Hotel Dusk: Room 215

Test Christoph Kraus

In einer staubigen Herberge bohrt Ex-Cop Kyle Hyde tief in seiner Vergangenheit!

Die polygonale Darstellung der Innenräume ist eher zweckmäßig. Die Darstellung wirkt sehr pixelig.
BILD: N-ZONE Die polygonale Darstellung der Innenräume ist eher zweckmäßig. Die Darstellung wirkt sehr pixelig. BILD: N-ZONE Früher galten Point&Click-Adventures als das Nonplusultra auf dem Spielesektor: Welcher PC-Zocker erinnert sich nicht an Guybrush Threepwoods Ausflüge nach Monkey Island oder an die schräge Maniac Mansion-Truppe um Bernard, Dave, Jeff, Wendy und Michael. Diese Namen kennt ihr alle nicht mehr? Dann gehört ihr offenbar der Generation Another Code an. Mit diesem erfrischend innovativen DS-Adventure feierte Nintendo 2005 die Auferstehung eines untergegangen geglaubten Genres.

Trotz packender Geschichte und einiger genialer Rätsel-ideen haftete dem Spiel jedoch ein nicht zu unterschätzender Makel an: Schon nach knapp sechs Stunden wart ihr dem Geheimnis um Ashleys verschwundenen Vater auf die Schliche gekommen. Doch Entwicklerstudio Cing schlägt mit Hotel Dusk prompt ein neues Kapitel auf: "Mehr Story, weniger Rätsel, viel längere Spielzeit" lautet das Rezept des interaktiven Kriminalromans. Wir haben die Redaktionskonferenz kurzerhand zum literarischen Quartett umbenannt und die Geschehnisse im Hotel Dusk genauestens analysiert!

Lesen!

Die Charaktere sprechen häufig mit unterschiedlichen Dialekten - klasse! 
BILD: NINTENDO Die Charaktere sprechen häufig mit unterschiedlichen Dialekten - klasse! BILD: NINTENDO Für den ehemaligen New Yorker Polizisten Kyle Hyde ist es der wohl traurigste Heiligabend in seinem ganzen Leben. Statt sich bei Kerzenschein und Lamettaschmuck mit seinen Liebsten am Christbaum zu versammeln, bucht sich der abgehalfterte Ex-Cop am 24. Dezember 1979 ins Zimmer 215 des Hotels Dusk ein. Dort wird er in eine mysteriöse Geschichte verstrickt, deren Auflösung sich irgendwo in den Mauern der verstaubten Herberge verbirgt. Doch warum zum Henker treibt es Kyle in eine derartige Unterkunft?

Rückblende ins Jahr 1976: Da war er mit seinem Kollegen Brian Bradley gerade im Einsatz, als ein Schusswechsel unvermeidbar wurde - für Kyle führte schließlich kein Weg daran vorbei, das Fadenkreuz auf seinen Kameraden zu richten und zu feuern. Bradley schwankte daraufhin in den Hudson River, doch sein Leichnam wurde nie entdeckt. Ist der frühere Weggefährte möglicherweise noch am Leben? Die Antwort auf diese Frage gilt es für euch herauszufinden - und die Aufklärung liefern die äußerst redseligen Gäste des Hotels Dusk.

Die Story wird dabei in zehn Kapiteln vorangetrieben, in denen ihr die diversen Stockwerke abmarschiert und Fundstücke sammelt, doch der Fokus liegt klar auf den Gesprächen: Es wird also gequasselt - und das nicht zu knapp. Aber hey, nicht umsonst wird der DS beim Spielen von Hotel Dusk wie ein Buch gehalten - genauso wie man es bei Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging tut.

Gerade die feinsinnigen Gespräche mit Hotelpage Louie, Herbergsvater Dunning, "Mädchen für alles" Rosa und den weiteren Charakteren tragen enorm zur authentischen Stimmung bei. Anfangs stockt der Spannungsaufbau zwar etwas, da die Geschichte nur langsam in Fahrt kommt. Doch spätestens gegen Ende des dritten Akts gibt die Story richtig Vollgas und Rätsel müssen in rascherer Abfolge gelöst werden.

Rätselkost vom Feinsten?

Was diese seltsame Zahlenfolge wohl zu bedeuten hat? Findet's heraus!
BILD: N-ZONE Was diese seltsame Zahlenfolge wohl zu bedeuten hat? Findet's heraus! BILD: N-ZONE Bedingt durch den hohen Gesprächsanteil sind die Knobeleinlagen im Vergleich zu Another Code generell etwas ins Hintertreffen geraten. Häufig marschiert ihr nur wenige Meter durch das Anwesen, bis eine weitere Konversation eingeleitet wird. Hier hätten wir uns stellenweise eine höhere Rätseldichte gewünscht. Doch die Rätsel fügen sich allesamt stimmig ins Spiel ein und sind oftmals richtig kreativ (Stichwort: "Wie lese ich einen Schriftzug, der auf der Rückseite eines Puzzles steht?"). Mehr wird nicht verraten - schließlich möchten wir euch den Spaß beim Lösen der sparsam dosierten Knobeleinlagen nicht schmälern!

In technischer Hinsicht ist Hotel Dusk derweil allenfalls zweckmäßig geraten: Die 3D-Ansicht der Umgebung wirkt recht pixelig und die Karte, auf der ihr mit dem Stylus umherstreift, strotzt nicht gerade vor Details. Dafür sind die als Bleistift-Skizzen dargestellten Charakter-Anima-tionen richtig cool! Ein kleines Kunstwerk ist Hotel Dusk: Room 215 also in jedem Fall - quasi ein Henning-Mankell-Krimi zum Mitspielen!

Bildergalerie: Hotel Dusk: Room 215
Bild 1-3
Klicken Sie auf ein Bild, um die Bilderstrecke zu starten! (4 Bilder)

Wertung zu Hotel Dusk: Room 215 (NDS)

Wertung:

85 /10
Pro & Contra
Mehr als 20 Stunden SpielzeitExzellente Dialoge und gute Atmosphäre
3D-Darstellung sehr pixeligGeringer Rätselanteil
Fazit

Interaktiver Krimi mit wenigen Rätseln, aber dichter Story und 20 Stunden Spielzeit!

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