Im Test zu GTA: Chinatown Wars erfahrt ihr alles über die PSP-Portierung des im vergangenen Jahr erschienenen Nintendo-DS-Titels. Lohnt sich der Kauf?
Wie für ein GTA üblich, beginnt die Geschichte mit einem Verlierer. Ihr seid Huang Lee - ein junger Chinese mit großen Problemen. Euch wird ein bedeutendes Schwert geklaut und ihr werdet mitsamt Auto zum Sterben im Hafen versenkt. Gut, dass ihr euch retten könnt. Doof, dass ihr nun weder Schwert, noch Geld habt. Wieder einmal müsst ihr eine klassische GTA-Story erleben: Den Aufstieg vom Niemand zum Schwerverbrecher. Euer Revier dürfte vielen von euch bekannt sein: Liberty City, wo bereits GTA IV spielte. Das komplette Stadtgebiet steht euch von Anfang an offen und entspricht der PS3-Vorlage. Lediglich die Höhenunterschiede wurden eliminiert und das große Gebiet von Alderney fehlt. Dennoch fühlt sich die Stadt herrlich groß und lebendig an. Allerdings müsst ihr euch an eine neue Perspektive gewöhnen, denn Chinatown Wars orientiert sich an den Urvätern der Serie und zeigt das Spielgeschehen aus einer steilen Vogelperspektive.
Abgefahren: Die Story steckt voller krasser Dialoge und böser Pointen.
Das ist vor allem der schwachen Hardware des Nintendo DS geschuldet, für den das Spiel ursprünglich März erschien. Die DS-Fassung begeisterte uns. Niemals hätten wir eine derartig ausgeklügelte Spielwelt erwartet. Auf der PSP wirkt der Stil zunächst ungewohnt. Doch bald stellte sich bei uns dieselbe Begeisterung ein. Die Perspektive funktioniert und passt hervorragend zum veränderten Spielgefühl. Chinatown Wars ist weitaus leichtere Kost als die vorherigen Teile für PSP. Die Missionen sind kürzer, Spielziele sind schneller erreicht und sofern ihr nicht gerade einen Auftrag ausführt, könnt ihr jederzeit speichern.
CLEVERE FEATURES
Im Verlauf der etwa zehn Stunden schweren Story begegnet ihr diversen skurrilen Mafiosi, etwa eurem Onkel Wu "Kenny" Chang oder dem selbstverliebten Volltrottel Chan Jaoming. Die Story wird mit simplen Comicbildern erzählt, die mit ihrem eigenwilligen Stil prima zur Spielegrafik passen. Dass es keine Soundausgabe gibt, schmerzt jedoch. Die herrlich bissigen Dialoge würden wir zu gern auch hören können. Doch die Action macht auch ohne Synchronsprecher wirklich Spaß. Ihr werdet Bomben legen, Immigranten für eure Organisation gewinnen, einen Krankenwagen mitsamt Patient entführen oder leckende Tanklaster fahren, die von einer Feuerspur verfolgt werden. Dank eines GPS-Systems findet ihr alle Ziele in der Stadt ohne große Probleme und eine optionale Steuerungshilfe zentriert euren Wagen auf der Straße. Es gibt duzende solcher cleveren Ideen, die alle dafür sorgen, dass sich dieses GTA weitaus besser anfühlt als seine Vorgänger. Einfach, weil es von Anfang an für einen Handheld gemacht wurde.
Liberty City ist eine herrlich lebendige Stadt und es macht Spaß, sie ausgiebig zu erkunden.
TECHNISCHE ALTLASTEN
Dank der DS-Wurzeln müsst ihr leider auf einige übliche Features verzichten. Beispielsweise hört ihr im Radio ausschließlich Instrumentalmusik. Außerdem wirkt die Stadt trotz der feinen Texturen zuweilen etwas klotzig. Die Beleuchtung versöhnt jedoch. Wenn ihr durch eine Gewitternacht rast, wird ein wahres Feuerwerk an Licht-Effekten gezündet. Geschmackssache sind die Mikrospiele, die immer wieder das Spiel unterbrechen. Per Tastendruck oder Analogstick-Schwung müsst ihr Autos knacken, Bomben entschärfen, Lieferwagen aufbrechen oder Kräne steuern. Da diese kleinen Aufgaben nie zu lang dauern, störten sie uns jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie lockerten das Kern-Gameplay angenehm auf. Ebenfalls interessant, wenn auch etwas grenzwertig, ist das Wirtschaftssystem: Ihr handelt mit Drogen. Dazu vergleicht ihr Ein- und Verkaufspreise, folgt heißen Tipps und zerstört Überwachungskameras. Das senkt die Preise. Wer will, darf sich sogar Statistiken zum virtuellen Markt anzeigen lassen.
KEIN SAN ANDREAS
Das neueste Grand Theft Auto für die PSP ist entgegen der Hoffnung vieler kein San Andreas Stories geworden. Gut so! Denn es wurde höchste Zeit für eine Fassung, die für die Spielgewohnheiten eines Handheld-Besitzers ausgelegt ist. Chinatown Wars mag ungewöhnlich sein aber auf jeden Fall ist es ein grandioses Spiel. Und grandiose Spiele kann es nie genug geben!
Weitere Screenshots aus GTA: Chinatown Wars:
