Forza 3 für Xbox 360 im Test: Das beste Rennspiel aller Zeiten. Oder?

Test Florian Stangl

Forza 3 im Test von Videogameszone: Ist es das beste Rennspiel für die Xbox 360? Oder gar aller aktuellen Systeme? Wir testen Forza 3 auf Herz und Kolben, im Multiplayer-Modus, auf allen Strecken, mit Dutzenden Autos, vom Kleinwagen bis zum Ferrari.

Die Cockpitperspektive von Forza 3 fährt sich hervorragend, ist aber weniger dynamisch als in NFS Shift. Quelle: Videogameszone.de Die Cockpitperspektive von Forza 3 fährt sich hervorragend, ist aber weniger dynamisch als in NFS Shift. Forza gegen Gran Turismo: Das große Duell der Rennspiel-Serien geht 2009 in eine neue Runde. Außerdem hat sich mit Need for Speed Shift ein weiterer ernst zu nehmender Konkurrent hinzugesellt. EA hat mit NFS Shift vorgelegt und mit der Neuausrichtung der Serie mehr als nur einen Achtungserfolg hingelegt. Denn - soviel sei hier verraten - in mancher Hinsicht übertrumpft Shift Forza 3 sogar. Ob Gran Turismo 5 endgültig unter die Räder kommt oder einen Sieg aus der Boxengasse schafft? Abwarten. Gran Turismo Prologue jedenfalls kommt nicht über ein enttäuschendes Abschneiden in der Qualifikation hinaus. Und bis GT5 die Aufholjagd starten kann, dauert es noch - geplanter Release ist März 2010 in Japan.
Der Test von Forza Motorsport 3 könnte so einfach sein, würde man die beliebten Redakteursfloskeln bemühen: Rennspiel-Fans können unbesorgt zugreifen, alle andere zocken vorher besser die Demo. Oder: Wer Forza 2 mochte, wird Forza 3 lieben. Schön auch: Forza 3 schafft es auf Anhieb auf den Genre-Thron. Puh.

Das lassen wir besser aus. Forza 3 verdient einen komplexeren Test, der dem enormen Umfang des Spiels auch gerecht wird. Damit sind jetzt nicht die rund 400 Autos aus Forza 3 gemeint, die wir euch bereits aufgelistet haben. Auch nicht die 22 Strecken in ihren unterschiedlichen Layouts. Die Komplexität von Forza 3 entsteht zum Glück für echte Rennspieler nicht durch Quantität, sondern durch das differenzierte Fahrmodell.

Forza 3 vs. NFS Shift: Feingefühl gegen Brachialgewalt

Forza 3 hat gegenüber Forza 2 vor allem bei der Streckengrafik an Detailreichtum zugelegt. Quelle: Videogameszone.de Forza 3 hat gegenüber Forza 2 vor allem bei der Streckengrafik an Detailreichtum zugelegt. Folgenden Vergleich können Xbox 360-Besitzer mit den Demos von Need for Speed Shift und Forza 3 jederzeit nachvollziehen. NFS Shift ist im direkten Vergleich der prollige Radaubruder: Mit mächtigem Motorensound, knallharten KI-Gegern und einer hypersensiblen Steuerung gleicht die Fahrt mit einem der PS-stärkeren Wagen in Shift dem sprichwörtlichen Ritt auf der Kanonenkugel. Im Grenzbereich ist Shift gnadenlos, und verbirgt vor dem Erreichen des Grenzbereichs dummerweise durch sein krawalliges Auftreten die feinen Nuancen, die Rennfahrern das Leben erleichtern. Shift fährt sich im Vergleich eher digital, es gibt 0 und 1 oder besser: ganz oder gar nicht. Wer auf der Nordschleife mit einem Porsche GT3 die Ideallinie um einen halben Pixel verfehlt, hat in vielen Kurven keine Chance, diesen Fehler zu korrigieren.

Forza 3 fährt sich elegant und intensiv

Forza 3 beginnt im Karrieremodus eher gemächlich mit relativ langsamen Autos. Gut, um sich mit der Fahrphysik vertraut zu machen. Quelle: Videogameszone.de Forza 3 beginnt im Karrieremodus eher gemächlich mit relativ langsamen Autos. Gut, um sich mit der Fahrphysik vertraut zu machen. Forza 3 ist da ganz anders, wirkt eher wie der intellektuelle große Bruder. Hier wird nicht mit der Keule geknüppelt, sondern mit dem Florett gefochten. Vor allem ohne Fahrhilfen verhalten sich die Wagen nachvollziehbar, geben dem Fahrer stets gutes Feedback. Das hilft, kleine Fehler rechtzeitig zu korrigieren. Forza 3 wirkt dadurch im Vergleich viel analoger, weicher und natürlich viel weniger spektakulär. Prima: Dieses so wichtige Feedback erhaltet ihr auch per Gamepad, ein eigenes Lenkrad ist daher nicht zwingend nötig. Ganz ohne Fahrhilfen steuert es sich mit einem guten Lenkrad oder Pedalen ein gutes Stück feinfühliger. Forza 3 fühlt sich damit ähnlich gut an wie Gran Turismo 5 Prologue, indem man ebenfalls effektiv auf der Strecke nach Zehntelsekunden suchen kann - weil man merkt, wo man sie verloren hat. Außerdem könnt ihr herrlich mit Gas und Bremse spielen, ganz wie in echten Autos.

Forzas Fahr-Assistenten auf Abruf

Die Autos sind in Klassen (F bis A) unterteilt, hinzu kommt ein Leistungsindex, der sich durch Tuning verändert. Quelle: Videogameszone.de Die Autos sind in Klassen (F bis A) unterteilt, hinzu kommt ein Leistungsindex, der sich durch Tuning verändert. Forza 3 beginnt den Karrieremodus mit einem kleinen Paukenschlag, denn euer allererstes Rennen fahrt ihr mit dem Audi R8. Zuvor fragt das Spiel nach eurem Können: Virtueller Sonntagsfahrer, Rennspieler oder Rennfahrer stehen zur Auswahl. Wer Forza 2 ausgiebig gespielt hat, wählt gleich Rennfahrer - sonst wird es zu einfach. Die Auswahl bestimmt die Anzahl der Fahrhilfen, die in Forza 3 so sanft eingreifen, dass man sie kaum bemerkt. Toll gelöst. Aber wenn das Spiel schon so hervorragende Rückmeldung über den Zustand von Strecke und Auto liefert, sollte man sich das nicht durch Fahrhilfen wieder aufweichen. Wer jedoch einfach nur Grafik, Sound und möglichst viele Autos genießen will, der wird mit den Helferlein (besonders gelungen: der Bremsassistent) jede Menge Spaß haben. Der virtuelle Fahrer, den man anheuern kann und der dann für euch fährt, ist wohl eher fürs Aufnehmen von Videos gedacht. Warum sollte man zuschauen, wenn man selber fahren kann?

Außerdem verdient ihr umso mehr Kohle, je weniger Fahrhilfen ihr nutzt. Ohne negative Auswirkungen könnt ihr per Back-Button jederzeit zurückspulen, wenn ihr eine Kurve vermasselt oder einen Crash gebaut habt. Im Gegensatz zu Grid dürft ihr beliebig oft pro Rennen zurückspulen. Wer es damit übertreibt, beraubt sich damit eines Teils des Spielspaßes. Abschalten lässt sich die Funktion nicht.

Turniere, wohin das Auge blickt

Der Fiat 500 Abarth ist eine der Belohnungen für ein gewonnenes Turnier. Der kleine Flitzer fährt sich prima und kann durch Tuning zur rasanten Rennsemmel werden. Quelle: Microsoft Der Fiat 500 Abarth ist eine der Belohnungen für ein gewonnenes Turnier. Der kleine Flitzer fährt sich prima und kann durch Tuning zur rasanten Rennsemmel werden. Nach dem R8-Ausritt beginnt der Alltag. Ihr sucht euch mangels Finanzkraft einen Kleinwagen aus, mit dem ihr die ersten Rennen bestreitet. Forza 3 unterteilt das Spiel in Saisons, wobei ihr Rennen unter der Woche sowie am Wochenende fahren könnt (was je mit einem Achievement belohnt wird). Ein Kalender zeigt die möglichen Rennen und Veranstaltungen, die ihr in beliebiger Reihenfolge wählen könnt. Völlig frei in der Wahl seid ihr aber nicht, denn für manche Veranstaltungen fehlt euch der passende Wagen: Es gibt Turniere für Fronttriebler, Hecktriebler, Allradler, Dreitürer, japanische Wagen, europäischen Wagen und so weiter. Netterweise warnt euch Forza 3 vor der Auswahl eines Rennens, wenn eurer Wagen leistungsmäßig zu schwach ist. Dann könnt ihr entweder mit Tuning nachhelfen, einen anderen Flitzer wählen oder doch lieber ein anderes Rennen fahren.

