Dass GTA 5 ein Verkaufserfolg wird, war schon vor Release klar, zu beliebt sind die Grand Theft Auto-Serie und Entwickler Rockstar. Doch was steckt hinter dem Hype? Redakteur Peter Bathge hat sich die Testversion auf der Playstation 3 zur Brust genommen und verrät im Review, warum GTA 5 ein Quell der guten Laune ist - und welche minimalen Technik-Mängel den Spielspaß trüben.
Sinnvolle Investitionsmöglichkeiten
Geld verdienen ist in GTA 5 gar nicht so einfach, denn für viele Aufträge wird das Gangster-Trio nicht oder nur ungenügend bezahlt: Das ist so etwas wie ein Running Gag im Spiel. Die meiste Knete macht man mit den Überfällen, aber es lassen sich auch beliebige Geldtransporter auf der Straße überfallen, ganz ohne Vorbereitung. Als Belohnung gibt es ein paar Tausender. Die großen Raubzüge bringen dagegen schon mal mehrere Hunderttausend bis Millionen ein! Das ganze Geld lässt sich an allen Ecken und Enden der Spielwelt ausgeben, hier bietet Teil 5 deutlich mehr Möglichkeiten als GTA 4. So dürfen wir nicht nur die Kleidung und Frisuren unseres Helden gegen Geld ändern sowie zahllose Waffen (Minigun, Raketenwerfer, etc.) erstehen und jedes unserer Autos mit etlichen Tuning-Extras aufmotzen.
Quelle: PC Games
Die Raubüberfälle sind das Herzstück der Kampagne; sie erfordern Planung und ein sicheres Händchen bei der Crew-Auswahl.
Nein, das Geld lässt sich auch in Immobilien anlegen, die regelmäßig Gewinne abwerfen. So wird man zum Besitzer von Stripclubs, zusätzlichen Autogaragen, Golfplatz, Flughafen oder einer schönen Villa in den Vinewood Hills. Die Preise dafür sind teils exorbitant, das teuerste Grundstück kostet satte 200 Millionen Euro. Den nötigen Schotter verdienen sich ambitionierte Spieler beim Aktienhandel im Internet: GTA 5 enthält dutzende fiktive Webseiten, die man jederzeit ansteuern kann. Wer die Nachrichten im Auge behält, kann Aktienkurse von Firmen vorausahnen und an der Börse den großen Reibach machen. Eher schwach fallen dagegen die RPG-Elemente des Spiels aus: Die Fähigkeiten der Helden wie Fliegen, Fahren oder Schießen verbessern sich durch regelmäßige Nutzung etwa durch Probeballern am Schießstand oder Flugstunden, die Auswirkungen sind aber minimal.
Die soziale Interaktion mit KI-Figuren, ein Schwachpunkt des Vorgängers, hat Rockstar stark überarbeitet. Es gibt keine nervigen "Lass uns bowlen gehen!"-SMS der Kumpanen, aber Michael, Trevor und Franklin dürfen einige ausgewählte Figuren zum "Abhängen" in Clubs, auf dem Tennisplatz oder bei anderen Aktivitäten einladen. Spielerisch bedeutungslos, aber nett. Beziehungen mit dem anderen Geschlecht sind übrigens nicht mehr möglich, sofern nicht von der Story vorgeben.
Ausgereizte Konsolen-Hardware
Quelle: PC Games
Bei schnellen Ortswechseln, etwa per Taxi-Schnellreise, braucht das Spiel ein paar Sekunden, um die Umgebungstexturen zu laden.
Klingt alles großartig und wie das beste Spiel der Welt, oder? Keine Sorge, auch GTA 5 ist nicht makellos. Den größten Klops habe ich mir für das Ende dieses Artikel s aufgespart: die Technik. So bahnbrechend, wie die Optik in manchen Trailern vor Release aussah, ist sie im fertigen Produkt nicht. Das liegt vor allem am aufdringlichen Kantenflimmern und den immer wieder sichtbar nachladenden Texturen. Besonders bei abrupten Ortswechseln, etwa wenn man die Schnellreise per Taxi nutzt, brauchen die Umgebungstexturen mehrere Sekunden, um auf dem Bildschirm aufzutauchen. Dazu kommt eine niedrige Bildrate bei hohen Geschwindigkeiten, etwa wenn wir mit einem der allesamt erstklassig zu steuernden Autos (die Schlittergefahr ist gegenüber GTA 4 deutlich reduziert worden) durch die belebte Innenstadt von Los Santos brausen. GTA 5 stottert zwar nie so schlimm wie der Vorgänger, dennoch haben die Konsolen ihre liebe Mühe, die gigantische Spielwelt ohne Ladezeiten flüssig darzustellen, trotz einer Installationsgröße von satten acht Gigabyte. Unspielbar wird GTA 5 dadurch aber nie, auch wenn es im Test zu einigen sehr seltenen Aussetzern kam, bei dem das Spielgeschehen sekundenlang einfror, nur um anschließend wieder stundenlang ohne Probleme zu laufen.
Quelle: PC Games
Fahrzeuge lassen sich deutlich einfacher steuern als in GTA 4 - hier hat Rockstar der Zugänglichkeit den Vorzug vor einem realistischen Fahrmodell gegeben.
Diese Leistungseinbrüche erscheinen zumindest verständlich, wenn man GTA 5 länger als fünf Minuten spielt. Dann hat man die anfangs minimal enttäuschende Grafik, die auf den ersten Blick nur knapp über der GTA 4-Technik rangiert, nämlich komplett vergessen und ignoriert die manchmal verschwommenen Texturen und die in der Ferne detailarm dargestellte Umgebung. Das Auge erfreut sich stattdessen an den wunderschönen Lichteffekten; besonders bei Sonnenuntergang und in der Nacht sieht GTA 5 großartig aus. Hochhäuser sind hell erleuchtet, Autos glänzen im Licht der Straßenlaternen, dazu tummeln sich zu jedem Zeitpunkt dutzende Passanten und Fahrzeuge auf dem Bildschirm. Technisch Erstaunliches leistet die verwendete Engine zudem bei der Darstellung der Gesichter: Besonders die drei Protagonisten wirken nahezu lebensecht in ihrer Mimik.
Ach ja, dass der Sound großartig ist, brauche ich bei einem GTA wohl nicht extra zu erwähnen. Ich tue es aber trotzdem mal, denn sowohl die englische Sprachausgabe als auch die fantastische Musikauswahl mit lizensierten Songs und einem sehr stimmungsvollen Original-Soundtrack sind schlichtweg fantastisch und verdienen ein Sonderlob. Egal ob Pop-Klassiker der 80er und 90er, lateinamerikanische Klänge, Snoop Dogg, ehrliches Metal oder Britney Spears, mit der Musik ist es wie mit dem Rest des Spiels: GTA 5 bietet für jeden Geschmack etwas und lässt sich bedenkenlos jedem Fan von Videospielen empfehlen, der auch nur das Geringste für Autos, virtuelle Verbrechen und offene Spielwelten übrig hat.
