Dishonored im Test für PS3 und Xbox 360: Weitere Pro-Punkte

Test Peter Bathge

Dishonored im Test für PS3 und Xbox 360: Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Action-Abenteuers von Bethesdas verraten wir euch, wie gut Dishonored schließlich geworden ist. Gelingt den Entwicklern von Dark Messiah of Might and Magic endlich der Durchbruch? Die Antworten gibt es im Test zu Dishonored.

Entscheidungen haben Konsequenzen
Im Herzen von Dishonored werkelt das sogenannte Chaos-System. Dadurch bewertet das Spiel nach jeder Mission - manchmal ein wenig undurchsichtig für den Spieler - euer Vorgehen. Wer Wachen und Zivilisten nur betäubt anstatt sie umzubringen, wer möglichst wenige Alarme auslöst und Zielpersonen auf alternative Weise aus dem Weg schafft, dessen Chaos-Wert ist niedrig. Wer dagegen einen auf Rambo macht, bekommt eine hohe Chaos-Wertung serviert.

Wer für viel Chaos sorgt, der trifft in späteren Missionen auf mehr Gegner als sonst. Außerdem bekommt ihr eine andere Endsequenz präsentiert, als wenn ihr lediglich das absolute Minimum an nötiger Gewalt eingesetzt und für wenig Aufsehen gesorgt habt. Insgesamt gibt es drei verschiedene Schlussszenen, die das Abenteuer allesamt auf befriedigende Weise abschließen, sich im Ton aber stark unterscheiden. Das Ende variiert zudem noch minimal, abhängig von den Nebenmissionen, die ihr im Spielverlauf erfüllt habt. Einige dieser optionalen Aufträge kriegt ihr nur zu Gesicht, wenn ihr dem entsprechenden Charakter vorher bereits einen Gefallen getan habt. Dadurch stoßt ihr gegen Ende sogar auf einen völlig neuen Levelabschnitt, den ihr sonst nicht zu sehen bekämt, und Nebencharaktere ereilt ein anderes Schicksal als üblich.

Ein solches System von Entscheidungen und Konsequenzen gab es bereits in anderen Spielen, doch Dishonored brilliert in dieser Disziplin, weil es euch keinen Spielstil aufzwingt. Deus Ex: Human Revolution etwa belohnte Schleichen mit mehr Erfahrungspunkten für ausgeknockte Gegner - solch eine künstliche Spielerführung sucht ihr in Dishonored vergeblich! Außerdem beeindruckt die Möglichkeit, nahezu jeden NPC um die Ecke zu bringen (bis auf einige wenige für den Plot wichtige Figuren) oder das komplette Spiel zu beenden, ohne das Leben eines einzigen Polygon-Charakters zu beenden! Selbst die Zielpersonen, die Corvo eigentlich meucheln soll, lassen sich stets durch das Erfüllen einer optionalen Nebenaufgabe aus dem Weg räumen, ohne sie unter die Erde zu bringen.

Das Spielerlebnis unterscheidet sich je nach eurem Spielstil derart stark, dass wir euch einen zweiten Durchgang dringend empfehlen, um alles zu sehen!

Erfrischend anderes Szenario mit dichter Atmosphäre

Dunwall überzeugt mit seiner grandiosen andersartigen Atmosphäre. Die lebt von den bröckelnden Klinkerfassaden der Häuser, von den durch schmutzige Nebenstraßen wuselnden Rattenschwärmen, von den tollen Licht-und-Schatten-Effekten. Und von den Menschen. Feindlich gesinnte Wachen und unter der Zwangsherrschaft der Thronräuber leidende Zivilisten unterhalten sich über die Veränderungen in Dunwall, die mit den Taten des Helden einhergehen. Lautsprecherdurchsagen des fiesen Lordregenten und geskriptete Szenen wie die Exekutierung der im Untergrund lebenden Seuchenopfer (Weiner genannt) verstärken das Gefühl, gegen einen finsteren Überwachungsstaat zu kämpfen. Die Stimmung ist düster und bedrohlich, das fremdartige Steampunk-Ambiente mit seiner grotesk-modernen Architektur überzeugt.

