Crysis 2 im Test für PS3 und Xbox 360: Das fanden wir gut

Test Felix Schütz

Crysis 2 im Einzelspieler-Test für PS3 und Xbox 360: Das neue Crysis ist nicht mehr ganz das alte. Wir erklären, warum Cryteks Konsolendebüt zwar nicht perfekt, aber trotzdem großartig ist.

Vielseitiger Nanosuit
Der Nanosuit ist Dreh- und Angelpunkt des Spiels, denn die meisten Areale und Herausforderungen sind so gestaltet, dass man sie auf mehreren Wegen meistern kann. Zunächst sollte man die Umgebung durch eine Taktikbrille auskundschaften, mit der markiert man Feinde auf der Minikarte oder hebt Munitionslager hervor. Danach entscheidet man sich für eine Vorgehensweise. Per Knopfdruck macht sich Alcatraz beispielsweise kurzzeitig unsichtbar. So kann er Feinde unentdeckt im Nahkampf ausschalten und manchmal lassen sich Gefechte sogar ganz vermeiden. Hin und wieder finden sich nämlich praktische Alternativrouten, etwa über Baugerüste oder durch Unterführungen und Kanalgänge hindurch, dank denen man Feinde umgehen kann.

Neben Unsichtbarkeit bietet der Nanosuit andere Funktionen, etwa einen Panzerungsbonus, der auch frontales Losballern ohne viel Überlegung oder Taktik erlaubt - wer so spielen möchte, kann das in der Regel tun. Im Vergleich mit anderen Shootern fällt die Nanosuit-Steuerung recht komplex aus, manche Tasten sind sogar doppelt belegt - um eine Granate auszuwählen, müsst ihr beispielsweise zwei Mal schnell die Y- beziehungsweise die Dreieck-Taste auf dem Gamepad drücken. Doch mit ein paar Minuten Eingewöhnung geht die Bedienung gut von der Hand und man merkt, dass Crytek sich bei der Gamepad-Steuerung viele gute Gedanken gemacht hat: Wer zum Beispiel schneller rennen oder höher springen möchte, braucht dazu nur die entsprechenden Tasten gedrückt zu halten, das geht ruck zuck. Zudem lässt sich der Anzug auch aufrüsten und an die eigene Spielweise anpassen. Sehr cool: In Crysis 2 darf sich der Held auch an Kanten und Plattformen heraufziehen, auf diese Weise lenkt man Alcatraz deutlich flotter durch die Levels und kann so schwer erreichbare Wege nutzen, die im Vorgängerspiel noch undenkbar gewesen wären. Klasse!

Trotz aller Nanosuit-Taktik ist Crysis 2 natürlich in erster Linie ein Shooter, es wird also reichlich geballert. Trotz aller Nanosuit-Taktik ist Crysis 2 natürlich in erster Linie ein Shooter, es wird also reichlich geballert. Stark inszenierte Kämpfe
Trotz aller Nanosuit-Taktik ist Crysis 2 natürlich in erster Linie ein Shooter, es wird also reichlich geballert. Die Waffen fallen mit gängigen Gewehren und Pistolen etwas konventionell aus, doch dafür fühlen sie sich gut an und lassen sich mit Upgrades wie Zielfernrohren und Schalldämpfern ausrüsten. Raffinierte Alienwaffen gibt's leider nicht, nur eine Knarre sticht aus der Masse heraus: Die Mikrowellenkanone kocht Aliens in ihrem Körperpanzer, was zu schön matschigen Resultaten führt. Außerdem reißt Alcatraz lässig schwere Geschütze aus ihren Verankerungen und schießt damit selbst schwere Helikopter vom Himmel.

Im Nahkampf kann Alcatraz nicht nur zuschlagen, sondern auch schwere Objekte wie Autowracks auf seine Feinde kicken - ein nettes Feature, das wir in der Praxis aber so gut wie nie benutzt haben. Vielmehr hätten wir uns noch etwas mehr Interaktion mit der Spielwelt gewünscht: Die Levelbauten sind nur eingeschränkt zerstörbar, hier bot das erste Crysis einfach mehr. Beispielsweise lassen sich Türme von Scharfschützen nicht mehr einreißen und viele Objekte reagieren nicht auf Beschuss. Das ist nicht tragisch, Crysis 2 funktioniert trotzdem gut so, wie es ist, doch es wäre einfach noch besser gegangen.

Spielzeit und Schwierigkeitsgrad
Da der Nanosuit verschiedene Spielweisen erlaubt, kann die Gesamtspielzeit deutlich variieren - rund 10 Stunden sind ein realistischer Wert für den normalen Schwierigkeitsgrad, der bereits ganz schön knackig ausfällt: In der Regel hat man es mit mehreren Gegnern gleichzeitig zu tun, die nicht nur viel Schaden austeilen, sondern auch eine Menge Treffer verkraften. Für Crysis 2 kommt ein für Konsolenshooter übliches Checkpoint-System zum Einsatz. Diese automatischen Speicherpunkte sind manchmal zu weit auseinander gesetzt, sodass man einige lange Kampfszenen womöglich mehrmals spielen muss - und das kann nerven.

