen lassen. Angesichts des linearen Spielverlaufs sind die vielen Fluchtmöglichkeiten äußerst willkommen.

Hübsch anzusehen
Grafik und Sound sind den tschechischen Entwicklern sehr gut gelungen. Zwar krankt Mafia 2 - wie viele andere Open-World-Spiele auch - an Detail-Popup, Bildzerreißen und stellenweise an leichten Slowdowns, doch die Action bleibt immer spielbar und sieht dabei meist klasse aus. Insbesondere die stimmungsvolle Beleuchtung bei Nacht ist ein echter Augenöffner.

Eure Ohren werden übrigens auf allen Plattformen bestens beschallt. Von authentischen Songs im Radio, gelungenen Soundeffekten und einem feinen Orchestersoundtrack. Nur bei den Animationen ist ab und an der Wurm drin, etwa wenn euch zwei Personen in einen Wagen folgen. Es kommt dann oft vor, dass einer die Beifahrertür öffnet und einsteigt, während der andere stehenbleibt und plötzlich in den Wagen ploppt. Auch die Passanten bleiben öfters an der Umgebung hängen. Obendrein müssen wir darauf hinweisen, dass die Xbox 360-Fassung insbesondere bei der Darstellung von Gras mehr Details zeigt. Der tollen Atmosphäre schaden solche Kleinigkeiten aber kaum.

Ein tolles Erlebnis!
Überall in der Spielwelt findet ihr zeitlich passende Details. Hier tobt noch der zweite Weltkrieg in Europa. Überall in der Spielwelt findet ihr zeitlich passende Details. Hier tobt noch der zweite Weltkrieg in Europa. All die angesprochenen Punkte klingen jetzt vielleicht, als wären wir von Mafia 2 ganz schön enttäuscht. Und in der Tat sind all die aufgezählten Kritikpunkte ärgerlich, denn unserer Meinung nach verschenkt das Spiel einiges an Potenzial. Die gute Nachricht ist jedoch, dass Mafia 2 trotz alledem großartig unterhält. Die mitreißende Geschichte Vitos, der tolle Soundtrack, die vielen einprägsamen Szenen und Ereignisse machen das Spiel zum Highlight des Spielesommers. Wie wir eingangs erwähnten, wirkt Mafia 2 teilweise wie ein Film. Und genau das solltet ihr erwarten, wenn ihr die Spieldisc einlegt. Vergesst GTA, vergesst Open World und freut euch darauf, von charismatischen Männern in teuren Anzügen ein Angebot zu bekommen, das ihr nicht ablehnen könnt.

Screenshots aus unserem Test zu Mafia 2:

Bildergalerie

Wertung zu Mafia 2 (PS3)

Wertung:

80 /10
Pro & Contra
Grandiose Inszenierung mit genial vertonten, spannenden Zwischensequenzen.Die Stadt wirkt lebendig und stimmungsvoll. Ein toller Schauplatz!Die Story-Kampagne unterhält euch 12 Stunden auf hohem Niveau.
Schießereien und Faustkämpfe fordern spielerisch oft nicht genug.Die offene Spielwelt bietet praktisch keine Nebenaufgaben.Öde Sammelaufgaben machen das Erreichen der PS3-Platin-Trophäe zur Qual.
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