Tuning: In Forza 3 Mittel zum Zweck

Drift-Wettbewerbe gibt es nur im Multiplayer-Modus. Mit einem 'privaten Rennen' könnt ihr zumindest dafür üben. Quelle: Microsoft Drift-Wettbewerbe gibt es nur im Multiplayer-Modus. Mit einem "privaten Rennen" könnt ihr zumindest dafür üben. Das Tuning in Forza 3 ist unspektakulär (kein optisches Tuning mit Spoilern und Bodykits), aber zweckmäßig. Korrektur: Bei Forza 3 steht Tuning für die Optimierung der Performance, nicht für Autoverschönerungen à la "Pimp my Ride". Heckflügel, Frontspoiler und Seitenschweller verändern zwar die Optik der Autos, aber nur als Nebeneffekt. Im Vordergrund steht die Möglichkeit, diese Anbauteile entsprechend der Wagen- und Streckencharakteristik zu justieren. Neben den Wagenklassen (ihr startet mit F, arbeitet euch zu E vor, und so weiter) gibt es einen Leistungsindex. Der ist umso höher, je stärker euer Auto ist. Forza 3 gibt jeweils Klasse und Index aus, z.B. könnt ihr mit D227 einem D200 locker davonziehen. Praktisch ist das schnelle Upgrade, wenn ihr euch nicht selbst durch Bauteile und Diagramme wühlen wollt. Die Empfehlungen des Programms sind durchweg sinnvoll. Grundsätzlich könnt ihr übrigens jederzeit alle Autos im Spiel kaufen, nur reicht meistens das Geld nicht. Das verdient ihr euch mit Rennen. Im Freien Spiel könnt ihr im Gegensatz zur Karriere alle Autos und Strecken jederzeit fahren, allerdings nur alleine.

Forza 3: Amazon meets Ebay

Neben dem Performance-Tuning könnt ihr eure Autos mit Aufklebern verzieren. Die Möglichkeiten sind erschöpfend, im wahrsten Sinn des Wortes. Aus Hunderten von Motiven, Schriftarten und Farben könnt ihr neue Motive generieren und damit jedes Auto zu einem sehenswerten Unikat machen. Diese Designs könnt ihr dann Online anderen Spielern gegen Credits verkaufen oder selber shoppen gehen, wenn ihr nicht so viel Zeit investieren wollt. Forza 3 enthält eine komplette Shopping-Meile, wo die Spieler ihre Setups, Designs, Fotos und Wiederholungen anbieten. Jeder Forza-Spieler hat seine persönliche Homepage, wo er sich präsentieren und seine Erfolge oder schönsten Crashs präsentieren kann. Wer übrigens nicht einfach nur shoppen, sondern lieber er- und versteigern will, wird im Online-Auktionshaus fündig. Hier könnt ihr zum Beispiel überflüssige, aber hochgetunte Autos an Einsteiger loswerden, die schnell einen möglichst starken Wagen wollen.

