Darksiders im Test für PS3 und Xbox 360: Eine Prise God of War und ganz viel Zelda

Test David Martin Thorsten Küchler

Darksiders im Test für PlayStation 3 und Xbox 360 und ab sofort im Laden. Eine Prise God of War und ganz viel Zelda: Aus diesen Zutaten bastelt THQ ein PS3-Spiel, das uns überrascht hat - im positiven Sinne! Warum? Das ist ihr in unserer Review zu Darksiders.

Im Gegensatz zu allen Erwartungen ist Darksiders doch kein reines Gekloppe, sondern tatsächlich ein richtiges Action-Adventure. Noch 'ne Überraschung gefällig? Das Teil ist erstaunlich gut geworden! Wie, warum, weshalb - das erklären wir euch in unserem ausführlichen Test von Darksiders für PS3 und Xbox 360.

Krieg zieht in den Krieg
Die Story des Fantasy-Epos ist eine Mischung aus Mythologie, religiösen Versatzstücken und ganz viel Videospiel-Mumpitz: Auf der Erde bricht das Chaos aus, Monster ziehen durch die Straßen, Meteoriten stürzen vom Himmel, die Menschheit steht am Abgrund. Der Held des Spiels hört auf den subtilen Namen Krieg und wird von göttlichen Wesen für das ganze Schlamassel verantwortlich gemacht. Zum Glück ist der muskulöse Bursche kein einfacher Recke, sondern einer der vier apokalyptischen Reiter. Eine Tatsache, die ihn mit übermenschlichen Fähigkeiten segnet und zum idealen Videospiel-Frontmann macht. Ohne zu viel zu verraten: Die Handlung verläuft über die insgesamt knapp 15 Spielstunden eher schleppend. Trotz der toll inszenierten Zwischensequenzen müsst ihr euch einige Details schon selbst zusammenreimen - denn dramaturgisch wird eher löchrige Kost geboten. Und auch das Ende lässt mehr Fragen offen, als es beantwortet. Unser Verdacht: Die Entwickler haben sich einige Auflösungen für einen etwaigen zweiten Teil aufgehoben!

Geratet ihr bei einem Kampf ins Hintertreffen, verwandelt sich Krieg auf Knopfdruck in einen Feuerdämon. Geratet ihr bei einem Kampf ins Hintertreffen, verwandelt sich Krieg auf Knopfdruck in einen Feuerdämon.

Krieg ohne Frieden
Zu Beginn des Abenteuers wirkt Darksiders wie der dreisteste God of War-Klon seit God of War 2: Ihr poltert also mit eurem Helden durch 3D-Welten voller Monsterhorden und lasst auf Knopfdruck infernalische Kombos vom Stapel. Das Kampfsystem hält dabei klug die Balance zwischen intuitiv und tiefgründig: Wer einfach nur losdreschen will, hat also ebenso seinen Spaß wie geübte Tastenjongleure. Freilich dürfen in einem solchen Spiel auch die inzwischen obligatorischen Finishing Moves nicht fehlen: Habt ihr einen Bösewicht ins Taumeln gebracht, so blinkt ein Kreis-Symbol über seiner Birne auf. Na, was meint ihr wohl, was das bedeutet? Richtig: Der Schurke ist reif für einen finalen, meist auch recht brutalen Schwertstreich. Trotz dieser expliziten Szenen erscheint Darksiders ungeschnitten in Deutschland! Unserer Meinung nach zurecht, denn die digitale Gewalt richtet sich ausschließlich gegen absurde Fabelwesen.

Krieg kann kraxeln
Das Erstaunliche an Darksiders ist jedoch, dass die Scharmützel lediglich ein Drittel der Spielzeit einnehmen. In den restlichen 66,66666666 Prozent wartet ihr nicht dämlich rum, sondern erforscht die wunderschön gestaltete Welt und (man höre und staune) löst knackige Rätsel. Die Entwickler bedienen sich dabei geradezu freimütig bei Genre-Klassikern wie Nintendos Legend of Zelda-Serie. Ergo erhaltet ihr an vorgegebenen Stellen frische Fähigkeiten, die euch wiederum Zugang zu neuen Levels verschaffen. So sackt Krieg beispielsweise einen Enterhaken ein, der ihn fortan über zuvor unüberwindbare Abgründe schwingen lässt. Außerdem wären da noch ein Bumerang, eine Zeitlupen-Funktion, eine magische Sicht und ein Portal-Zauber. Letzteren kennen PS3-Zocker bereits aus dem Valve-Titel Portal: Ihr pappt also zwei magische Türen an die Wand und schafft so einen interdimensionalen Durchgang. Diese Spielerei sieht nicht nur toll aus, sondern ist auch für die besten Rätsel des Spiels verantwortlich.

