Nachdem Der Herr der Ringe: Die Eroberung Mitte letzten Jahres angekündigt wurde, war es erstaunlich ruhig um den Titel geworden. Normalerweise deutet so was auf eine Verschiebung hin, doch überraschenderweise verkündete EA plötzlich den Januar-Release des Spiels, in dem ihr nicht nur aufseiten des Guten kämpfen könnt.
Aragorn macht fast immer eine gute Figur. Auch im Kampf am Schwarzen Tor.
Schlachtenepos
Im Kampfgetümmel die Übersicht zu behalten, ist nicht immer einfach.
Der Spielablauf wird die wenigsten vom Sitz reißen. In 15 Missionen rennt ihr mit eurer Spielfigur durch bekannte Schauplätze der Herr der Ringe-Saga und metzelt dabei allerlei Gegner nieder. Zwischendurch werden euch immer wieder Aufgaben gestellt. Sehr oft handelt es sich dabei um die Eroberung eines bestimmten Punktes auf dem Schlachtfeld. Ein großer, gelber Pfeil zeigt direkt in der Spielumgebung die zu erobernde Stelle an und ein Kreis um den Pfeil herum den Radius, der von Feinden gesäubert werden soll. Ist die Eroberung gelungen, muss meist noch eine gewisse Zeit die Stellung gehalten werden, während weitere Scharen an Gegnern auf euch einstürmen. Hin und wieder wird von euch auch verlangt, dass ihr diverse Objekte zerstört oder bestimmte Feinde besiegt. Richtig originelle Aufgabenstellungen - wie die Erklimmung eines Oliphanten - gibt es jedoch selten.
Für Fans toll, spielerisch wenig von Wert: der extrem träge zu steuernde Balrog.
Kampfgewirr
Duell der Zauberer:
Gandalf gegen Saruman!
Nachdem man das optionale Tutorial von Der Herr der Ringe: Die Eroberung absolviert und alle vier wählbaren Charakterklassen (siehe Extrakasten) kennen gelernt hat, könnte der Eindruck entstehen, dass man es hier mit einem Spiel zu tun hat, dessen Kampfsystem viel Tiefgang besitzt. Kombos, Spezialangriffe, verschiedene Waffen sowie die Möglichkeit, an bestimmten Stellen einen der bekannten Helden (Gandalf, Legolas, Aragorn etc.) zu steuern, klingen vielversprechend. In der Praxis sieht das leider anders aus. Auf dem leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade reicht wildes Button-Mashing aus, um relativ problemlos durch die meisten Missionen zu kommen, während schon auf dem mittleren Schluss mit lustig ist. Hier habt ihr an vielen Stellen des Spiels überhaupt keine Chance mehr, wenn ihr den falschen Charakter gewählt habt. Zum Glück könnt ihr an eroberten Punkten eure Spielfigur wechseln, vor schnellen Toden wird euch das allerdings nicht bewahren. Grund hierfür ist die Hektik, die aufkommt, wenn ihr gegen mehrere Gegner kämpft.
Der Koop-Modus macht Laune und das Spiel deutlich einfacher. Auch einen Splitscreen-Modus haben die Entwickler dem Spiel spendiert.
Haben die euch einmal in der Mangel, gibt es kaum noch eine Chance zu blocken oder zu entkommen. Immerhin lassen besiegte Gegner hin und wieder Energiekügelchen fallen, die eure schnell sinkende Lebensenergie-Leiste wieder auffrischen. Die nicht immer ideal positionierte Kamera und die Tatsache, dass Gegner euch auch gern von hinten angreifen und euch so keine Chance lassen, sie rechtzeitig zu sehen, machen es euch nicht leichter. In einigen Missionen kommt es zudem vor, dass ihr extrem aufpassen müsst, um nicht in einen Abgrund zu stürzen, da eure Spielfigur schnell abrutscht, wenn ihr zu nahe am Rand einer Klippe oder Brücke steht.
Teamplay?
Als böser Zauberer Hobbits grillen. Da kommt Freude auf!
Natürlich steht ihr nie ganz allein auf den Schlachtfeldern von Mittelerde, sondern kämpft immer gemeinsam mit zahlreichen Verbündeten. Davon bekommt ihr allerdings herzlich wenig mit. Anweisungen könnt ihr euren virtuellen Mitstreitern sowieso nicht geben und inwiefern deren Verhalten abhängig von eurem eigenen ist, lässt sich schwer sagen. Bei der Verteidigung oder Eroberung eines Punktes geht schnell alles in einem heillosen Durcheinander unter. So spielen sich die Schlachten weniger wie episches Kriegsgeschehen, sondern eher wie der Versuch eines Einzelkämpfers, im Chaos zu überleben. Das ist vor allem deshalb schade, weil der Koop-Modus zeigt, dass es durchaus Sinn macht, auf Teamplay zu setzen. Wenn ihr euch dort mit euren Mitspielern absprecht, lässt sich das ganze Geschehen gleich viel besser beherrschen.
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