Forza 3: Kritik im Detail

Eigene Designs sind möglich und können sogar über den Marktplatz im Spiel verkauft werden. Quelle: Microsoft Eigene Designs sind möglich und können sogar über den Marktplatz im Spiel verkauft werden. Die Online-Community ist sicher ein starker Motivationsfaktor für viele Spieler, die Rennen selbst sind der andere. Wie eingangs erwähnt, punktet Forza 3 mit seiner hervorragenden Steuerung und dem fantastischen Fahrgefühl. Da auch die KI-Gegner überwiegend nachvollziehbar agieren, ergeben sich viele dramatische Rennen. Ausnahmen bestätigen die Regel: Zum einen beobachteten wir das Phänomen, das der Gegner im roten Auto immer auch der schnellste ist. Zum anderen sind vor allem in späteren Rennen nur die zwei oder drei Autos an der Spitze des Starterfelds auch die, die nach der ersten Kurve noch Ernst zu nehmen sind. Der Rest des Felds spielt keine Rolle mehr. Das sind Kleinigkeiten, die nicht besonders ins Gewicht fallen. Die Aggressivität der Gegner ist jedenfalls ausgewogen: Sie überholen einander, was euch Vorteile verschafft, und sie machen sich auf der Ideallinie breit, was euch das Leben erschwert. Ein bisschen Rempeln kann hier nicht schaden, eure Gegner setzen das auch gerne (aber nicht übertrieben) ein. Zu harte Rangeleien haben mehrere Nachteile: Euer Auto geht im Rennen kaputt und ihr müsst danach sauer verdiente Credits in Reparaturen investieren.

Keine harten Strafen

Das Schadensmodell ist optisch zwiespältig. Die Lackschäden sehen gut aus, doch die Karosserie wird auch von Überschlägen kaum verändert. Wenigstens wirken sich Unfälle auf die Fahrleistungen aus. Wer zu hart in Zweikämpfe geht, muss mit einem verzogenen Fahrwerk und Leistungsverlust kämpfen. Rennen könnt ihr dann nicht mehr gewinnen. Das Schadensmodell ist nicht ultra-realistisch, damit hat Entwickler Turn 10 aber eine gute Mischung aus Risiko für harte Fahrer und Bestrafung gefunden. Apropos Bestrafung: Es gibt keine Nachteile für zu ruppiges Fahren (außer den möglichen Schäden) oder fürs Abkürzen der Strecke. An bestimmten Stellen wird euer Auto dann zwar massiv abgebremst, aber im Gegensatz zu Need for Speed Shift droht keine Disqualifikation.

Multiplayer: Die Stärke von Forza 3

Lohnenswert: Ein Ausdauerrennen in Le Mans. Schade, dass es weder wechselndes Wetter noch Nachtrennen gibt. Quelle: Microsoft Lohnenswert: Ein Ausdauerrennen in Le Mans. Schade, dass es weder wechselndes Wetter noch Nachtrennen gibt. Das lässt sich auch im Multiplayer-Modus gezielt einsetzen. Der ist üppig ausgefallen: Im Splitscreen könnt ihr zu zweit an einer Konsole um den Sieg rasen, allerdings fehlt hier die Cockpitperspektive. Dafür ist die Framerate auch bei den beiden zuschaltbaren KI-Gegnern durchweg stabil. Über Xbox Live könnt ihr vom Karrieremodus aus zusätzlich in vielen Modi gegeneinander antreten, die weitgehend frei konfiguriert werden dürfen. Zum Testzeitpunkt war natürlich noch kaum etwas los, aber die angebotenen Möglichkeiten lassen spezielle Drift-Wettbewerbe ebenso zu wie Langstreckenrennen oder Events für bestimmte Klassen oder Autos.

Festplatteninstallation nötig

Grafik und Sound sind exzellent - und da Bilder und Videos mehr sagen als Tausend Worte, schaut ihr euch am besten unsere Grafik-Vergleiche zwischen Forza 2 und Forza 3 an, sowie unsere Videos zu Forza 3. Die Menge an Grafik-Details hat ihren Preis: Von der zweiten DVD in der Packung müsst ihr 1,9 Gigabyte auf die Festplatte kopieren. Andernfalls fehlen ein paar Autos und Strecken, dennoch ist Forza 3 auch ohne Festplatte spielbar. Apropos Festplatte: Auch bei Forza 3 nerven die langen Ladezeiten, wobei NFS Shift noch schlimmer ist. Festplatteninstallation bringt keine Vorteile. Schade.

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Wertung zu Forza Motorsport 3 (X360)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
perfektes Fahrgefühlfür jeden Spielertyp die passende Einstellungabwechslungsreiche Rennstreckenreichhaltige Fahrzeugauswahlhervorragende Präsentationvielfältige Multiplayer-Modiinnovative Online-Community mit Auktionen
kein Cockpit im Splitscreenkein Belohnungssystem wie in NFS Shiftohne Festplatte eingeschränkter Umfang
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