Diddy Kong Racing DS

Test Christoph Kraus

Der Touchscreen, das fünfte Rad am Wagen?

Die Bosslevels wurden stark vereinfacht - Zähneknirschen ade! Quelle: N-Zone Die Bosslevels wurden stark vereinfacht - Zähneknirschen ade! Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in der Videospielbranche: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spielecharakter zum Kartfahren verdonnert wird, steigt proportional mit zunehmendem Erfolgsgrad. Auf dem Nintendo 64 hat's Mario vorgemacht - und er war nicht lange alleine auf der Piste. Schon im Winter 1997 preschte Diddy Kong Racing dem Rivalen Mario Kart 64 hinterher und sicherte sich dank frei erkundbarer Spielwelt, neuer Fahrzeuge und des typischen Rare-Charmes die Poleposition. Wie viel von dieser ursprünglichen Faszination ist in Diddy Kong Racing DS übrig geblieben?

Alles anders?

Hinsichtlich des Umfangs bietet die Unterwegs-Version alle Zutaten, die das Original so beliebt machten: Ihr startet euer Abenteuer als einer von zwölf Fahrern, darunter die Sternchen Tiny, Diddy und Dixie Kong, und flitzt mit einem Kart, einem Flugzeug und einem Hovercraft auf einer recht kompakten, hübsch gestalteten Oberwelt herum.

Von dort aus steuert ihr die fünf Welten mit mehr als 20 Strecken an - mit dieser raffinierten Design-Entscheidung verabschieden sich die Entwickler von der Linearität, die man normalerweise aus Rennspielen kennt. An anderen Stellen wird jedoch mit Innovationen gegeizt: Denn das, was auf der Piste abgeht, könnte glatt dem Handbuch "Funracer - leicht gemacht" entstammen: Acht Fahrer tummeln sich auf den nett, aber nicht übermäßig kreativ konstruierten Strecken. Der Sieger wird nach drei Runden ermittelt.

Damit's nicht langweilig wird, ärgert man seine Gegner mit Ölpfützen und Raketen oder verschafft sich kurzzeitig Unverwundbarkeit. Was nach einer 08/15-Rennspielsause klingt, entpuppt sich in der Praxis jedoch als spaßige Alternative zu Mario Kart DS. Die Idee, dass man seine Items mit zwei weiteren Upgrades aufmotzen kann, war schon auf dem Nintendo 64 richtig genial: Aus einer herkömmlichen Rakete werden nach Aufsammeln der entsprechenden Ballons erst fünf Geschosse, dann ein zielsuchendes Objekt - der rote Schildkrötenpanzer lässt grüßen. In jeder Welt befindet sich zudem ein Schlüsselsplitter - nur wer alle findet, erhält Zugang zu ganz neuen Abschnitten.

Auch die Oberwelt und die in schicken Echtzeitfilmchen erzählte Story rund um das Terrorschwein Wizpig unterstreichen den erhöhten Anspruch gegenüber Mario Kart. In Sachen Multiplayer hinkt Rare ebenfalls kaum dem Nintendo-Rivalen hinterher: Online-Duelle gegen acht Spieler, vier Arenen sowie Rennen mit einer Cartridge sind heute keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, zumal der Mehrspielermodus wirklich Spaß macht. Doch irgendetwas fehlt der DS-Portierung - was ist es?

Auf Touchscreen komm raus

Diddy Kong Racing DS Quelle: N-Zone So paradox es klingen mag: Es ist der DS an sich, der den Spielspaß hin und wieder ins Stocken geraten lässt: Warum muss ich zum Ausführen des Turbostarts mit dem Stylus kreisförmige Bewegungen ausführen? Wo soll ich den Stift anschließend ablegen? Weshalb erkennt der Touchscreen nicht, wenn ich mit dem Daumen umherrotiere? Warum muss ich eine halbe Ewigkeit spielen, nur um mein Fahrzeug mit sinnarmen Upgrades zu versehen?

Hat jemand Spaß daran, zum Antrieb des Hovercrafts zu Beginn des Rennens ins Mikro zu pusten? Und wer zum Henker hat sich die teuflisch schlecht spielbaren Touchscreen-Bosskämpfe ausgedacht? Wir wissen es nicht. Doch wenn man ganz klassisch auf der Piste unterwegs ist, macht Diddy Kong Racing verdammt viel richtig! Und wer sowieso am liebsten mit Freunden spielt, braucht sich um die vergeigten Touchscreen-Einlagen ohnehin nur beim Blitzstart zu scheren. Die Faszination ist auf irgendeine Art und Weise noch vorhanden. Für eine uneingeschränkte Kaufempfehlung hat Rare aber zu viele Design-Patzer begangen.

Bildergalerie

Meinungen

Wertung zu Diddy Kong Racing DS (NDS)

Wertung:

74 /10
Pro & Contra
Umfangreicher MehrspielermodusNeue Strecken und Fahrer ...
... aber ohne Banjo und Conker!Touchscreen-Einlagen misslungen
Fazit

Ordentliche Umsetzung des N64-Originals mit alten Stärken, aber vermeidbaren Design-Mängeln

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