Notizen, Tagebücher und Tonbänder liefern einen tieferen Einblick in die Hintergrundgeschichte der Welt. Zudem begeistert die Interaktivität des Szenarios: Corvo schnappt sich Münzen, Heil- und Manatränke, stopft sich Brot in den Mund, trinkt Wein, öffnet Kisten und Schränke, knackt Tresore oder dreht einfach nur den Wasserhahn eines Waschbeckens auf. Zusammen mit Geheimräumen und versteckten Warenlagern entsteht so eine Kulisse, die den Eindruck einer echten Stadt erweckt und sich nicht wie eine Ansammlung von Pappaufbauten anfühlt wie in vielen anderen Spielen.

Euren Charakter passt ihr auf drei Arten eurem persönlichen Spielstil an: über Runen, Ausrüstungs-Upgrades und Knochenartefakte. Quelle: Bethesda Euren Charakter passt ihr auf drei Arten eurem persönlichen Spielstil an: über Runen, Ausrüstungs-Upgrades und Knochenartefakte. Gelungene Upgrade-Mechanik für Waffen und Kräfte

Euren Charakter passt ihr auf drei Arten eurem persönlichen Spielstil an: über Runen, Ausrüstungs-Upgrades und Knochenartefakte. Mit Runen schaltet ihr die sechs magischen Fähigkeiten (Teleport, Windstoß, Nachtsicht, Rattenbeschwörung, Zeit verlangsamen sowie die Beherrschung von Tieren und Menschen) und vier Verbesserungen (mehr Gesundheit, höher springen, Adrenalin-Kampfmodus und Leichen in Asche verwandeln) frei. Jede Fähigkeit lässt sich dabei noch auf Stufe 2 ausbauen.

Eure Waffen verbessert ihr zwischen den Missionen bei Forscher Piero in Kategorien wie Nachladegeschwindigkeit oder Magazingröße. Außerdem findet ihr Knochenartefakte mit zufälligen Eigenschaften, die Corvo jeweils ein besonderes Talent verleihen. So regeneriert sich mit dem richtigen Anhänger etwa seine Gesundheit, wenn er aus einem Wasserhahn trinkt. Maximal trägt er bis zu sechs Knochenartefakte gleichzeitig. All diese Elemente verleihen dem Spiel einen dezenten Rollenspiel-Anstrich ohne dass die Spielerfahrung überladen wirkt - prima!

Überwiegend clevere Gegner-KI

Die künstliche Intelligenz der Feinde überzeugt stets mit glaubwürdigen Verhaltensroutinen. Eine dreiteilige Blitzanzeige über den Köpfen der Wachen gibt Auskunft, ob ein Gegner euch erspäht hat. Ab zwei Blitzen weicht der misstrauische Soldat von seiner Patrouillenroute ab; ist die Anzeige voll und leuchtet rot, ruft er nach Hilfe und greift an. Dabei reagieren die Wachen auch auf verdächtige Geräusche: Wer durch die Levels rennt, statt zu schleichen, oder huckepack genommene Leichen zu hastig absetzt, erregt viel Aufmerksamkeit. Im Umkehrschluss genügt ein Schuss aus Armbrust beziehungsweise Pistole oder eine geworfene Flasche, um die Kontrahenten abzulenken. Im Kampf ist die KI brandgefährlich; mehrere Feinde umkreisen den Spieler und verschiedene Gegnertypen mit unterschiedlicher Bewaffnung sorgen für eine angenehme Herausforderung.

Stimmungsvolle Musik, souveräne deutsche Sprecher
Der Soundtrack bietet passend zur jeweiligen Situation eine Mischung aus ruhigen Streicherpassagen und hektischem Klaviergeklimper, die Geräusche von klirrenden Degen und abgefeuerten Pistolen fügen sich gut in die Klangkulisse ein. Die deutsche Synchronisation ist gelungen, besonders der Lordregent hört sich wunderbar knorrig und fies an. Einige wenige Sprecher lesen ihre Dialoge aber seltsam tonlos vor. Besonders der Outsider klingt in der deutschen Version weder geheimnisvoll noch amüsiert, sondern gelangweilt. Für das beste Erlebnis empfehlen wir daher die englische Tonspur.

Bildergalerie

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