Fallout 3 Game of the Year Edition: Unser Test zur Fallout 3 GotY-Edition

Test Horst Heindl

Heute erscheint die Fallout 3 Game of the Year Edition im Handel. Neben dem Fallout 3-Hauptspiel enthält diese Version auch alle Fallout 3 Add-Ons. Wir bieten euch deshalb heute nochmal den Fallout 3-Test für Xbox 360.

Orientierung

Der Moment, nachdem wir unseren sicheren Bunker verlassen haben und den Blick über die verwüstete Landschaft schweifen lassen, ist phänomenal. Welch ein Kontrast zu den dunklen Gängen im Bunker, den vielen technischen Geräten und der Geborgenheit. Einsam und verlassen stehen wir nun da und sehen zum ersten Mal in unserem virtuellen Leben die natürliche Sonne. Felsen, Sand und verkohlte Überreste von Bäumen, so weit das Auge reicht. Und dann das: "Let us in, motherfuckers. We are dying!", steht auf einem Schild gekritzelt, das neben dem Bunker im Staub liegt. Willkommen im Ödland von Washington D.C. Fasziniert machen wir uns auf den Weg durch Geröllbrocken hindurch in Richtung einer zerstörten Autobahnbrücke. Reste einer einst blühenden Zivilisation. Die riesigen Spielabschnitte könnt ihr frei von Ladezeiten durchwandern. Lediglich wenn ihr Gebäude, Ortschaften, U-Bahn-Schächte und dergleichen betretet, belästigt euch für kurze Zeit ein Ladebildschirm. Per Weltkarte orientiert ihr euch grob, entdeckte Orte werden automatisch eingezeichnet und können anschließend jederzeit auf Knopfdruck bereist werden. Euer Kompass zeigt in Richtung des nächsten Hauptziels oder zum frei gesetzten Wegmarker. Komfortabler geht's nicht. Zwar müsst ihr alle Strecken zu Fuß ablatschen, aber es gibt - genauso wie es die Entwickler versprochen hatten - überall heruntergekommene Häuser oder versprengte Siedlungen, die ihr untersuchen könnt (so kamen wir an den Flammenwerfer) sowie umherziehende Banden und Monster, vor denen ihr euch in Acht nehmen müsst. Langeweile sieht anders aus.

Das Kampfsystem: in Echtzeit ...

Amata, unsere Freundin aus dem Bunker, hat uns eine Pistole überlassen, mit der wir kurz zuvor ihren Vater erschossen haben ... oder auch nicht. Warum wir Amatas Vater erschießen sollten? Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Schon nach wenigen hundert Metern greift uns ein fliegendes, Gift spritzendes Biest an. Wie in einem Ego-Shooter richten wir die Knarre auf das Tier und drücken ab. Die künstliche Intelligenz hat uns zwar niemals sonderlich gefordert (auf dem mittleren von drei Schwierigkeitsgraden), schlecht ist sie aber auch nicht. Ghule nehmen weite Laufwege auf sich, um euch zu erreichen, und Supermutanten wechseln immerhin von Distanz- zu Nahkampfwaffen. Zurück zum Giftspritzer. Dass ihr euch in einem Rollenspiel befindet, wird euch klar, wenn ihr den Kadaver untersucht. Bei menschlichen oder humanoiden Leichen findet ihr Munition, Waffen, Schlüssel und allerhand weitere nützliche Dinge. Tiere versorgen euch dagegen mit ra­dioaktiv verseuchtem Fleisch, das euch zwar heilt, gleichzeitig aber verstrahlt. Eine Pille Rad-Away reduziert die Strahlung, bevor ihr euch eine Strahlenkrankheit zuzieht. Probleme werdet ihr durch die Radioaktivität aber kaum bekommen. Schließlich sinkt die radioaktive Belas­tung mit der Zeit automatisch. Drogen wie Rad-X, Med-X oder Jet steigern eure Strahlungs- oder Schadensresistenz oder sie erhöhen schlagartig eure verfügbaren Aktionspunkte. Wenn ihr abhängig werdet, bleibt einer eurer Charakterwerte so lange niedrig, bis ihr euch von einem Arzt von der Abhängigkeit befreien lasst.

Die Grafik mag in anderen Spielen besser sein, schlecht ist sie in Fallout 3 auf keinen Fall. Quelle: Computec Media AG Die Grafik mag in anderen Spielen besser sein, schlecht ist sie in Fallout 3 auf keinen Fall.

... und in Zeitlupe

Aktionspunkte braucht ihr für das V.A.T.S. (Vault-Tec Assisted Targeting System). Habt ihr zu wenige Aktionspunkte, könnt ihr das V.A.T.S. nicht benutzen. Der Balken, der die Aktionspunkte anzeigt, wächst aber langsam, solange ihr in Echtzeit spielt. Doch wie sieht das V.A.T.S. in der Praxis aus?