Auch wenn Spielablauf und Gegnerauswahl nur wenig Abwechslung bieten, bleiben die Kämpfe bis zum Schluss unterhaltsam. Auch wenn Spielablauf und Gegnerauswahl nur wenig Abwechslung bieten, bleiben die Kämpfe bis zum Schluss unterhaltsam. Fordernde Gegner-KI
Auch wenn Spielablauf und Gegnerauswahl nur wenig Abwechslung bieten, bleiben die Kämpfe bis zum Schluss unterhaltsam. Meist reagieren die Feinde nämlich ziemlich clever: sie gehen in Deckung, schwärmen in Suchtrupps aus und setzen Alcatraz auch auf Distanz kräftig zu. Aliens können zusätzlich enorm hoch und weit springen oder Wände hinaufklettern, das macht sie unberechenbar und gefährlich. Crysis 2 kommt hier meist ohne vorgeskriptete Momente aus, die Gegner agieren in der Regel eigenständig. Hin und wieder zeigte die KI im Test zwar durchaus spürbare Aussetzer: An einer Stelle versuchte ein dicker Ceph-Koloss vergeblich, uns durch eine für ihn viel zu kleine Tür zu verfolgen. Mehrmals sprengten sich außerdem einige Feindsoldaten selbst mit Granaten in die Luft. Doch selbst solche albernen Momente sind zu verschmerzen, denn im Gegensatz zu viele anderen aktuellen Shootern hat Crysis 2 wenigstens eine KI! Wer sich über die dämlichen Moorhuhn-Gegner vieler aktueller Shooter ärgert, dürfte die Feinde in Crysis 2 daher trotzdem als Wohltat empfinden. Allerdings: Wir hatten den Eindruck, dass die KI sowohl auf Xbox 360 als auch auf PS3 etwas häufiger zu Fehlern neigt als in der PC-Fassung.

Upgrade-System
Alle Alien-Gegner hinterlassen nach ihrem Ableben eine schimmernde Wolke aus Nano-Katalysatoren, die man durch Berührung aufsammelt. Je härter der Gegner, desto mehr dieser Teilchen erhält man. In einem eigenen Menü darf man die Katalysatoren dann in bis zu 12 Upgrade-Module investieren, die sich auf vier Slots verteilen - pro Slot ist immer nur ein Modul aktiv. Im Grunde ist keine der Verbesserungen dabei spielentscheidend, man erhält keine stärkeren Waffen oder dergleichen; eine rollenspielartige Charakterentwicklung sollte man hier nicht erwarten. Allerdings - und das ist schön - helfen die Verbesserungen dabei, den jeweiligen Stil des Spielers zu unterstreichen: Wer beispielsweise gerne schleichend vorgeht, findet dazu passende Upgrades, etwa ein nützliches Geschwindigkeitsmodul. Spieler, die jedoch lieber ungehindert drauflosballern möchten, sollten stattdessen zu einem Rüstungsbonus greifen.

Fantastische Skript-Sequenzen
Sensationell geskriptete Sequenzen lockern das Spielgeschehen auf: Wenn Wolkenkratzer und Brücken einstürzen oder man von einem Soldaten aus einem Hochhausfenster gekickt wird, dann ist das eindrucksvolles Action-Kino. Vor allem hier zeigt die Cryengine 3, was in ihr steckt: Glaubhafte Lichteffekte, wilde Kamerafahrten, tolle Animationen und aufwendig berechnete Partikel ergeben ein fantastisches Gesamtbild.

Der Sound trägt zur dichten Stimmung bei. Die orchestrale Musik ist oft zurückhaltend, aber stets spannend und atmosphärisch. Der Sound trägt zur dichten Stimmung bei. Die orchestrale Musik ist oft zurückhaltend, aber stets spannend und atmosphärisch. Passende Klänge
Der Sound trägt zur dichten Stimmung bei. Die orchestrale Musik ist oft zurückhaltend, aber stets spannend und atmosphärisch - mit einer Ausnahme: Das Titelthema, komponiert von Hollywoods Liebling Hans Zimmer, empfanden wir mehr anstregend als stimmungsvoll. Zum Glück ist es nur im Hauptmenü und bei Spielbeginn zu hören, danach setzen weit angenehmere Klänge ein.

Die deutschen Sprecher sind grundsätzlich gut gewählt, allerdings wurden sie gleich für mehrere Rollen besetzt - gerade bei den menschlichen Soldaten ist eine Stimme auffällig oft zu hören, das kratz ein wenig an der Atmosphäre. Auch gewöhnungsbedürftig: Der Nanosuit liest nun alle Einsatzziele mit tiefer, elektronisch verzerrter Stimme vor - das ist zwar grundsätzlich nicht schlimm, lässt sich aber leider auch nicht abschalten, falls man das möchte.

Schade: Die Xbox-360-Version bietet nur deutsche und türkische Sprachausgabe - die etwas besser klingende englische Fassung sucht man hier vergeblich. Die PS3-Version hingegen bietet eine große Auswahl an Sprachen, hier wurde der Platz der Blu-ray offensichtlich gut genutzt.

Bildergalerie

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