Am Ende eines jeden Dungeons wartet ein Obermotz auf euch. Diese Treffen sind nicht nur prima inszeniert, sondern auch spielerisch spannend. Am Ende eines jeden Dungeons wartet ein Obermotz auf euch. Diese Treffen sind nicht nur prima inszeniert, sondern auch spielerisch spannend.

Krieg muss grübeln
Jeder der insgesamt fünf großen Dungeons basiert auf einem bestimmten Talent eures Helden: Mal kommt ihr nur mit dem Bumerang weiter, mal müsst ihr ständig die Zeit anhalten, um einen Level zu meistern. Damit die Knobeleien nicht für Frust sorgen, haben die Entwickler eine Hilfefunktion eingebaut. Krieg wird nämlich von einem herrlich schrägen Dämon begleitet, der auf Knopfdruck kleine Tipps zum Besten gibt. Allerdings funktioniert dieses System mehr schlecht als recht: Der Helfer-Knilch hat ein sehr beschränktes Repertoire und verweigert bei vielen Puzzles komplett den Dienst. Schade um die eigentlich famose Idee! Zum Glück sind die meisten Passagen aber mit ein bisschen Logik und Verstand schnell zu meistern. Wir konnten das Abenteuer jedenfalls flüssig durchspielen, Frust kam niemals auf. Einzig die Bosskämpfe fallen etwas knackiger aus - zumindest bis ihr die richtige Angriffstaktik rausgefunden habt. Denn jeder Obermotz lässt sich nur nach einem bestimmten Schema schlagen. Die Ekelechse am Ende des ersten Dungeons könnt ihr zum Beispiel nur vom Himmel holen, wenn ihr dem Biest Bomben anklebt und diese dann mit einem schnellen Bumerangwurf zündet.

Eine Art göttliche Sicht bringt verborgene Brücken zum Vorschein. Eine Art göttliche Sicht bringt verborgene Brücken zum Vorschein.

Dieser Krieg ist schön!
Im Gedächtnis bleiben die Duelle mit den XXL-Gegnern aber vor allem wegen ihrer blitzsauberen Inszenierung. Wuchtig animierte Monster, gleisende Effekte, schicke Texturen - so mögen wir unsere Action-Spiele! Noch dazu flimmert das Spiel bis auf einige wenige Szenen schön flüssig über den Bildschirm. In Sachen Sound ist der Gesamteindruck ebenfalls sehr gut. Zwar poltert die bombastische Musik für unseren Geschmack zu oft nur im Hintergrund, aber sie bleibt bombastisch. Zudem hat sich THQ mit der deutschen Synchronisation viel Mühe gegeben: Sämtliche Sprecher machen ihre Sache ordentlich bis super. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass wir das Spiel nach wenigen Stunden in Englisch weitergezockt haben. Denn die Originalfassung klingt noch authentischer und atmosphärischer. Wer im Sprach-Unterricht gut aufgepasst hat, der sollte seine Konsole in den Systemeinstellungen entsprechend umschalten - denn das Menü von Darksiders verschweigt die ebenfalls auf der Disc befindliche, englische Sprachausgabe.

Screenshots aus unserem Test von Darksiders für PS3 und Xbox 360:

Bildergalerie

Wertung zu Darksiders (PS3)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Spannende Mixtur aus packenden Kämpfen und pfiffigen RätselpassagenToll designte, riesige Spielwelt mit vielen versteckten GeheimnissenMotivierende Bossduelle, die nur mit entsprechender Taktik zu meistern sind
Etwas krudes Design-Mischmasch, das zu viele Elemente miteinander verquirltEinige Stellen wirken arg gestreckt und bremsen den Spielfluss ausKleinere Steuerungsmacken wie etwa die seltsame Schultertasten-Belegung
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