Command & Conquer 3: Kanes Rache

Test Horst Heindl

Command & Conquer ist wie der B-Movie Plan 9 from Outer Space: trashig, aber irgendwie kultig. Und weil NOD-Oberbösewicht Kane scheinbar den beliebtesten Charakter der Serie darstellt, widmete Entwickler EA Los Angeles der durchgeknallten Glatzbirne gleich ein eigenes Add-on zu Tiberium Wars. In der 13 Missionen umfassenden Kampagne von C&C3: Kanes Rache spielt ihr ausnahmslos aufseiten der NOD und erfahrt unter anderem, wie Kane den zweiten Tiberiumkrieg überlebte und welche Beziehung die Bruderschaft zu den außerirdischen Scrin hat.
An die herrlich trashigen Zwischensequenzen haben wir uns mittlerweile gewöhnt. An die herrlich trashigen Zwischensequenzen haben wir uns mittlerweile gewöhnt.
Wie eine epische Einheit gerät die Kampagne nur langsam in Fahrt und wird von wenig action-, dafür sehr wort- und intrigenreichen Videosequenzen vor und nach jeder Mission begleitet. In spielerischer Hinsicht gewinnt die Kampagne erst ab Mission fünf an Fahrt, die erstmals vom drögen "Baue Basis, zerstöre Basis"-Schema abweicht. Hier gilt es nämlich, mit einer einzelnen Kommando-Soldatin die GDI hinter feindlichen Linien nachhaltig zu schwächen.

Ähnlich zäh geht es in dem Modus Kanes Herausforderung zu. Zunächst wählt ihr eine der neun Fraktionen (jede der drei Hauptfraktionen bietet zwei Splittergruppen) aus und spielt mit ihnen zehn Missionen. Der Clou: Egal welche Fraktion ihr auswählt, die zur Verfügung stehenden zehn Missionen bleiben die gleichen. Auf diese Weise lernt ihr zwar sämtliche Feinheiten der Splittergruppen kennen, doch wer möchte ernsthaft 80 Mal das Gleiche spielen?

Fette Panzer

Die bereits erwähnten epischen Einheiten stellen neben den Unterfraktionen (siehe Vorschau in OXM 05/2008) die größte Neuerung in Kanes Rache dar. Ob es sich nun um den Überpanzer MARV (GDI), den Mega-Avatar Redeemer (NOD) oder den spinnenartigen Eradikator-Hexapod (Scrin) handelt, sie alle haben, richtig eingesetzt, das Zeug dazu, einer gut gesicherten Feindbasis empfindlich zu schaden.
Epische Einheiten, hier ein Eradikator Hexapod der Scrin, sind ebenso langsam wie unaufhaltsam. Epische Einheiten, hier ein Eradikator Hexapod der Scrin, sind ebenso langsam wie unaufhaltsam.
Richtig eingesetzt deswegen, weil die epischen Einheiten ihre volle Kraft erst dann entwickeln, wenn man bis zu drei Infanterie-Einheiten einquartiert. Setzt man etwa einen Ingenieur in eine solche Mega-Einheit, repariert sich das Ungetüm langsam von selbst. Jeder Infanterietyp, egal ob Flammenwerfer oder Scharfschütze, überträgt sich dann auf die epische Einheit. Der Bau einer solchen Monstrosität geht dabei überraschend schnell vonstatten. Gerade in Mehrspielergefechten gegen die KI (alles unter dem schwersten Schwierigkeitsgrad bietet keine Herausforderung für erfahrene Strategen) lässt sich diese damit schnell überrennen, oder vielmehr langsam platt walzen.

Am meisten Spaß macht Kanes Rache ohnehin im Mehrspielermodus auf stolzen 52 Karten und mit den bereits aus Tiberium Wars bekannten Modi King of the Hill, Einnehmen und Halten (wie King of the Hill, nur mit mehr Eroberungs-Punkten), Belagerung und Capture the Flag. CTF in einem Strategiespiel? WTF?! Der Modus erweist sich aber als überaus spaßig, wenn ihr mit einer Infanterie-Einheit eine in der Mitte der Karte auftauchende Flagge aufnehmen und in die eigene Basis eskortieren müsst. Da ist schon eine komplett andere Taktik nötig als in einem gewöhnlichen Duell.

Der Modus Belagerung ist nichts weiter als ein Duell mit eingebautem Schutz vor schnellen Rush-Attacken. Während der ersten paar Minuten ist nämlich jeder Spieler hinter einer undurchdringlichen Energiebarriere geschützt. Da bleibt genug Zeit, um eine rudimentäre Basisverteidigung aufzubauen.

Bei der Steuerung machten die Entwickler dank des Radialmenüs einen gewaltigen Schritt nach vorne. Endlich müsst ihr nicht mehr umständlich auf jedes einzelne Produktionsgebäude klicken und euch zum gewünschten Gebäude oder der zu bauenden Einheit durchhangeln. Das neue Menü hat auch den Vorteil, dass ihr inmitten einer Schlacht neue Einheiten nachordern könnt, da es jederzeit aufrufbar ist.
Das komfortable Radialmenü könnt ihr überall aufrufen und auf Wunsch Zusatzinfos zu den Bauoptionen einblenden. Das komfortable Radialmenü könnt ihr überall aufrufen und auf Wunsch Zusatzinfos zu den Bauoptionen einblenden.
Lediglich zwecks Forschung müsst ihr auf das jeweilige Gebäude klicken, aber das ist nicht sehr häufig vonnöten. Wer Kanes Rache gespielt hat und danach noch einmal Tiberium Wars spielt, wird sofort das praktische Radialmenü vermissen. Wer den Mehrspielerteil von Tiberium Wars mochte, wird mit Kanes Rache mehr als zufrieden sein.

Wertung zu Command & Conquer 3: Kanes Rache (X360)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Epische EinheitenSechs neue UnterfraktionenSehr gute SteuerungSpeichern jederzeit möglich
Viele 08/15-Missionen
Fazit

Ebenso trashige wie kultige C&C-Seifenoper,
bei der Steuerung und Mehrspielerteil überzeugen.

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