Nach vielen Stunden Spielzeit steht ihr vor den Überresten des Washington Monument, einem hohen, spitzen Turm inmitten der zerbombten Stadt (ihr könnt übrigens nach oben fahren und die fantastische Aussicht genießen). Ein paar Meter weiter treffen wir auf eine Gruppe von Supermutanten. Diese einst menschlichen Opfer eines misslungenen Experiments greifen euch sofort an, sobald sie euch sehen. Wir aktivieren den V.A.T.S.-Modus und die Zeit bleibt stehen. Mit dem linken Ministick wählen wir seelenruhig ein Körperteil aus: Alle vier Gliedmaßen sowie Torso und Kopf könnt ihr gezielt anvisieren. Auch die Waffe könnt ihr aus der Hand eures Feindes schießen. Je nach Distanz, Körperhaltung des Gegners, Art und Zustand eurer Waffe, euren Charakterwerten und Spezialfähigkeiten variiert die Prozentangabe neben dem Körperteil. Diese Zahl gibt die Wahrscheinlichkeit eines Treffers an. Der Kopf ist generell schwieriger zu treffen als der großflächige Torso, sofern euch euer Widersacher nicht die schmale Seite seines Körpers zuwendet.

Wir haben unser Haus in Megaton in ein Liebesnest verwandelt. Quelle: Computec Media AG Wir haben unser Haus in Megaton in ein Liebesnest verwandelt.

Bei einer Gruppe von drei Mutanten entscheiden wir uns für den Fatman, eine Wumme, die Mini-Atombomben verschießt. Da wir uns noch immer im V.A.T.S.-Modus befinden, schaltet das Spiel in eine Verfolgerperspektive, wobei der Kamerawinkel mit jedem Schuss wechselt. In stylisher Slow-Motion blicken wir in unserem Fall von hinten über das kleine, bauchige Projektil. Genau zwischen zwei Mutanten steigt ein kleiner Atompilz auf und schleudert die beiden - noch immer in Zeitlupe - zur Seite. Bei dieser Waffe genügt in der Regel ein Treffer. Etwas enttäuscht stellen wir daher fest, dass der dritte Mutant nicht angekratzt ist. Von einer Mini-Atombombe hätten wir uns etwas mehr erwartet.

Waffensammlung

Der dritte Mutant nimmt uns währenddessen mit seiner Minikanone unter Feuer. Genial, so ein Teil fehlt noch in unserer Sammlung! Nach einem Treffer mit unserem Raketenwerfer liegt der dritte Supermutant flach und wir greifen uns das Teil. Wir können uns nicht mehr halten und feuern drauflos. Nur so zum Spaß. Genau so stellen wir uns eine Minikanone vor. Betätigen wir den Feuerknopf, fangen die Läufe zunächst an, sich zu drehen. Erst nach ein paar Sekunden spucken sie wie wild Feuer und unser Controller fängt an zu vibrieren. Wie es sich gehört, streut die Kanone gewaltig. Schon nach wenigen Sekunden haben wir über hundert Schuss verballert und die leeren Läufe rattern noch ein Weilchen. Yee-ha! Im Spielverlauf haben wir außerdem eine Maschinenpistole, ein Scharfschützengewehr, einen Flammenwerfer (mit dem ihr aber kein Gras oder Holzhütten anzünden könnt), mehrere Sturmgewehre, diverse Flinten und Revolver, darunter eine Magnum, eine Laserpistole und einen Gatling-Laser gefunden. Eine Alienwumme gibt es im Spiel aber auch. Daneben gibt es mehrere Arten von Granaten (tolle Animationen im V.A.T.S.-Modus) und Minen. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei Moira, einer witzigen Hobby-Wissenschaftlerin in Megaton, könnt ihr euch die Anleitung für den sogenannten Rock-It-Werfer (ja, der heißt wirklich so) kaufen und - die nötigen Bauteile sowie einen ausreichend hohen Wissenschaftswert vorausgesetzt - selbst an einer Werkbank zusammenbasteln und für viel Geld wieder verkaufen. Ihr könnt euch ja jederzeit einen neuen bauen.

Das Spiel steckt auch voller Überraschungen. Vor einem alten Supermarkt treffen wir einen verstörten Jungen, der von zwei Jägern beschossen wird. Ein Kollege traf den Jungen ebenfalls, aber er wurde nicht von Jägern beschossen. Ein dritter Kollege traf den Jungen überhaupt nicht. Jeder schien ein vollkommen anderes Spiel-Erlebnis gehabt zu haben (und das nicht nur in dieser Szene).

Ihr fragt euch jetzt sicher, ob das Spiel auch schlechte Seiten hat. Man könnte das fehlende Sprintsystem kritisieren. Aber wenn ihr eure "Beweglichkeit" erhöht, dann lauft ihr schneller. Man könnte kritisieren, dass die Orientierung trotz der lokalen Minikarte in Megaton zunächst schwerfällt. Mit der Zeit merkt man sich aber einfach, wo sich die Bar oder die Klinik befindet. Einzig die Grafiktexturen könnten schärfer sein. Das wird aber durch die hervorragende Atmosphäre mehr als ausgeglichen. Klar, ihr trefft immer wieder auf ähnliche Gegner, auf Ghule, Supermutanten, marodierende Banden und dergleichen. Langeweile kommt aber niemals auf ... sofern ihr euch auf den Titel einlasst und in die Welt eintauchen wollt. Fallout 3 ist - typisch Bethesda - kein Spiel für zwischendurch. Vielleicht klingt das zu pathetisch, aber im Leben sollte man ein Haus gebaut, einen Baum gepflanzt, ein Kind gezeugt und Fallout 3 gespielt haben. Die Reihenfolge ist beliebig.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk