Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 im Test

Test Christian Schönlein

Sowjet-Schlacht zwischen Echtzeitstrategie und Edel-Trash

Neben tadellosen Führungsqualitäten erfordert das Echtzeit-Strategie-Genre, anders als sein wesentlich gemächlicherer rundenbasierter Cousin, auch Fingerspitzengefühl und schnelle Reaktionen. Ein Umstand, dem bislang nur die Steuerung via Maus und Tastatur gerecht werden konnte. Da gebührt EA großes Lob, dass man schon mit Command & Conquer 3: Kanes Rache ein eigens auf das Gamepad zugeschnittenes Steuerschema entwarf, das auch noch richtig gut funktionierte.
Die Zeppeline der Sowjets haben wir vom Himmel geholt. Da freut sich auch die bezaubernde Gemma Atkinson. Die Zeppeline der Sowjets haben wir vom Himmel geholt. Da freut sich auch die bezaubernde Gemma Atkinson.
Auch der neue C&C-Ableger braucht das Rad da gar nicht neu zu erfinden, sondern es einfach nur aufzugreifen: Betätigt ihr die rechte Schultertaste, öffnet ihr, je nachdem welche Einheit oder welches Gebäude aktiv ist, ein ringförmiges Menü. In diesem wählt ihr dann durch Rotieren des linken Analogsticks flott eine Aktion aus oder switcht gegebenenfalls durch verschiedene Options-Ebenen.
Das Rad-Menü überträgt die komplexe Maus-und-Tastatur-Steuerung aufs Gamepad. Das Rad-Menü überträgt die komplexe Maus-und-Tastatur-Steuerung aufs Gamepad.
DARF‘S EIN WENIG STRATEGISCHER SEIN?

Die Steuerung funktioniert also mal wieder erfreulich gut, wenn auch nicht immer tadellos. Nur mit einem radförmig aufgebauten Menü kann man ein so komplexes Spiel dann eben doch nicht steuern. Deswegen gibt es über 40 weitere, zum Teil etwas unglücklich geratene Funktionen und Tastenkombinationen: Wollt ihr eurer Unterstützung beispielsweise mitteilen, dass sie an einem bestimmten Punkt zuschlagen soll, müsst ihr erst den linken Bumper gedrückt halten, dabei eine von vier Richtungen mit dem Digikreuz angeben und anschließend den Zielpunkt mit einem Druck auf die A-Taste bestätigen.

Die Stingray-Boote sind auch zu Lande einsetzbar und verwandeln sich dort in skorpionartige Maschinen. Quelle: EA Die Stingray-Boote sind auch zu Lande einsetzbar und verwandeln sich dort in skorpionartige Maschinen.
Das Gros der Tastenfunktionen ist zwar simpler als das hier dargestellte Beispiel, aber es gibt doch immer wieder solche verschachtelten Kombinationen, die euch das Befehligen nicht gerade leichter machen. Hinzu kommen die Mängel, die schon in der PC-Version nerven. So werden halbwegs erfahrene Kommandanten kaum gefordert. Selbst in der mittleren von drei Schwierigkeitsstufen gibt es Einsätze, in denen man nicht eine Taste drücken muss, um eine Schlacht zu gewinnen! Und das, obwohl sich besonders die KI der eigenen Truppen ziemlich doof anstellt.

Die Schauspieler sind eigentlich begabte Größen, spielen hier aber so protestantiv trashig, dass es ein Fest ist. Die Schauspieler sind eigentlich begabte Größen, spielen hier aber so protestantiv trashig, dass es ein Fest ist. Bei der Wegfindung kommt es so immer wieder zu Problemen. Zwar kann man auch manuell einzelne Wegpunkte setzen, doch selbst auf diese Art blockieren sich einzelne Einheiten gegenseitig. Außerdem ist das Missionsdesign nur wenig abwechslungsreich: Meist errichtet ihr eine Basis und zerstört mit dort erstellten Einheiten dreimal irgendwas und dann zweimal irgendwas anderes, als Nebenziele vielleicht noch fünfmal irgendwas Ähnliches.

KÖNNTE BESSER SEIN, ABER AUCH WEITAUS SCHLECHTER

Aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen: Denn wie schon die PC-Version vermag auch die Xbox 360-Fassung von Alarmstufe Rot 3 durchaus, und den offensichtlichen Mängeln zum Trotze, für anspruchsvolle und richtig gute Strategie-Unterhaltung zu sorgen. Cleveres und gut ausbalanciertes Einheitendesign, drei sich storytechnisch kreuzende, aber voneinander unabhängige Kampagnen, ein motivierender kooperativer Mehrspielermodus und vor allem eine herrlich trashige Präsentation lassen Hobby-Strategen aufjubeln.
Helikopter haben logischerweise weniger Probleme bei der Wegfindung. Helikopter haben logischerweise weniger Probleme bei der Wegfindung.
Alarmstufe Rot 3 nimmt sich tatsächlich nicht allzu ernst und sorgt besonders in den Zwischensequenzen für Edel-Trash vom Feinsten! Allein beim knapp fünfminütigen Intro, in dem Albert Einstein in eine Paralleldimension geschickt wird und die Atombombe somit nie erfunden wird, mussten wir mehrmals herzlich und laut lachen.

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