Mei Ying beschäftigt den Zombie, während Indy die Feldflasche auffüllt.
Es gab Zeiten, da eilte den Spielen von LucasArts ein Ruf wie ein Peitschenschlag voraus - ob mit oder ohne Indiana Jones. Nicht nur gehörten Umsetzungen der Filmklassiker wie Star Wars und Indiana Jones zu den positiven Ausnahmen auf einem Markt, der voll von mittelprächtigen Spiel-zum-Film-Schnellschüssen war - sie setzten sogar immer wieder Maßstäbe. Das Adventure Indiana Jones and the Fate of Atlantis wurde ebenso zur Spielelegende wie Eigenentwicklungen vom Schlage eines Monkey Island und eine Zeit lang konnte man Titel mit dem LucasArts-Logo auf dem Cover praktisch blind kaufen. Doch das von uns mit Spannung erwartete neue Abenteuer von Indy ist leider kein neuer Meilenstein, sondern nur ein weiteres Anzeichen dafür, dass diese Zeiten längst vorbei sind.
Klischees unter sich
Von einem Indiana-Jones-Spiel darf man nicht viel differenziertere Figuren als von einem x-beliebigen James-Bond-Streifen erwarten - und so gehts auch diesmal wieder gegen böse Nazis, die die Weltherrschaft mithilfe magischer Artefakte noch etwas schneller an sich reißen wollen. Indy wird anfangs vonseiten Chinas gebeten, sich auf die Suche nach Teilen des Spiegels der Träume zu begeben, der als Schlüssel zur titelgebenden Kaisergruft dient, die wiederum das Herz des Drachen enthält - einen legendären Edelstein mit angeblich magischen Kräften. Natürlich sind die Nazis im Spiel - allen voran Obernazi von Beck, böse und machtbesessen - und wollen den Klunker in ihre Gewalt bringen. Und schon bald bekommt es der Mann mit dem Hut auch mit gefährlichen Kriminellen aus China und deren vergleichbar größenwahnsinnigen Zielen zu tun. Zudem darf natürlich eine starke Frau an Indys Seite nicht fehlen. Bei so viel Einfallslosigkeit verwundert es dann auch nicht weiter, dass die Story"wendungen" absolut vorhersehbar sind und wenig dazu beitragen, den Spieler bei der Stange zu halten.
Etwas zu viele Schönheitsfehler
Schon der erste Eindruck vom Spiel ist abschreckend und sorgt dafür, dass viele wohl erst einmal ihr PS2-Anschlusskabel überprüfen werden. Die aus unverständlichen Gründen generell unscharfe, unruhige Optik zieht die ohnehin nicht allzu hübsche Grafik der Levels nochmals runter, selbst manche Schrift ist
nur schwer zu entziffern. Hinzu kommt noch die stark schwankende Framerate - manchmal läuft das Spiel superflüssig, die meiste Zeit aber nicht; und dann leiden die ohnehin nur mittelprächtigen Animationen aller Figuren noch weiter. Die Levels sind in der Regel ziemlich klein - gerade im Vergleich mit Tomb Raider - und die Texturen nicht sehr hübsch, und doch sind die Ladezeiten gewaltig. Das ist umso ärgerlicher, weil nach jedem Tod der Level komplett neu geladen wird. Und der Tod kommt für Indy oft schnell, neben den Kämpfen (mit regelbarem Schwierigkeitsgrad) sinds vor allem tiefe Stürze ins Nichts, die zum Game Over führen. Trotz allem ist das Spiel mit seinen 10 bis 15 Stunden Umfang nicht allzu schwer. Uns lag zum Test die englische PAL-Version vor, die deutsche wird wie schon die Xbox- und PC-Versionen komplett deutsch synchronisiert, wobei natürlich Indys Originalsprecher mit von der Partie ist. Andererseits bietet nur die englische Fassung das (zweifelhafte) Vergnügen, die Nazis grammatikalisch perfektes Englisch mit einem deutschen Akzent und wahllos eingestreuten deutschen Wörtern sprechen zu hören. Der bekannte Soundtrack wertet das Spiel in beiden Fällen enorm auf und ist letztendlich das Beste am Spiel.
