Da hätten wir besser vorher zur Tür hineinspähen sollen.
Wer einen PC sein Eigen nennt, dürfte zumindest schon einmal von Commandos gehört haben. Der Strategiehit überzeugte mit guten Ideen, neuen Ansätzen, spannenden Missionen und einem ausgereiften zweiten Teil, der bereits vor knapp einem Jahr erschien. Für die PS2 wurde Commandos 2: Men of Courage hingegen Mal um Mal verschoben. Nicht zuletzt, weil große Teile des knallharten Strategiespektakels an die Eigenheiten einer Spielkonsole angepasst werden mussten. Im Spiel selbst geht es um eine sechsköpfige Elitetruppe der Alliierten, die im Zweiten Weltkrieg an allen Fronten geheime Kommandounternehmen durchführt. Die vier Männer, die Frau und der Hund haben alle ihre individuellen Stärken und Schwächen und um ein Missionsziel zu erreichen, ist perfektes Teamwork gefragt. Die Einsätze, die Sie erledigen müssen, umfassen Sabotageakte genauso wie Spionagemissionen oder Gefangenbefreiung. Stets steht Ihnen dabei eine gewaltige Übermacht entgegen, so dass Sie bedacht und möglichst unauffällig operieren müssen. Schleichen ist also alles. Die feindlichen Einheiten sind in jedem Fall sehr aufmerksam. Werden Sie entdeckt, kommt es im besten Fall zu einer Schießerei, im schlechtesten wird Alarm ausgelöst und die Mission wird de facto unlösbar. Zu besseren Übersicht läst sich zu jeder Zeit der Sichtradius einzelner Soldaten einblenden. Ansonsten gilt es in jedem Fall, die Routinen der einzelnen Feinde zu studieren, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Natürlich müssen Sie nicht beständig auf Gewalt setzen, oft lassen sich Wachen auch gezielt ablenken oder einfach durch einen Sender oder gezielt platzierte Fußspuren in eine Falle locken. So weit die Theorie ...
EINGESACKT
An die Steuerung, bei der Maus und Tastatur durch mehrfach kombinierte Tasten auf dem Gamepad ersetzt wurden, wird man im Tutorial langsam herangeführt. Bevor man wirklich mit den Kontrolloptionen warm wird, vergeht allerdings etwas mehr Zeit. Gerade in Stresssituationen passiert es oft, dass, statt das Feuer zu eröffnen, die Taschen eines Gefallenen durchsucht werden. Auch die Art, wie die Commandos befehligt werden, fand einen ganz anderen Ansatz. Auf der PS2 steuern Sie jeden Ihrer sechs Männer direkt. Was nach einer durchdachten Konvertierung klingt, bricht dem Spiel bei näherer Betrachtung allerdings das Genick. Durch die andere Steuerung ist der Titel deutlich actionlastiger geworden, ohne dass sich das Spielprinzip in irgendeiner Form geändert hätte. Noch immer müssen Sie an einer Situation so lange herumtüfteln, bis die Aktionen Ihrer Leute hundertprozentig sitzen. Mit der neuen Steuerung sind genau getimte Handlungen und ein komplexes Vorgehen aber oft ein aufwendiges und frustrierendes Erlebnis. So läuft es gerade im weiteren Spielverlauf früher oder später darauf hinaus, dass man schlicht auf brachiale Gewalt in Verbindung mit der etwas langsamen Speicherfunktion setzt - was weder Sinn des Spiels noch in den meisten Situationen erfolgversprechend ist. Einzig der Sound kann dank guter Sprachausgabe und stimmiger Musik wirklich überzeugen. Die Grafik hingegen ist eher lau, alles ruckelt vor sich hin, flimmert ein bisschen und ist definitiv unspektakulär. Den krönenden Abschluss bilden dabei die ausgeschalteten Feindsoldaten. Die verwandeln sich nämlich in eine Art Mehlsack, so dass die Landschaft nach einer größeren Schießerei aussieht, als sei in der Nähe eine Bäckerei explodiert. Wer sich von all den Unstimmigkeiten nicht abschrecken lässt und viel Geduld und Nerven mitbringt, den erwartet jedoch auch auf der PS2 ein interessantes Spielkonzept und anspruchsvolle Tüftelei.
